Aachen: Macheten-Fall: Donnerstag wird das Urteil gesprochen

Aachen: Macheten-Fall: Donnerstag wird das Urteil gesprochen

Notwehr oder gefährliche Körperverletzung mit Inkaufnahme eines möglichen Todes: Immer noch liegen die Anträge von Staatsanwaltschaft und Verteidigung vor der 2. Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht im Fall des 27-jährigen Levent A. meilenweit auseinander.

Am Mittwoch wurden die Plädoyers in dem Fall vorgetragen, der sich 2009 in spektakulärer Manier vor den Türen des Cinekarrees abgespielte. Im März fand dort eine — zugegeben weit weniger blutrünstige — Version des Actionspektakels „Machete kills“ statt, als der Angeklagte auf drei Brüder einer Familie traf, mit der A. damals seit Monaten im Clinch lag.

In einem Handgemenge, in dem ein Macheten-ähnliches Messer von „30 bis 50 Zentimetern“ Klingenlänge, wie es die Staatsanwältin beschrieb, auftauchte, wurde der jüngste der Brüder am Kopf getroffen. Die Schädelhaut wurde dabei teilweise abgetrennt. Geführt hatte die Waffe im Moment der Auseinandersetzung der Angeklagte, der nach dem Hieb weglief.

Die Staatsanwältin ging in dem zweiten Schwurgerichtsprozess — im ersten war A. zu vier Jahren Haft verurteilt worden, der Bundesgerichtshof ließ neu verhandeln — zunächst von einem versuchten Totschlag aus. Doch A. sei im Laufe der Attacke von dem Tötungsvorhaben zurückgetreten, also gehe es jetzt noch um eine gefährliche Körperverletzung, sagte die Staatsanwältin und beantragte eine fünfjährige Haftstrafe.

Das sei alles zu viel, reklamierte demgegenüber der Verteidiger von A., der Bonner Anwalt Ingo Thiée. Er will einen Freispruch. Zwar habe sein Mandant einen der älteren Brüder angegriffen, jedoch keineswegs die schreckliche Waffe dabei gehabt. A. hatte zugegeben, den Streit mit einem Faustschlag begonnen, die Machete aber einem der Brüder „abgerungen“ zu haben. Er entschuldigte sich nochmals beim Opfer. Das Urteil wird heute gegen 11 Uhr gesprochen.