Aachen: „Macbeth“ im Ludwig Forum: Über Machthunger und Schuld

Aachen : „Macbeth“ im Ludwig Forum: Über Machthunger und Schuld

Als der englische Dramatiker William Shakespeare seine Werke schrieb, mangelte es in seiner eigenen Lebenswirklichkeit nicht an Inspiration. Schließlich waren England und Schottland im auslaufenden Spätmittelalter der Schauplatz für zahllose Adelsfehden und sogar Königsmorde.

Doch das ist bei Shakespeare nur Kulisse — hintergründig ging es ihm um Themen, die ihre Bedeutung nie verloren haben: Machthunger, Selbstbestimmung und Schuld. So konnte man auch die von der Theatergruppe Actor’s Nausea aufgeführte Premiere des Stücks „Macbeth“ durchaus im Lichte aktueller Ereignisse sehen. Diese fand im ausverkauften „Space“ im Ludwig Forum statt.

Überraschend an dieser Inszenierung ist die anfängliche Ruhe und optische Schlichtheit, mit der die beiden Regisseure Elisabeth Raasch und Marcos de Luis Bolinaga die Handlung vor dem Publikum ausbreiten. Fünf abgestufte Quader, auf denen ein Altar ruht, sowie zwei große Fahnen in den schottischen blau-weißen Königsfarben bilden die Kulisse, in der die Zuschauer erst einmal alleine gelassen werden mit den Monologen der Schauspieler.

Das ist gewollt und schon von Shakespeare als Stilmittel gewählt, um Einblicke in die inneren Konflikte der Figuren zu gewähren. In der Hauptrolle ist dies natürlich der schottische Thronräuber Macbeth, hervorragend gespielt von Pepe Sánchez-Molero, der seinen König Duncan (Natasha Simon) ermordet, um selbst über das Land zu herrschen. Doch kaum an der Macht, scheint ihm zusehends die Kontrolle zu entgleiten, er lässt immer mehr seiner Widersacher unter seiner Gewaltherrschaft ermorden.

Die Inszenierung der Schauspielgruppe hat aber ein praktisches Problem: „Macbeth“ bringt insgesamt 27 Charaktere auf die Bühne, die von lediglich elf Schauspielern dargestellt werden. So kommt es, dass die Figuren äußerlich und charakterlich manchmal nicht deutlich genug voneinander zu unterscheiden sind. Und da die Aufführung vollständig in englischer — und sehr poetischer — Sprache gehalten ist, sollte man zumindest mit groben Vorkenntnissen zur Handlung in das Stück gehen.

Dann jedoch sind die knapp zwei Stunden, die das Stück dauert, eine gut investierte Zeit. Hier trägt vor allem die pointierte Tonkulisse maßgeblich zur atmosphärischen Tiefe bei: Mal ist Musik zu hören, mal Kirchenläuten, mal sind es nächtliche Waldgeräusche. Und auch das anfangs minimalistische Bühnenbild wird mit fortschreitender Handlung zusehends lebendiger und hält noch manche Überraschung bereit.

Es gibt noch wenige Karten an der Abendkasse für die Aufführungen am heutigen Samstagabend um 20 Uhr und am Sonntag, 28. Januar, um 15 Uhr im „Space“ im Ludwig Forum.

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