Aachen: Luxemburger gewinnen Jugendkarlspreis mit Twitter-Projekt

Aachen : Luxemburger gewinnen Jugendkarlspreis mit Twitter-Projekt

Friede als Kernidee der Europäischen Union hat in diesem Jahr im Zentrum der Preisverleihung des Jugendkarlspreises gestanden. Zum achten Mal wurde der Preis an kreative Jugendinitiativen in Europa in der Aula der RWTH Aachen verliehen.

„Alle Projektteilnehmer haben gewonnen“, sagte Bettina Leysen, stellvertretende Vorsitzende der Stiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen. Etwa 350 Projekte hatten sich beworben, 28 sind in die engere Auswahl für die ersten drei Plätze gekommen. Zum ersten Mal wurden gleich fünf Projekte ausgezeichnet: Neben den ersten beiden gab es drei Drittplatzierte.

Festredner Martin Schulz, EU-Parlamentspräsident und designierter Karlspreisträger, betonte die Selbstverständlichkeit, mit der die heutige Jugend ohne Krieg und im Frieden aufwachsen könne: Der Erste Weltkrieg ist seit bald 100 Jahren beendet, der Zweite Weltkrieg 70 Jahre her. „Das ist eine der wichtigsten Errungenschaften des vereinten Europa“, sagte er.

Friede als Kerngedanke der europäischen Einigung dürfe nicht in Vergessenheit geraten. Den ersten Platz erhielt folgerichtig das Twitterprojekt „@Real TimeWW1“ aus Luxemburg: Die Studenten der europäischen Zeitgeschichte veröffentlichen jeden Tag mehrere kleine Alltagsgeschichten darüber, was genau an diesem Tag vor hundert Jahren geschehen ist.

Ziel ist, Kriegsgeschehen nicht aus moralischer sondern aus persönlicher Perspektive zu erzählen. Alle Geschichten sind mit Quellen belegbar und können ohne eigenen Twitteraccount gelesen werden. Mit dem zweiten Platz wurde das Projekt „Fronterras“ aus Frankreich gekürt. 28 junge Europäer setzen sich dabei mit Grenzübergängen und -geschichten auseinander.

Einen der dritten Plätze erhielten Studenten aus Spanien mit ihrer Online-Zeitung „Infoactualidad“. Erasmusstudenten berichten in der Hochschulzeitung nicht nur über das Uni-Leben in Madrid, sondern in ganz Europa.

Ein weiterer der dritten Plätze wurde an das Projekt „Unternehmertum, die Lösung für Arbeitslosigkeit“ aus Zypern verliehen. Es bietet Workshops zur Unternehmensgründung für junge Europäer an. Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp sagte, er freue sich, dass bereits die Jugend Europa dabei helfe, Europa von der Geißel der Arbeitslosigkeit zu befreien.

Ebenfalls Dritter wurde der „Social Soccer Cup“ aus Österreich, bei dem Fußballteams aus ganz Europa antreten. Bei einem solchen Engagement mache er sich keine Sorgen um die Zukunft Europas, sagte Schulz. Von Politikverdrossenheit sei hier nichts zu sehen.