Aachen: Luftverschmutzung: Der Titel „Bad“ ist in Gefahr

Aachen: Luftverschmutzung: Der Titel „Bad“ ist in Gefahr

Ist „Bad Aachen“ bald nur noch Geschichte? Nach dem schrittweisen Untergang der einst europaweit gerühmten Bäder mit klangvollen Namen deutet einiges darauf hin, dass die Stadt in einem letzten Akt auch ihren Titel „Heilbad“ verliert.

Weil die Luftqualität zu schlecht ist, wackelt vor allem das Kurgebiet Monheimsallee gewaltig. Unklar, ob noch gegengesteuert werden kann.

Es ist nicht das erste Mal in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, dass die Stadt selbst vor der Entscheidung steht, sich mit allen Konsequenzen für oder gegen „Bad Aachen“ entscheiden zu müssen. Groteske Züge nahmen die Überlegungen an, als etwa in den 70er-Jahren der Titel „Bad“ nur klammheimlich und flüsternd genannt wurde, damit Aachen mit seinem „Aa“ in allen alphabetischen Ranglisten vorneweg blieb.

Seit 1974 ist Aachen die einzige deutsche Großstadt, die den Titel noch führen darf. Nun droht das Aus. Der Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz beschäftigte sich damit. Trotz eines letzten Endes einstimmigen Beschlusses zeigte sich wieder einmal mehr, dass der Politik in Sachen „Bad Aachen“ eine klare und fest entschlossene Linie zu fehlen scheint.

„Nicht mehr tolerierbar“

Der Alarm kommt aus Köln. Nach einjährigen Messungen und darauf basierenden Gutachten stellt die Bezirksregierung fest, dass die lufthygienischen Anforderungen in den beiden Aachener Kurgebieten Monheimsallee und Burtscheid „nicht ausreichend“ erfüllt sind. Köln begrüße zwar die erfolgreichen Aktivitäten der Stadt im Aachener Luftreinhalteplan, so die Verwaltung, mache aber gleichzeitig deutlich, „dass die Situation im Kurgebiet Monheimsallee auf Dauer nicht mehr tolerierbar ist und sogar den Erhalt des Titels Bad Aachen für die Gesamtstadt gefährdet“. Die Bezirksregierung rät, das Kurgebiet Monheimsallee abzuschaffen und sich auf Verbesserungen in Burtscheid zu konzentrieren.

Ein Rat, in dem Umweltdezernentin Gisela Nacken „das Positive“ in der Kölner Warnung entdeckt: „Wir brauchen den Kurbereich Monheimsallee nicht zwingend, um den Titel Heilbad zu erhalten.“ In einem erneuten Messprogramm muss die Stadt bis 2017 belegen, dass die Kurorte-Grenzwerte eingehalten werden. Die Chancen für die Monheimsallee tendieren dabei gegen Null.

„Ein in die Jahre gekommener Titel“, zitiert Dezernentin Nacken im Ausschuss ein Kurdirektor Werner Schlösser zugeschriebenes Wort. Das „Heilbad“ sei eine „Image-Geschichte“, meint Nacken, mit dem Titel locke Aachen keinen Touristen mehr in die Stadt. Beim Verlust entstünden keine wirtschaftlichen Schäden. Trotzdem, so die Dezernentin, „wäre es nett, wenn wir ich ihn behalten“. In mehr oder minder starker Ausprägung teilen auch die Politiker diese Ansicht.

Auf die Zuhörer wirkt deren Debatte etwas halbherzig und ohne klar erkennbare Tendenz, so nach dem Motto: Tun wir halt etwas, was auch immer, für Bad Aachen und das Kurgebiet Mon­heims­allee, klappt es nicht, ist es auch nicht weiter schlimm.

Am Ende kommen alle einstimmig zusammen: Der Ausschuss „empfiehlt weitere Maßnahmen zur Luftreinhaltung für die Kurgebiete Monheimsallee und Burtscheid zu entwickeln beziehungsweise zu prüfen, um den Kurtitel Bad Aachen weiterhin für die Stadt Aachen als Gesamtstadt zu sichern.“

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