Aachen: Luftreinhaltung: Dienstfahrten zukünftig mit der neuen Elektroflotte

Aachen : Luftreinhaltung: Dienstfahrten zukünftig mit der neuen Elektroflotte

Dienstfahrten erledigt ein Großteil der rund 4500 städtischen Beschäftigten bislang noch mit eigenen Fahrzeugen, doch nun müssen sie sich umgewöhnen. Ab 1. November will die Stadt mit dem Umstieg auf umweltfreundliche und emissionsfreie Verkehrsmittel ernst machen: Für Außentermine sollen zukünftig nur noch Fahrräder, öffentliche Verkehrsmittel oder Elektrofahrzeuge genutzt werden.

Von einem „Quantensprung“ und „gewaltigem Philosophiewandel“ spricht Hubert Meyers, Vorsitzender des Gesamtpersonalrats der Stadt Aachen. „Alles, was mit Veränderungen verbunden ist, stößt ja nicht immer auf Gegenliebe“, weiß er.

Zu spüren bekommt das auch Axel Costard, der als Referent des Oberbürgermeisters das Projekt „emissionsfreie Innenstadt“ vorantreiben soll und maßgeblich auch das neue Flottenmanagement der Stadt erarbeitet hat. „Das Umdenken ist für einige noch schwierig“, hat er auf den ersten Informationsterminen für die Bediensteten festgestellt.

Und doch sind sich Verwaltungsspitze und Personalrat über das große Ganze weitgehend einig. „Die Gründe sind ja nachvollziehbar“, sagt Meyers. Die stark schadstoffbelastete Luft in Aachen muss endlich sauberer werden. Und eine modernisierte städtische Fahrzeugflotte soll dazu einen Beitrag leisten. 15 Elektrosmarts will die Stadt ab November allen Mitarbeitern zur Verfügung stellen — zehn an der Lagerhausstraße, drei an der Mozartstraße und zwei am Klosterplatz am Katschhof-Verwaltungsgebäude.

Darüber hinaus sollen die Beschäftigten mit einem neuen E-Ticket ausgestattet werden, das ihnen einen unkomplizierten Zugang zu Bussen und Bahnen, Velocity-Fahrrädern und Carsharing-Fahrzeugen ermöglichen soll. „Ein eigenes Fahrzeug ist damit nicht mehr nötig, die Mitarbeiter können leichter umsteigen“, ist Costard überzeugt.

Ob das allerdings stimmt, daran haben einige Beschäftigte doch noch ihre Zweifel. Oberste Prämisse müsse sein, dass die Stadt alle ihre Dienstleistungen auch nach der Umstellung am 1. November erfüllen kann, sagt Meyers. Und er hat so seine Zweifel, dass die 15 E-Smarts tatsächlich den Bedarf der Beschäftigten abdecken können. Manche hätten ja auch schwere Werkzeugkoffer oder anderes Gepäck zu transportieren — ihnen sei es kaum zuzumuten, schwerbepackt auf den nächsten Bus zu warten oder aufs Fahrrad zu steigen.

Gut 2000 Bedienstete hätten immer wieder auch Außentermine, schätzt Meyers. Und Untersuchungen zufolge werden bislang zwei Drittel aller städtischen Dienstfahrten mit Privatfahrzeugen absolviert. Für viele ist das auch eine Frage der Bequemlichkeit. Sie kennen ihr Fahrzeug, haben das Wichtigste immer an Bord und können nach dem letzten Termin am Nachmittag oder Abend auch gleich nach Hause fahren.

Künftig müssen sie den städtischen Wagen womöglich erst wieder zur Station zurückbringen, weil er noch von weiteren Kollegen gebucht wurde. Zu klären sei auch noch, wie denn die Stromkosten abgerechnet werden, falls ein E-Smart mal zu Hause aufgeladen werden muss. Um solche und andere Detailfragen zu klären, sei man noch „in einem regen Austausch“, sagt Meyers, der eine allzu strenge Auslegung des neuen Flottenmanagements seitens der Verwaltungsspitze gerne vermeiden würde. „Ausnahmen müssen erlaubt sein“, findet er.

Neue Elektrobusse

Ob Privatfahrzeuge also tatsächlich endgültig ausgedient haben, ist längst nicht ausgemacht. Die Richtung aber führt bei der Stadt eindeutig in Richtung Elektromobilität, wie ja auch Oberbürgermeister Marcel Philipp nach seiner Teilnahme beim Dieselgipfel in Berlin deutlich gemacht hat.

Er hofft bekanntlich auch auf eine Geldspritze in Höhe von rund 20 Millionen Euro vom Bund, durch die etwa die Anschaffung hochmoderner selbstfahrender Elektrobusse ermöglicht werden könnte. Das Geld ist Teil der von der Kanzlerin versprochenen Milliardenhilfe für all jene Städte, die wie Aachen von einem Dieselfahrverbot bedroht sind. Ob die Zusage auch nach der Bundestagswahl noch gilt, erscheint inzwischen allerdings zweifelhaft.

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