Aachen: Luft rechnerisch etwas sauberer

Aachen: Luft rechnerisch etwas sauberer

Der Luftreinhalteplan funktioniert, davon sind Umweltdezernentin Gisela Nacken und der stellvertretende Leiter des Fachbereichs Umwelt, Klaus Meiners, überzeugt. Die Feinstaubbelastung sei „insgesamt rückläufig“, sagt Meiners. Richtig rein ist die Luft deshalb aber noch nicht.

Dennoch wertet die Verwaltung die bisherigen Ergebnisse als Beleg dafür, dass der Aachener Sonderweg in die richtige Richtung führt. Anders als in vielen anderen Großstädten soll die Luftqualität nicht durch eine Umweltzone, sondern durch eine ganze Reihe anderer Maßnahmen verbessert werden. Dazu zählt vor allem das Bemühen, den Aachenern das Autofahren abzugewöhnen, indem ihnen Alternativen geboten werden.

Das Fahrrad zum Beispiel: „Wir haben die Innenstadt radverkehrstauglich gemacht“, sagt Meiners. Das Wegenetz in der Stadt „wächst und gedeiht“. Auch das Jobticket trägt nach seiner Ansicht dazu bei, dass weniger Auspuffgase in die Luft gepustet werden. Meiners schätzt, dass dadurch rund 1500 Berufspendler vom eigenen Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umgestiegen sind. Und auch um sein Carsharing Angebot werde Aachen von anderen Städten beneidet. „Der Trend ist klar“, glaubt Meiners, „die Grenzwerte werden sicher und dauerhaft eingehalten.“ Dabei weiß auch er, dass sie häufiger als nur an den 35 gesetzlich erlaubten „Überschreitungstagen“ gerissen werden.

Schuld daran ist aus Sicht der Stadtverwaltung die Großbaustelle am Kaiserplatz. „Ohne die hätten wir 12 bis 16 Überschreitungstage weniger“, so Meiners, und damit bliebe die Stadt innerhalb der gesetzlichen Grenzen. Die mit dem Bau des Einkaufszentrums „Aquis Plaza“ einhergehende Luftbelastung wertet Beigeordnete Gisela Nacken als „Sondereffekt“. Und den könne man aus der Bilanz „herausrechnen“, das sei üblich und auch mit dem Landesamt für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz (Lanuv) so verabredet.

Stadt hat die Busse im Blick

Die Luft wird von der Rechnerei allerdings nicht besser. „Wir wollen optimale Luftqualität für die Menschen, die hier leben“, betont die Dezernentin. Und so wird auch bei der nun anstehenden Fortschreibung des Luftreinhalteplans 2014-2018 allerhand unternommen, um dieses Ziel zu erreichen. Neben Schnellradwegen, mehr Bäumen in der Stadt, dem Ausbau von eigenen ÖPNV-Trassen oder dem Einsatz von Hybridfahrzeugen hat die Verwaltung dabei auch die Busse im Blick. Denn anders als bei den meisten Autos, von denen inzwischen der weitaus größte Teil die Abgasnormen für eine grüne Plakette erfüllt, gibt es bei den Fahrzeugen im öffentlichen Nahverkehr noch Potenzial.

Die Flotte der Aseag sei zwar recht modern und sauber unterwegs, meint Meiners, doch die von ihr beauftragten Subunternehmer erfüllten solche Standards oft nicht. In der Verwaltung gibt es nun Überlegungen, bei Ausschreibungen künftig auch auf solche Umweltstandards zu achten. „Das ist ‘ne harte Nummer“, weiß Meiners, im Ruhrgebiet aber werde mitunter so verfahren.

Harte Nummer: Stickoxyde

Eine harte Nummer steht der Stadt womöglich noch beim Thema Stickoxyde bevor. „Das ist das wirkliche Problem“, sagt Meiners, und alle Städte in Nordrhein-Westfalen hätten damit zu kämpfen. Die Belastungen seien verkehrsbedingt und beträfen vor allem solche Straßenschluchten wie die Wilhelmstraße oder den Adalbertsteinweg. In Burtscheid seien die Werte hingegen fast so gut wie in der Eifelgemeinde Simmerath.

Die Tendenz sei zwar rückläufig, erklärt Meiners, aber den Grenzwert werde Aachen wohl erst im Jahr 2020 einhalten können. „Wir müssen es aber schon ab 2015“, so Meiners.

Und dann kommt die Umweltzone? Die schwebe ohnehin wie ein Damoklesschwert über der Stadt, sagt Dezernentin Nacken. Ob sie auch künftig vermieden werden könne, sei unklar. „2015 reißen wir“, sagt Nacken, „aber die anderen reißen das auch.“ Dann werde es wohl irgendwelche Sanktionen geben, „aber die kennen wir noch nicht“.