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Lütticher Straße sorgt für Konflikte in Aachen

Neugestaltung der Lütticher Straße : Die Suche nach dem Königsweg dauert an

Die geplante Umgestaltung der Lütticher Straße sorgt weiter für hitzige Diskussionen. Dort sollen gemäß den Vorgaben des Radentscheids breitere Radwege geschaffen und etliche geschädigte Bäume ersetzt werden. Jetzt haben sich auch die Grünen, der Verkehrsclub Deutschland sowie die neue Oppositionsfraktion „Die Zukunft“ zu Wort gemeldet.

Die Grünen bringen dabei die Schaffung einer neuen Bewohnerparkzone zur „Entschärfung“ des Konflikts ins Gespräch. Noch sind die politischen Marschrouten zur weiteren Modifizierung der Verkehrsräume keineswegs zur Gänze festgezurrt – aus gegebenem Anlass ringen die neu gewählten Mandatsträger weiter um die richtigen Wege; aktuell insbesondere, wenn es ums beste Konzept zur Neugestaltung der Lütticher Straße im Bereich zwischen den Einmündungen Limburger Straße und Amsterdamer Ring geht. Denn spätestens im Zuge der jüngsten Berichterstattung unserer Zeitung ist das rund 700 Meter lange Straßenstück in Windeseile zum veritablen Spannungsfeld der Auseinandersetzungen avanciert.

Wie berichtet, sind die Pläne zur Schaffung neuer, wesentlich breiterer Radwege auf der wichtigen Verkehrsachse Richtung Belgien bei Anwohnern und Geschäftsleuten auf heftige Kritik gestoßen. Statt dort zahlreiche Bäume und Parkplätze zu beseitigen, könnten die bestehenden Spuren für Drahtesel problemlos ertüchtigt werden, so ihre Argumentation, der sich inzwischen etliche Leserinnen und Leser in Zuschriften an die Lokalredaktion angeschlossen haben. Nach den Vertretern des ADFC Aachen konterte unterdessen am Freitag auch der Ortsverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) mit einer geharnischten Stellungnahme. Dort ist in Bezug auf einen Bericht im Lokalteil dieser Zeitung vom 10. November gar von einer „Verdrehung der Tatsachen“ die Rede. „Entscheidend ist aus unserer Sicht doch, dass der Fachbereich Umwelt die Maßnahme vor allem damit begründet, dass lediglich 28 der derzeit im Bauabschnitt 2 vorhandenen 86 Bäume überhaupt noch ausreichend Vitalität aufweisen, um dauerhaft erhalten werden zu können“, betont der VCD-Vorsitzende Ralf Oswald auf Nachfrage. Darauf wurde allerdings auch in der Berichterstattung hingewiesen. Zurzeit bestehe indes kein Anlass, die Resultate der Untersuchungen durch die städtischen Experten in Frage zu stellen, meint Oswald. „Wenn das so ist, sollte der Baumschutz dort nicht gegen die eindeutigen Vorgaben durch den Radentscheid ausgespielt werden. Zumal es ja nun in erster Linie darum gehen soll, neue Bäume zu pflanzen und einer weiteren Verdichtung des Bodens im genannten Bereich nachhaltig entgegenzuwirken.“ Im Übrigen stünden bei einer Umsetzung der von der Verwaltung favorisierten Variante 2 maximal 79 Parkplätze – und nicht, wie berichtet, knapp 100 – zur Disposition.

Die nun vielfach geforderte Neuaktivierung der bestehenden Radwege würde jedoch allenfalls Sinn ergeben, wenn die Diagnose der Baumgutachter nicht zuträfe – wovon freilich nicht auszugehen sei. Erst im zweiten Schritt könne – und müsse – folglich die Einrichtung sicherer und komfortabler Spuren für Drahtesel ins Auge gefasst werden.

Gleichwohl hatten auch die frisch gewählten Politiker in der Bezirksvertretung Mitte die Debatte darüber – inklusive Beschlussvorlage – in ihrer ersten Sitzung nach der Kommunalwahl prompt vertagt; selbst die Vertreter der neuen grünen Mehrheit meldeten weiteren „Beratungsbedarf“ an. „Und wir gehen natürlich davon aus, dass die Vorschläge der Verwaltung noch einmal umfassend mit den Bürgern diskutiert werden, sobald ein konkreter Lageplan zur Situation an der Lütticher Straße vorliegt“, so Oswald.

„Auf keinen Fall leichtfertig aufgeben“

Darauf pocht nun auch die neue Oppositionsfraktion „Die Zukunft“, in der sich die Vertreter von Volt, Piraten und UWG im Rat zusammengeschlossen haben. In der Tat seien „die Ausführungen der Verwaltung momentan noch viel zu lapidar“, merkt Matthias Achilles von der Piraten-Partei an. „Aber wir sollten die Pläne auf keinen Fall leichtfertig aufgeben und den klaren Forderungen des Radentscheids folgen.“ Daher gelte es nun, „den knappen Parkraum in Aachen besser zu verteilen und auszulasten“, schreibt die Fraktion in einer Stellungnahme am Freitag. Es bestehe zwar „sicherlich kein rechtlicher Anspruch auf öffentliche Parkplätze vor dem eigenen Haus oder Geschäft, aber gerade, um Wildparken und das Halten auf der Fahrbahn einzudämmen, muss dem Bedarf nach öffentlichem Parkraum Rechnung getragen werden.“ Dies sei vor allem durch die Einrichtung von Liefer- und Ladezonen, die abseits der Lieferzeiten natürlich auch für Anwohner zur Verfügung stünden, sowie Kurzzeitparkplätze zu bewerkstelligen. Und davon „könnte sogar die ansässige Bäckerei profitieren, weil sie mit allen Verkehrsmitteln komfortabler zu erreichen wäre als heute“, heißt es weiter.

Eben dies betonen auch die Grünen, die sich am Freitag ebenfalls zu Wort meldeten. Tenor: Die Lütticher Straße dürfe „nicht zum Zankapfel“ werden. Daher wolle man sich nun dafür einsetzen, auch den Bereich zwischen Einmündung Klemensstraße und Hohenstaufenallee „als entschärfende Maßnahme“ zur Bewohnerparkzone zu machen, um die erforderliche Mobilitätswende mit Augenmaß voranzutreiben.. „Uns ist es wichtig, Konflikte im Straßenverkehr zu verhindern und allen eine sichere Mobilität zu ermöglichen“, erklärt Grünen-Ratsfrau Monika Wenzel, designierte Vorsitzende des städtischen Mobilitätsausschusses. Aber: „Die aktuelle Situation ist nicht akzeptabel.“ Konflikte – auch und gerade zwischen Radfahrern und Fußgängern – seien „programmiert“. Und in der Tat seien zahlreiche Pkw-Parkplätze im „Wildwuchs“ entstanden, vor allem auf der rechten Fahrbahnseite Richtung Innenstadt werde laut Darlegung der Verwaltung vielfach ungeordnet und auf unbefestigten Stellen unterhalb der Bäume geparkt, die eben deshalb besonders in Mitleidenschaft gezogen seien. „Hier sorgt eine Neuregelung für mehr Sicherheit“, meinen die Grünen und unterstreichen ebenfalls, dass die „bestehende Baumbilanz“ letztlich nicht reduziert werde.

Eher skeptisch sehen dagegen die „Zukunft“-Vertreter die Feststellung der Verwaltung, dass ein großer Teil des Baumbestandes zwischen Limburger Straße und Ring „besser sofort ersetzt“ werden müsse: „Wir fordern jetzt genauere Aussagen seitens des Umweltamtes, wie der Zustand der Bäume tatsächlich zu beurteilen ist“, sagt Achilles. „Wir erwarten, dass dies vor einem abschließenden Baubeschluss geklärt wird. Und natürlich müssen dabei auch die Bürger Gelegenheit erhalten, sich entsprechend einzubringen.“

Dass die betroffenen Anwohner für die geplanten Maßnahmen zur Kasse gebeten werden müssten, sei – ganz unabhängig vom Konzept – allerdings unvermeidlich, unterstreichen die Grünen.