Aachen: Lütticher Straße: Bunker wird ein schickes Heim

Aachen : Lütticher Straße: Bunker wird ein schickes Heim

Die Stadt Aachen hat die Absicht , den Bunker an der Lütticher Straße an das Architekturbüro Cortis zu veräußern. Einstimmig sprachen sich die Mitglieder des Liegenschaftsausschusses am Dienstagabend in nichtöffentlicher Sitzung für den Verkauf des gewaltigen Betongehäuses aus.

Nach seinem Umbau soll der Bunker im Erdgeschoss einen Rewe-Laden aufnehmen, in den Etagen darüber sind Büros und Wohnungen geplant, auf dem Dach sollen zwei bis drei Penthäuser gebaut werden. Günther Cortis gegenüber den „Nachrichten”: „Der Blick von dort über die Stadt wird ganz toll sein.”

Das insgesamt 3800 Quadratmeter große Grundstück in unmittelbarer Nähe der Schanz war zunächst als neues Quartier fürs Stadtarchiv ins Auge gefasst worden, diese Pläne zerschlugen sich aber. Nicht zuletzt aus konservatorischen Gründen entschieden sich die Verantwortlichen nach langen Überlegungen, das Archiv vom Fischmarkt nach Rothe Erde zu verlegen, in eine frühere Nadelfabrik, jetzt Haus für Integration und Identität (HII). Der Umzug ist im nächsten Jahr geplant.

Der Bunker wurde zum Verkauf ausgeschrieben; nach Auskunft der Stadt Aachen soll es diverse Interessenten gegeben haben. Den Zuschlag erhält nun das Büro Cortis, das ehrgeizige Vorstellungen entwickelt hat, um Leben in die dicken Mauern zu bringen.

Günther Cortis: „Wir kennen die Pluspunkte und die Schwachstellen. Und irgendwann haben wir gesagt: Wir packen es an.” Spätestens Anfang 2011 soll es losgehen mit den Bauarbeiten, schon Ende des Jahres will man fertig sein. Das funktioniert deswegen so flott, weil der Rohbau ja eigentlich schon steht - allerdings müssen große Fenster in die zwei Meter dicken Betonwände geschnitten werden.

Dies, um dem Bauwerk soviel Licht zuzuführen, dass sein Bunkercharakter fast vollständig verschwindet. Dem dient auch die geplante Aluminiumfassade - das Ganze soll am Ende aussehen wie ein moderner Neubau und eine Hemmschwelle gar nicht erst entstehen lassen. Besonders wichtig ist dies für den Betreiber des Lebensmittelmarkts im Erdgeschoss. Dort will Rewe einziehen, auf 700 Quadratmetern Verkaufsfläche. Laut Cortis ist die Firma absolut überzeugt von diesem Standort.

Der Clou des Projekts werden die Penthäuser auf dem Dach sein. Zwei, maximal drei sollen es werden, versehen mit Aufzug, altersgerecht hergerichtet, mit unschlagbarem Ausblick auf die Innenstadt. Die Sorge. dass es an Interessenten mangeln könnte, hat Cortis nicht: „Die Leute ziehen wieder verstärkt zurück in die Stadt, und sie wollen eine schöne Wohnung haben. In Aachen gibt es, anders als in anderen Städten, kein großes Angebot in Sachen Penthouse, das ist eine echte Marktlücke.”

Die notwendigen Stellplätze sollen oberirdisch auf dem Grundstück angelegt werden, der bereits vorhandene Fußweg zwischen Wichernstraße und Lütticher Straße wird ausgebaut.

Dass sich die Politiker einstimmig für das Büro Cortis als Käufer ausgesprochen haben, liegt am offensichtlich überzeugenden Konzept: Die Stadt wollte, dass der Bunker stehenbleibt, aber sinnvoll genutzt wird. Das allerletzte Wort ist allerdings noch nicht gesprochen.

Edmund Feiter, Leiter des städtischen Fachbereichs Immobilienmanagement: „Es handelt sich um ein sehr kompliziertes Grundstück, bei dem viele Einzelheiten zu beachten sind. Vor dem Notarvertrag wird das ganze Vorhaben noch dem Planungsausschuss vorgestellt”, der müsse dann endgültig grünes Licht geben. Zum Kaufpreis äußerten sich beide Seiten nicht, er wird aber von Politikerseite als angemessen bezeichnet.

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