Ludwig Forum: Andreas Beitin stellt sich Kritik und gesteht Fehler ein

Rechnungsprüfungsausschuss tagte zur Causa Beitin : Canossa und das eiserne Schweigen

Nicht von ungefähr könnte Dr. Andreas Beitin auf seinem Weg Richtung Verwaltungsgebäude Mozartstraße am Donnerstag die Geschichte vom sprichwörtlichen Gang nach Canossa in den Sinn gekommen sein.

„Vergaben und sonstige Ausgaben im Ludwig Forum für Internationale Kunst“: Hinter dem schlichten Titel des Tagesordnungspunktes Nummer 7 im nichtöffentlichen Teil der Sitzung des städtischen Rechnungsprüfungsausschusses jedenfalls verbarg sich allerhand politischer – und für den Leiter des Kunsthorts an der Jülicher Straße sicherlich auch persönlicher Sprengstoff.

Dass Beitin seine finanztechnischen Kompetenzen in der Vergangenheit gelegentlich erheblich überschritten hat – daran wurde in der Sitzung des Ratsgremiums am Donnerstagabend dem Vernehmen nach jedenfalls kein Zweifel laut.

Ansonsten freilich blieben die Beteiligten auf Anfragen unserer Zeitung am Freitag denkbar einsilbig: Schließlich dürfe kein Mandatsträger der Presse konkrete Informationen über explizit – und nach Auffassung vieler Politiker aus gutem Grund – nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Vorgänge und Debatten geben, so die einmütige Reaktion. Überdies seien vergleichbare „Verfehlungen“ praktisch bei sämtlichen seiner Vorgänger und auch anderen Museumsleitern ruchbar geworden – leider.

Fakt ist, dass die städtischen Kassenhüter dem amtierenden Lufo-Chef einen allzu laxen Umgang mit Geldern insbesondere im Zusammenhang mit der Finanzierung von zwei prominenten Kunstpräsentationen anlasten. So soll Beitin bei der Gestaltung der Ausstellungskataloge für die Mies-van-der-Rohe-Schau (2016/17) sowie für das Projekt „Kunst x Kuba“ (2017/18) die festgelegten Budgets um insgesamt rund 35.000 Euro überschritten haben. Und damit natürlich die viel zitierte rote Linie in den grundsätzlichen Bestimmungen. Auch mit Blick auf Abrechnungen für diverse repräsentative Termine mit potenziellen Leihgebern legten die Rechnungsprüfer ihm zur Last, den vorgegebenen Finanzrahmen zuweilen massiv überstrapaziert zu haben.

In der besagten Sitzung jedenfalls habe Beitin noch einmal ganz klar erkennen lassen, „dass ihm Fehler unterlaufen sind, die auf keinen Fall hätten passieren dürfen“, bekräftigte Kulturdezernentin Susanne Schwier gegenüber unserer Zeitung. „Er hat sich auf ganzer Linie einsichtig gezeigt. Und wir wollen jetzt gemeinsam dafür sorgen, dass sich derartige Vorgänge nicht wiederholen können.“

An der fachlichen Kompetenz des Museumsleiters bestehe ohnehin nicht der geringste Zweifel – im Gegenteil. Schließlich ist Beitins Haus jüngst von der deutschen Sektion des internationalen Kritikerverbandes AICA mit der renommierten Auszeichnungen „Museum des Jahres“ bedacht, die von ihm maßgeblich konzeptionierte 68er-Schau „Flashes oft the Future“ als „Ausstellung des Jahres“ gewürdigt worden. Zu seinen großen Verdiensten gehöre zudem, dass es ihm gelungen sei, den Kunsthort an der Jülicher Straße weiter zu öffnen, auch und gerade für eher unkonventionelle Veranstaltungen wie zum Beispiel das Kimiko-Festival, wurde ihm immer wieder attestiert.

In Bezug auf die jüngsten Unregelmäßigkeiten aber sagte auch die Dezernentin, ebenso wie etwa der Vorsitzende des zuständigen Ratsausschusses, Grünen-Ratsherr Hermann Josef Pilgram – nichts. Der Schutz der Persönlichkeitsrechte gelte für die Stadt „selbstverständlich wie für jedes private Unternehmen“, so Schwier. Gleichwohl könnten die „Unregelmäßigkeiten“ im Wiederholungsfall auch direkte Konsequenzen für den Betroffen haben, wie hinter den Kulissen immerhin zu hören war.

Auch dazu gab Schwier allerdings keinen Kommentar. „Wir werden nun noch einmal intensiv darüber reden, wie wir künftig verhindern können, dass sich dergleichen wiederholen kann“, unterstrich die Beigeordnete lediglich. Was das konkret bedeutet, blieb freilich unklar, denn – siehe oben: Die Bestimmungen sind ohnehin eindeutig.

Was allerdings nicht heißt, dass besagte „Gespräche“ nicht auch in Gestalt eines – ebenso strikt internen – Epilogs im Kulturausschuss fortgesetzt werden. Immerhin hatte dessen Vorsitzende Dr. Margrethe Schmeer (CDU) am Donnerstag ebenfalls in der Mozartstraße Päsenz gezeigt (obwohl sie dem Rechnungsprüfungsausschuss nicht angehört).

Auch dies gilt als ziemlich ungewöhnlich. „Es entspricht dem üblichen Verfahren, dass sich in solchen Fällen natürlich auch der zuständige Fachausschuss noch einmal mit dem Thema befasst“, erklärte Schmeer auf Nachfrage. „Und es ist eine Selbstverständlichkeit, dass es keinen öffentlichen Kommentar geben kann, wenn über Dinge gesprochen wird, bei denen die Persönlichkeitsrechte eine wichtige Rolle spielen. Da wäre eben jedes Wort eines zu viel.“

Auch Andreas Beitin selbst äußerte sich am Freitag nur so weit: „Ich bitte um Verständnis, dass ich zu diesem Thema nichts sagen darf.“

Mehr von Aachener Nachrichten