Aachen: „Löffel“ im Apollo Kino: Günther, Heinz, die Tabletten und der Esel

Aachen : „Löffel“ im Apollo Kino: Günther, Heinz, die Tabletten und der Esel

Günther, der Pianist, plant seinen Tod. Er lebt in einem Altenheim, ist krankheitsbedingt sehr angeschlagen, die Gicht macht ihm zu schaffen. Er will einfach nicht mehr, kann seiner Leidenschaft, dem Klavierspielen, nicht mehr nachgehen. Das Leben ergibt für ihn so keinen Sinn. Lange hat er Tabletten gesammelt und nun hat er genügend davon zusammen, um sich umzubringen.

Doch diesen Plan hat er ohne Heinz ausgeheckt. Denn der neue Mitbewohner nimmt Günther die Tabletten einfach ab. Und das nicht nur, um den Pianisten zu schützen, nein, Heinz verfolgt auch noch ein anderes Ziel. Heinz will seinen Esel retten. „Löffel“ ist auf Heinz' Bauernhof zurückgeblieben und jetzt kommt der Abdecker. Mit diesem Wissen schlägt Günther einen Deal vor: Er will Heinz bei der Rettung des geliebten Esels helfen, um im Gegenzug die Tabletten zurückzubekommen.

Diese liebevolle, tiefgründige Story hat sich die Aachener Filmemacherin Lina Victoria Schmeink ausgedacht. 2014 hatte sie die erste Idee zu dem Film, dann zwei Jahre lang an dem Drehbuch gearbeitet, und ab Donnerstag wird er im Apollo Kino gezeigt. Gleich vier Tage hintereinander. „Löffel“, so heißt ihr Kurzfilm, ist zugleich ihre Bachelor-Abschlussarbeit und hat eine glatte Eins abgesahnt. Lina Victoria Schmeink, 23, hat sich dieses zum Teil doch recht schwere Thema ausgesucht, weil bereits ihre Großmutter lange Zeit in einem Altenheim gelebt hat.

„Die Umstände dort waren oft bemitleidenswert und die Atmosphäre hat mich geprägt“, sagt die 23-Jährige. Zudem fand sie die Idee immer interessant, dass sich Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind, verbünden und gemeinsam etwas aushecken — so wie Günther und Heinz in „Löffel“. „Der Protagonist braucht ja auch ein Motiv“, sagt die Filmstudentin, die nun noch ihren Master in Medienmanagement in Köln absolviert.

Und dann war da ja noch die Affinität ihres Vaters zu Eseln. „Mein Vater möchte unbedingt einen Esel haben, wenn er mal im Rentenalter ist“, sagt sie und lächelt. Und weil Esel Löffel haben, also zumindest ihre Ohren so genannt werden, heißen der Esel und somit auch der Film „Löffel“.

„Löffel“ ist der sechste Kurzfilm der Aachenerin. Und er ist mit 21 Minuten der längste. „Die Filme davor waren alle so fünf bis sechs Minuten lang“, sagt sie. Und damit ist es auch eine Besonderheit, dass das Apollo Kino den Film zeigt. „21 Minuten sind schon recht lang, wenn der Film vor einem Hauptfilm gezeigt wird. Aber jetzt wird er gespielt“, sagt sie und freut sich sichtlich. Schmeink hatte die Kinobetreiber einfach kontaktiert und gefragt — und ist auf offene Ohren gestoßen.

Finanziert hat sie den Film mit der Unterstützung ihrer Uni, einer Crowdfunding-Aktion und selbst verdientem Geld. Und sie hatte das große Glück, dass die Schauspieler, die sie bei Agenturen ausgewählt hatte, alle zugesagt und ohne Honorar gespielt haben. Die Charaktere der Figuren hat sie aus vielerlei Eigenschaften von Menschen aus ihrem Umfeld gemischt und dann noch etwas hinzugefügt — vor allem die Verzweiflung von Günther. „Ich finde die Vorstellung schlimm, etwas, das man ein Leben lang gemacht hat, nicht mehr ausführen zu können. Wenn dem Leben der Sinn genommen wird, was macht man dann?“, sagt Schmeink. Es sei ein Thema, das sie beschäftige.

Gedreht wurde im Übrigen in Aachen und Belgien sowie in einem Altenheim in Hürth bei Köln. Zu sehen sind unter anderem Szenen in einem Aseag-Bus oder auf Wiesen in Sief. Bei der Premiere am Donnerstag wird Schmeink dabei sein und selbst ein paar Worte zum Film sagen. Gezeigt wird ihre Tragikomödie um 19 und um 21 Uhr in Kino 1. „In ,Löffel‘ geht es um ein tiefgründiges Thema, aber es gibt auch ein paar witzige Szenen“, sagt sie über ihren Film, in dem so viel Herzblut steckt.

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