Aachens dritte Grabeskirche : Letzte Ruhestätte in der Krypta

Aachens dritte Grabeskirche : Letzte Ruhestätte in der Krypta

Läuft alles nach Plan, dann können Anfang 2020 die ersten Verstorbenen in der Krypta von St. Gregorius beigesetzt werden. Aachen hat dann seine dritte Grabeskirche nach der Josefskirche im Ostviertel und der Erlöserkirche im Stadtteil Brand. Und es gibt schon zahlreiche Anfragen nach den neuen Grabstätten.

In dem markanten Kirchenbau von St. Gregorius an der Eupener Straße wird seit Monaten mit Hochdruck gearbeitet. Die Krypta im Untergeschoss des Gotteshauses wird zu einem Kolumbarium, einer Urnenhalle, umgebaut. Sie wird Platz bieten für die Asche von rund 780 Verstorbenen, wie Pfarrer Frank Hendriks von der Pfarrgemeinde St. Gregor von Burtscheid bei einem Rundgang über die Baustelle berichtet.

„Im Vergleich zu anderen Kolumbarien wird das hier also eine eher kleine Anlage sein“, sagt Hendriks. Und im Gegensatz zu St. Josef und zur Brander Erlöserkirche, die in Gänze zu Grabeskirchen umgestaltet wurden, wird in St. Gregorius die Kirche zwar saniert, bleibt aber ansonsten von den Umbauarbeiten unberührt. Während die Krypta unten eine Großbaustelle ist, wird oben weiterhin regelmäßig die Messe gefeiert. „Nach dem Umbau werden wir Kirche und Begräbnisstätte unter einem Dach haben“, sagt Hendriks. „Das Bistum Aachen hat dieses Konzept mitgetragen, und in der Gemeinde ist das auch sehr positiv aufgenommen worden.“ Die Krypta wurde in der Vergangenheit vor allem für kleinere Gottesdienste an Werktagen genutzt.

Geplant wurde das Kolumbarium von der Aachener Architektin Eva von der Stein. Sie entwarf für die Krypta einen Grabkreis aus drei freistehenden Segmenten aus Holz. So entsteht ein neuer Raum im Raum mit Fächern für die Urnen. „Ein Holzkreis, in den man eintreten kann in den Kreis der Beigesetzten“, formuliert Hendriks.

So soll das Kolumbarium in der Krypta einmal aussehen. Der Entwurf von Eva von der Stein sieht eine kreisrunde Struktur aus Holz vor, die die Urnen aufnehmen soll. Foto: Eva von der Stein

Derzeit ist davon allerdings noch nichts zu sehen. Bauarbeiter stemmen gerade den Boden auf, da im Zuge des Umbaus auch die Heizungsanlage auf Vordermann gebracht wird. Neben dem Kolumbarium wird auch ein neuer Sanitär- und Küchenbereich gebaut. Hier wird gerade der Estrich verlegt. Der beliebte Gemeinschaftsraum, der gerne für Veranstaltungen genutzt wird, wird ebenfalls modernisiert. Und es wird künftig einen schönen, hellen Raum für Trauergespräche geben.

Dass St. Gregorius eine Grabeskirche bekommt, ist eigentlich der Not geschuldet. Das Bistum Aachen muss seit Jahren einen massiven Sparkurs fahren und gibt für ein Drittel der pastoral genutzten Gebäude keine Zuschüsse für die Instandhaltung mehr. Schwierige Entscheidungen waren deshalb in St. Gregor von Burtscheid zu treffen, erinnert sich Frank Hendriks. „Wir haben in der Pfarre vier denkmalgeschützte Kirchen“, sagt er. „Alle vier sind fürs Stadtbild und für uns von großem Wert.“ Es ging bei allen Entscheidungen also nicht nur um den Sechziger-Jahre-Bau St. Gregorius, der seit 2018 unter Denkmalschutz steht, sondern auch um St. Michael und St. Johann in Burtscheid sowie um Herz-Jesu im Frankenberger Viertel. „Mit einem Solidarkonzept wollen wir alle vier Kirchen erhalten“, erläutert der Seelsorger. Jedes der vier Gotteshäuser bekommt dafür ein besonderes Profil, und für St. Gregorius ist das der Ausbau zur Grabeskirche.

Baustellenbesichtigung: Koordinatorin Bärbel Lefering und Pfarrer Frank Hendriks überzeugen sich vom Baufortschritt in der Krypta. Foto: Heike Lachmann

Die Kosten der Gesamtmaßnahme, inklusive der Gestaltung des Vorplatzes, sind auf rund 1,5 Millionen Euro kalkuliert. Diese Investition wird quasi vorgestreckt. „Durch das Kolumbarium soll sich das Gebäude dauerhaft selbst tragen“, kündigt Hendriks an. „Wir finanzieren das lediglich vor.“ Was Interessenten demnächst für eine Grabstelle in der neuen Grabeskirche zahlen müssen, sei allerdings noch nicht per Satzung festgelegt, sagt Bärbel Lefering, Koordinatorin und Verwaltungsleiterin der Pfarrgemeinde. Letztmalig fördert das Bistum Aachen im Zuge des Umbaus auch Instandhaltungsarbeiten für den Erhalt des Kirchengebäudes.

Gebaut wurde St. Gregorius in den 1960er Jahren nach den Plänen des Kölner Architekten Stefan Leuer. Die wuchtige Betonfassade ragt an der Eupener Straße wie ein Schiffsbug in die Höhe. Aufmerksamen Passanten fiel in jüngster Zeit eine neue, mehr als drei Meter hohe Mauer aus Stampfbeton auf, die die Kirche zur Straße hin quasi zusätzlich abschirmt. Zwischen Kirchenwand und der neuen Mauer ist im Boden bereits das Aeternum angelegt, erläutert Pfarrer Hendriks. Nach Ablauf der 15-jährigen Ruhezeit im Kolumbarium soll die Asche der Verstorbenen dort für die Ewigkeit aufbewahrt werden.

Der kleine Kirchplatz an der Eupener Straße, bisher eher ein unansehnlicher Parkplatz, wird ebenfalls umgestaltet. Bänke sollen künftig zur Aufenthaltsqualität beitragen.

Am 7. und 8. September wird an und in der Kirche das Gregoriusfest gefeiert. In diesem Rahmen soll auch offiziell der Grundstein für den Umbau gelegt werden, kündigt Hendriks an. Besucher werden dann auch Gelegenheit haben, sich über den Fortschritt der Arbeiten zu informieren. Wie groß das Interesse an der neuen Grabeskirche ist, merkt Bärbel Lefering an den Anfragen für eine Grabstelle. Mehr als 60 sind bereits eingegangen. Erwerben kann man ein Nutzungsrecht an einer Grabkammer derzeit aber noch nicht.