Aachen: Lesung im Ludwig Forum: Wo das „Gen der Revolte“ zu Hause ist

Aachen : Lesung im Ludwig Forum: Wo das „Gen der Revolte“ zu Hause ist

Keine Stadt hat das Lebensgefühl der 1968er Jahre so geprägt wie Berlin. Im 50. Jahr der Studentenrevolte, die sich dem Mief der 50er Jahre der Adenauer-Ära entgegenstellte, haben sich die Autoren Michael Sontheimer und Peter Wensierski in ihrem Buch „Berlin — Stadt der Revolte“ mit dem Polit-Hotspot jener Jahre befasst.

Passend zur 68er-Ausstellung im Ludwig Forum „Flashes of the Future“ gibt es am Dienstag, 12. Juni, ab 19 Uhr eine Lesung mit Diskussion aus dem Buch.

Sontheimer und Wensierski arbeiten aktuell als Journalisten beim „Spiegel“, Sontheimer ist Mitbegründer der Berliner „taz“, Wensierski arbeitete als Redakteur beim ARD-Magazin „Kontraste“ und erhielt als renommierter Dokumentarfilmer unter anderem den Bundesfilmpreis für „Berliner Blau“ sowie den Europäischen Fernsehpreis für einen Film über den Ostberliner Stadtteil Marzahn. Sontheimer und Wensierski entdeckten bei ihren Streifzügen durch die Stadt ein „Gen der Revolte“. Kein Ort in Deutschland habe sich besser geeignet, um den Ungehorsam zu proben, glauben sie.

Ständige Veränderungen

Ihr Blickwinkel richtet sich allerdings nicht nur auf die 1968er, sondern auch auf die frühen Ostberliner Arbeiterproteste (1953), die friedliche Revolution zum Ende der DDR, die Hausbesetzungen und gesellschaftlichen Gegenentwürfe, die das plötzlich nicht mehr getrennte Berlin mitbestimmten. „Die Stadt habe ständige Veränderungen von unten erlebt, daher rührt ihr Rebellenpotential“, sagt Wensierski. Angesichts des schwierigen Zustandes im sozialen Miteinander in Berlin könne man sich heute fragen, wo die nächste Revolte bleibt. „Was Jahrzehnte lang stattgefunden hat, das hört nicht einfach auf“, meint Wensierski.

Seine Lesung im Ludwig Forum wird ergänzt durch Filmbeiträge und eine anschließende Diskussion. Die Eintrittskarte berechtigt gleichzeitig zum Besuch der Ausstellung.