Leser diskutieren kontrovers über mögliche Stadtbahn in Aachen

Lesermeinungen zur Aachener Stadtbahn : Die Schiene erhitzt weiter die Gemüter

Unflexibel und teuer oder zukunftsweisend und umweltfreundlich? Die Meinungen über die Regio-Tram gehen bei unseren Lesern durchaus auseinander.

Die Politik ist sich weitgehend einig: In der Erweiterung der Regio-Tram von Würselen in die Aachener Innenstadt sehen sie viel Potenzial. Die Aachener sind sich da offensichtlich nicht so sicher. Viele unserer Leser erinnern in Zuschriften an den Bürgerentscheid von 2013, mit dem den Plänen für eine Campusbahn ein Ende bereitet wurde.

Julius Käfer: „Ich bin uneingeschränkt für eine Stadtbahn für Aachen! Übrigens: Nicht der Bahn wurde einen Absage bei der damaligen Abstimmung gegeben, wie Sie in ihrer Zeitung darstellen, sondern der einseitigen Trassenführung (Campus), statt Verkehrsachsen wie Aachen Mitte – Brand – Vaals zu planen.“

Robert Franke: „Die gesamte Seite unter dem Titel ‚Neue Argumente für die Stadtbahn’ kann man auf einen Nenner bringen: Ein gutes Beispiel für das, was man unter dem Begriff Kampagnen-Journalismus zu verstehen hat.“

Helmut Eber: „Ich habe vor einigen Jahren in einer südfranzösischen Stadt eine Straßenbahn gesehen, die auf gummibereiften Rädern wie ein Bus auf einer Betonpiste fuhr, die auch von Autos befahren werden konnte. Die Bahn hatte eine normale Oberleitung, und in der Betonpiste einen Schlitz für den Minuspol unter der Piste. Es erscheint mir günstiger, eine Betontrasse zu bauen, als Schienen zu verlegen.“

Günther Pelzer: „Man kann nur hoffen, dass die Entscheider ganz abgesehen von den immensen Kosten einer Bahn nicht nur dem Mainstream folgend die Verkehrsmittel diskutieren, sondern bei den fehlenden Verkehrsräumen Prioritäten setzen. Es ist halt nicht möglich, in einer Stadt mit mittelalterlichem Straßengrundriss die Gebäude zu verschieben, um mehr Platz zu schaffen. Aus welcher Glaskugel übrigens stammt denn die Erkenntnis, dass die Pendler und Stadtbesucher diese Bahn benutzen werden?“

Maria Backes: „Mir ist eine Stadtbahn viel zu unflexibel. Bei nur einer Störung auf den Gleisen geht es nicht weiter. Ein Bus kann diese Stelle umfahren.“

Horst Schumacher: „Ich empfand schon die Abschaffung der Tram 1974 als große Sünde und politische Fehlentscheidung, die dem damaligen Zeitgeist geschuldet war. Dennoch müsste es nach fast 50 Jahren wieder möglich sein eine Stadtbahn wieder aufs Gleis zu setzen, siehe Städte wie Freiburg, Potsdam oder unsere Patnerstadt Reims in Frankreich.“

Walter Römer: „Das Problem bei unserem ÖPNV ist nicht die fehlende Tram, sondern sind die viel zu hohen Beförderungstarife, die die Leute davon abhalten, diesen zu nutzen. Vermutlich werden die Preise dann auch weiter steigen, weil man ja die Tram refinanzieren muss. Das Geld, das für die Erstellung des Schienennetzes und der dann sicher auch notwendigen Depots, Werkstätten etc. notwendig ist, sollte lieber in weitere Elektrobusse investiert werden. Die sind flexibler einsetzbar und helfen auch bei der Bekämpfung der Luftverschmutzung.“

Kurt Cremer: „In der heutigen Zeit, wo Umwelt- und Klimaschutz einen sehr hohen Stellenwert haben, muss jeder vernünftige Mensch die Wiedereinführung einer elektrisch betriebenen Straßenbahn sehr begrüßen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Zahl der geschätzten Fahrgäste den Einsatz der Regio-Tram rechtfertigt. Für die Strecke Aachen-Würselen-Alsdorf-Herzogenrath und Baesweiler dürfte dies gegeben sein.“

Otto Weber: „Blicken wir doch für einen Augenblick mal zurück und stellen uns vor, wir Aachener hätten vor sechs Jahren anders – nämlich für die Stadtbahn – entschieden. Wie anders wäre die Diskussion in den letzten Jahren verlaufen: Drohende Dieselfahrverbote? Davon hätten wir allenfalls über Köln oder Düsseldorf gelesen. Luftreinhaltung, CO2-Belastung, Stickoxide? Diese Diskussion wäre an uns vorbeigegangen.“

Jürgen Grewe: „Vor 20 Jahren, als die Elektromobilität noch in weiter Ferne schien, wäre es sinnvoll gewesen, über eine Straßenbahn nachzudenken. Im Zeitalter der Elektromobilität und voraussichtlich in einigen Jahren des Wasserstoffantriebs ist das völlig überholt. Wenn es um die reine Luft geht, könnten mit dem zu investierenden Geld so schnell wie möglich alle Busse auf Elektro umgestellt werden.“

Rupert Czinczoll: „Die vor sechs Jahren gefällte Entscheidung gegen die Wiedereinführung der Straßenbahn in Aachen war eine der größten kommunalpolitischen Katastrophen der letzten Jahrzehnte. Dabei hat die Stadt selbst durch ihre dilettantische Informations- und Werbepolitik damals nicht wenig zu dem verheerenden Abstimmungsergebnis beigetragen. Schon die völlig verfehlte Bezeichnung des Projekts als ‚Campusbahn’ signalisierte dem ‚gemeinen Öcher’, dass das ‚wieder nur etwas für die Studenten’ ist.“

Stefan Siebers: „Angesichts des aktuellen Engagements der Jugend für den Klimaschutz besteht die Hoffnung, dass im Fall eines erneuten Bürgerentscheids die Entscheidung zugunsten der klimafreundlicheren Tram ausfällt. Dafür ist es allerdings nötig, die Bürger schon weit vor einem Ratsbeschluss ernsthaft in die Entscheidungsfindung einzubeziehen. Und anders als 2013 müssen die Vorteile der Bahn nicht nur wolkig beschrieben, sondern in harte Euros umgerechnet werden.“

Hans Günter Zitz: „Die Tram würde das Verkehrschaos in der Innenstadt nur vergrößern, es sei denn, man sperrt die gesamte Stadt innerhalb des Alleeenrings für den gesamten motorisierten Verkehr.“

Martin Comuth: „Die Straßenbahn wird den Anwohnern der geplanten Linienführung rücksichtslos vor die Tür gesetzt. Wer diese Lärmbelästigung und die Verkehrsbehinderung erleben möchte, sollte in Köln oder Düsseldorf für einige Tage an einer modernen Straßenbahnlinie wohnen.“

Walter Giesler: „Wir brauchen in der Stadt den Krach und Gestank SUV genausowenig wie die das Aufheulen unserer Motorräder. Insofern ist eine Tram von Vaals nach Brand noch zu kurz gedacht, man sollte die Verlängerung nach Simmerath gleich mit einplanen.“

(akas)