Aachen: Leo Hugots Erbe digital erleben

Aachen : Leo Hugots Erbe digital erleben

Mit der digitalen Brille auf der Nase den Nachlass des Aachener Architekten Leo Hugot (1925-1982) erkunden — das will ein Forschungsprojekt der RWTH ermöglichen. Und nicht nur das.

Bei der Digitalisierung des Nachlasses von Hugot sollen die zwei- und dreidimensionalen Objekte zusammengeführt werden. Und das gibt es in dieser Form laut Professor Christian Raabe vom Lehr- und Forschungsgebiet Denkmalpflege und Historische Baupflege der RWTH bislang nicht. In den letzten drei Jahren habe sich in dem Bereich Digitalisierung unglaublich viel getan, führte er aus.

Und die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, will die RWTH nun nutzen. Der Ansatz überzeugte auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Staatssekretär Thomas Rachel kam eigens nach Aachen, um der RWTH den Bewilligungsbescheid für die Unterstützung des Forschungsprojekts mit 63 000 Euro zu übergeben.

Die Studenten Gerrit Hoppe und Oliver Schulz führten gleich an Ort und Stelle vor, wie die Digitalisierung des Nachlasses von Hugot aussehen könnte. Mit der 3D-Brille entführten sie die Gäste in eine virtuelle Welt, die unter anderem den Besuch der römischen Arkadenfragmente am Hof möglich macht.

Virtueller Besucher

Vor dem virtuellen Besucher bauen sich die Bögen in beeindruckender Größe auf, und er hat die Möglichkeit, sich einzelne Elemente per Knopfdruck genauer anzusehen. Das Fragment wurde bei Ausgrabungen in den 60er Jahren gefunden, und die digitale Präsentation will alle Informationen dazu vereinen: die dreidimensionale Darstellung des Arkadenfragments, die Grabungsberichte und auch den aktuellen Standort des Originals im LVR-Landesmuseum Bonn. Raabe ist begeistert von den Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet. Ihm geht es zum einen darum, ein Konzept für die Digitalisierung zu entwickeln, um dann in einem zweiten Schritt die Digitalisierung des Nachlasses von Hugot in Angriff zu nehmen.

Und der Nachlass ist enorm. Hugot war Architekt, Städtebauer, Stadtkonservator sowie Aachener Dombaumeister und hat den Wiederaufbau Aachens nach dem zweiten Weltkrieg ganz entschieden mitgeprägt. 5500 Fotografien, 3000 Zeichnungen, etwa 400 Skizzen sowie eine Reihe von archäologischen Funden, römischen Figurenfragmenten sowie Architekturelemente und Pfalzmodelle machen seinen Nachlass aus. All das gilt es nun also, digital zugänglich zu machen.

„Damit bekommt der Nachlass zum einen eine digitale Sicherheitskopie, und die Daten und Informationen werden der ganzen Welt zugänglich gemacht“, führte Raabe aus. Ganz nebenbei verbinden die Forscher verschiedene Formen der Digitalisierung. Und das ist offensichtlich das eigentlich Faszinierende dabei.

Laut Raabe eröffnen die Informatiker immer neue Möglichkeiten, ohne zu wissen, wie genau die eigentlich mit Leben gefüllt werden können. Und genau an diesem Punkt setzen nun die Forscher der RWTH an, meint Raabe. Hugots Nachlass sei dabei die reinste Spielwiese.

Zur Übergabe des Bewilligungsbescheides durch Staatssekretär Thomas Rachel hatten sich der Dekan der Fakultät für Architektur Alexander Markschies und Rektor Ernst Schmachtenberg im Reiff-Museum an der Schinkelstraße eingefunden. „Es ist ein schöner Tag heute“, sagte Markschies mit Blick auf den Bewilligungsbescheid und: „Die Plackerei lohnt sich.“ Rektor Ernst Schmachtenberg unterstrich unter anderem die Bedeutung der Digitalisierung. „Die ganze Welt liefert Daten für die Forschung“, sagte er.

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