Aachen: Lehrer fordert Umbenennung der Gaststätte „Café zum Mohren“

Aachen: Lehrer fordert Umbenennung der Gaststätte „Café zum Mohren“

Tradition oder Rassismus? Mit dieser Frage muss sich aktuell mal wieder Anton Moll auseinandersetzen. Der Inhaber des „Café zum Mohren“ hat vor wenigen Wochen Post aus Bonn bekommen, mit der ein Lehrer der Bertolt-Brecht-Gesamtschule und dessen Klasse ihn auffordern, den Namen des Lokals zu ändern.

Der Ausdruck Mohr sei rassistisch und verweise auf unselige Kolonial- und Sklavenzeiten, werfen sie dem Café­-Besitzer vor. Moll kennt solche Vorwürfe zur Genüge. „Das kommt immer wieder vor“, sagt er. Auch Gäste würden sich zuweilen irritiert über den Namen zeigen. „In 99 Prozent aller Fälle kann man das schnell klären.“ Denn für sein 1994 eröffnetes Café hat er lediglich einen uralten Hausnamen leicht abgewandelt.

Seit Ende des 17. Jahrhunderts ist das nach dem großen Stadtbrand errichtete Handwerkshaus in Aachen als „Haus zum Mohren“ bekannt, das mit seinem Namen an einen der drei heiligen Könige erinnern soll. Dass sich deswegen Menschen verletzt fühlen könnten, kann sich Moll nur schwer vorstellen. Rassismus will er sich jedenfalls nicht nachsagen lassen. „Mir sind alle Menschen gleich recht“, betont er.

Wegen der immer mal wieder aufkommenden Kritik am Namen habe er schon mal an eine Umbenennung gedacht— etwa in „Café zum Moritz“ —, doch das meint er eher scherzhaft. Denn im Grunde hält er solche Schreiben wie die des Brühler Lehrers für völlig unangemessen und übertrieben. „Es bewegt einen, aber es nervt auch“, meint er. Ähnlich sieht es eine Angestellte, die sich auch über die Tonart der Beschwerde ärgert: „Man fühlt sich in eine Ecke mit Rassisten gestellt, das will ich einfach nicht.“ Das Haus heißt nun mal so, das könne man doch nicht einfach ändern.

„Wirkung ist entscheidend“

Dagegen argumentiert der kritische Lehrer, der auch im Verbund der „Schulen gegen Rassismus“ aktiv ist, dass die Motive für die Namensgebung keine Rolle spielten. Entscheidend sei alleine die Wirkung. „Mohr“ sei immer Ausdruck für einen dunkelhäutigen Diener, „der dem Weißen in jeder Hinsicht unterlegen ist“. Der Begriff habe nie mit seinen „menschenverachtenden Wurzeln gebrochen“. Der Lehrer reiht sich damit in die Schar derjenigen ein, die selbst im Verweis auf den historischen Kontext einen „strukturellen Rassismus“ erkennen.

Aus einer ähnlichen Motivlage heraus begehren Kritiker gegen den „Negerkönig“ in Astrid Lindgrens „Pipi Langstrumpf“, gegen das „Negerlein“ in Ottfried Preußlers „Kleine Hexe“ oder gegen den niederländischen Nikolaushelfer „Zwarte Piet“ auf. Auch der Aachener Wasserabfüller „Kaiserbrunnen“ musste sich vor Jahren Kritik gefallen lassen, weil er auf seinem Logo einen livrierten dunkelhäutigen Diener abbildet.

Bekanntestes Beispiel für eine Umbenennung ist der einstige „Sarotti-Mohr“, der heute „Sarotti-Magier der Sinne“ heißt. Einen wirtschaftlichen Schaden habe es nicht gegeben, meint der Bonner Gesamtschullehrer, der daher auch eine Namensänderung des „Café zum Mohren“ für problemlos möglich hält. Ernsthaft erwägen will Moll das aber trotzdem nicht.

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