Aachen: Lehrer erbost über Rechnungshof

Aachen : Lehrer erbost über Rechnungshof

Als erschreckend fehlerhaft und tendenziös hat der Philologen-Verband Aachen den Bericht des Landesrechnungshofs zum Unterrichtsausfall an Gymnasien gewertet.

„Die Lehrerinnen und Lehrer in Aachen und der Region sind aufgebracht über diese billige Stimmungsmache am Ende dieses Schuljahrs. Es ist ein Skandal, dass der Landesrechnungshof jetzt mit einer Untersuchung in die Öffentlichkeit geht, die vor fünf Jahren an 15 Gymnasien durchgeführt wurde und die längst getroffenen Maßnahmen gegen Unterrichtsausfall einfach ignoriert”, so der Vorsitzende Jörg Mülhausen aus Aachen.

Allerdings sei es ärgerlich und absolut inakzeptabel, dass Unterrichtsausfall mit geringerer Arbeitszeit von Lehrkräften gleichgesetzt werde. „Das ist schlichtweg sachwidrig und falsch, Zahlenmanipulation und Irreführung der Öffentlichkeit und die Aachener Lehrerschaft empfindet das als Schlag ins Gesicht gerade nach dem Prüfungsmarathon der letzen Wochen mit Zentralabitur, zentralen Abschlussprüfungen und Lernstandserhebungen”, so Mülhausen.

Mülhausen verweist auf die Arbeitsuntersuchung von Mummert + Partner, wonach Lehrkräfte an Gymnasien 12 Prozent mehr arbeiteten. Statt der 1702 Jahresarbeitsstunden im öffentlichen Dienst, habe die durchschnittliche Arbeitszeit der Gymnasialkräfte bei 1900 gelegen.

Geradezu lächerlich sei es, Schulgottesdienste, mündliche Abiturprüfungen, Schulbausanierungen oder nachmittägliche Konferenzen zu kritisieren. „Das ist völlig daneben und wird der Schulwirklichkeit nicht gerecht”, so Mülhausen. Peinlich und geschmacklos sei es, eine von Schülern und Lehrkräften gemeinsam besuchte Begräbnisfeier einer Lehrerin mit Unterrichtsausfall zu verrechnen.

Auch die Aufforderung, Krankheitszeiten oder gar Mutterschutz-Freistellungen nachzuarbeiten, sei rechtlich unzulässig. In der Schulpraxis werde in dieser Zeit der Unterricht längst abgedeckt. Im Übrigen müssten Lehrkräfte bereit sein, bis zu drei Pflichtstunden pro Monat unentgeltlich Mehrarbeit zu leisten - ein Sachverhalt, den der Landesrechnungshof verschweigt.

Mülhausen äußerte sich gegenüber unserer Zeitung, dass kein Kollege nach diesem „Irrbericht” Sorge haben müsse auch nur eine Stunde nacharbeiten zu müssen.

Nach der heftigen Kritik des Philologen-Verbandes habe sich auch das Schulministerium mittlerweile von dem Landesrechnungshofsbericht distanziert.