Aachen: Lebenshilfe-Werkstätten feiern das 50-jährige Bestehen

Aachen : Lebenshilfe-Werkstätten feiern das 50-jährige Bestehen

„Vor 50 Jahren hätten wir uns noch nicht getraut, in die Mitte der Gesellschaft zu gehen“, sagte Geschäftsführer Norbert Zimmermann, als die Lebenshilfe Werkstätten & Service GmbH jetzt im Eurogress ihr 50-jähriges Jubiläum feierte.

Und welche Bedeutung sie heute hat, wurde schon durch den hochkarätigen Besuch deutlich: Neben Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp, der ganz spontan ein kurzes Grußwort sprach, waren NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, mit von der Partie.

Mit 1800 Gästen feierten die Lebenshilfe-Werkstätten das 50-jährige. Foto: Andreas Herrmann

Max Haberland, Vorsitzender des Werkstattrats, genoss offensichtlich die Kulisse, die sich während des Fests im Europasaal bot: Große Luftballons schmückten den vollbesetzten Saal, 1800 Gäste hatte die Lebenshilfe eingeladen, darunter vor allem Mitarbeiter mit Behinderungen und deren Angehörige.

„Am Leben teilnehmen“

Und da waren offensichtlich gar nicht so viele Worte nötig, um hervorzuheben, was die Lebenshilfe im Laufe der Jahre geleistet hat. Dass es sie gibt, findet Max Haberland ganz wunderbar. Er sitzt im Rollstuhl, und nachdem er zunächst im Verpackungsbereich der Werkstätten gearbeitet hat, verbringt er heute nach eigenen Angaben einen Großteil seiner Zeit im Werkstattrat und setzt sich dort für die Belange der Mitarbeiter ein.

„Wir wollen Menschen nicht mehr in Anstalten einsperren. Sie sollen Anteil nehmen am Leben.“ Das war laut Armin Laschet der Ansatz, mit dem die Lebenshilfe-Werkstatt vor 50 Jahren ihre Arbeit aufnahm, und das in einer Zeit, die insgesamt sehr schwierig gewesen sei. „Die Lebenshilfe ist der Vorreiter der inklusiven Gesellschaft“, meinte Laschet weiter und hob hervor, dass jeder Mensch eine Begabung hat. Der Satz „Wir brauchen dich“ habe eine ganz besondere Bedeutung für Menschen mit Behinderung.

Und die bekamen beim 50-jährigen Jubiläum Gelegenheit, ganz groß zu feiern: Die Gruppe „dramulettO“ lud ein, „Musik zusammen zu erleben“, und die Cellistin Katharina Reichelt, der Kabarettist Jürgen B. Hausmann, die 4 Amigos sowie Jupp Ebert sorgten für ein abwechslungsreiches Programm.

Die Lebenshilfe eröffnete 1968 als Elterninitiative für Menschen mit geistiger Behinderung ihre erste Betriebsstätte in der Grachtstraße in Brand. Heute bietet das Unternehmen an zwei Standorten in Eilendorf und Haaren mehr als 800 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. „Alle Mitarbeiter, ob mit oder ohne Behinderung, haben es gemeinsam mit den Eltern und Angehörigen geschafft, dass unser Unternehmen heute so gut dasteht“, meinte Prof. Gerd Ascheid, Vorsitzender des Aufsichtsrates.

Das kürzlich verabschiedete Bundesteilhabegesetz ist nach Meinung von Max Haberland in vielen Dingen eine große Herausforderung und gar nicht so leicht umzusetzen. Dass da Praktiker mitreden sollten, räumte auch Armin Laschet ein. „In jedem Fall aber wird es auch in Zukunft nicht ohne die Werkstätten der Lebenshilfe gehen“, zeigte sich Norbert Zimmermann überzeugt.

Und Ulla Schmidt bekam viel Applaus, als Laschet darauf verwies, dass sie mit dem Landesverdienstorden NRW ausgezeichnet werde. „Sie hat es verdient“, sagte er.

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