Aachen: Laut Berechnungen mehr als 6000 Wohnungen zu wenig

Aachen : Laut Berechnungen mehr als 6000 Wohnungen zu wenig

Nach jüngsten Berechnungen des Landesbauministeriums und der NRW Bank fehlen in Aachen mehr als 6000 Wohnungen. Nur in Düsseldorf, Köln, Bonn, Dortmund, Essen und Bielefeld ist die Wohnungsnot im Land NRW ähnlich groß.

Der Wohnungsbau zählt somit zu den größten Herausforderungen, die die Stadt in den nächsten Jahren zu bewältigen hat. Doch wie reagieren auf die enorme Nachfrage, die in Aachen auf die hohen Studentenzahlen und nicht zuletzt auch auf den Zuzug von Flüchtlingen zurückzuführen ist?

Diese Frage bewegt seit geraumer Zeit verstärkt auch die Fraktionen im Stadtrat. Unter anderem haben die Grünen sie in den Mittelpunkt ihrer Haushaltsberatungen gestellt und dazu inzwischen einen entsprechenden Antrag formuliert. Darin sprechen sie sich für ein „kommunales Wohnungsbauprogramm“ in den Jahren 2016 bis 2020 aus. Der „Geschosswohnungsbau“ sei die wichtigste Aufgabe dieser Ratsperiode, bekräftigen die Fraktionsspitzen Ulla Griepentrog und Michael Rau.

Um möglichst schnell zum Erfolg zu kommen, müssten städtische Grundstücke zügig zur Baureife gebracht werden, fordern sie. Sie denken da etwa an den Sportplatz Laurensberg, den Parkplatz im Brander Feld, den Sportplatz Karl-Kuck-Straße in Brand, die Grundschule Kronenberg, an die Friedensstraße in Haaren, an die Kamperstraße am Hauptbahnhof, an die Hauptschule Franzstraße und auch an Flächen an der Süsterfeldstraße.

Acht Millionen Euro wollen die Grünen jährlich bereitstellen, wobei ausdrücklich auch die Stadt selbst als Bauherr auftreten und die Zahl dringend benötigter Sozialwohnungen in die Höhe treiben soll. Das Geld könne etwa aus Stiftungsmitteln kommen, die damit auch eine bessere Rendite erwirtschaften könnten. Ihren Vorstellungen zufolge könnte die Stadt — begünstigt durch zinsgünstige Kredite und öffentliche Förderprogramme — jährlich rund 60 bis 70 Wohnungen schaffen. Dadurch würden zugleich auch langfristig neue städtische Vermögenswerte geschaffen, argumentieren die Grünen.

Doch auf Seiten der schwarz-roten Ratsmehrheit will man einen anderen Weg einschlagen. Das wenige Geld, das die Stadt noch zu verteilen habe, wolle man lieber im Bildungsbereich investieren, erklärt SPD-Fraktionschef Michael Servos, der damit zugleich das schwarz-rote Vorhaben preist, bis zum Jahr 2020 zehn neue Kitas zu bauen und damit die Zahl der Betreuungsplätze für Unterdreijährige weiter zu erhöhen. In diesem Bereich müsse die Stadt tätig werden, bekräftigt er. Für den sozialen Wohnungsbau haben sich CDU und SPD mangels finanzieller Möglichkeiten hingegen auf eine andere Strategie verständigt.

So soll unter anderem auch die Gewoge wieder in die Lage versetzt werden, nach Jahren der Untätigkeit mehr zu bauen. Dazu seien einige strategische Weichenstellungen nötig, hinzu käme aber auch ein neuer Wind im Aufsichtsrat und in der Geschäftsführung, der die Gewoge von alten Fesseln befreie.

So habe die Gewoge im vergangenen Jahr wieder 63 Wohnungen gebaut. „Es sollen im nächsten Jahr zumindest nicht weniger werden“, sagt Servos, der glaubt, dass die Gewoge künftig jährlich ein bis zwei Objekte bauen könnte.

Bedarf längst nicht gedeckt

Darüber hinaus will man verstärkt aber auch die städtischen Stellschrauben nutzen, um auch private Investoren für den Bau von Sozialwohnungen in die Pflicht zu nehmen. Erste Erfolge würden sich abzeichnen, wie Servos jüngst auch auf dem Parteitag seinen Genossen vorgerechnet hat. So seien in den Jahren 2008 bis 2013 im Schnitt lediglich 60 bis 80 Sozialwohnungen jährlich gebaut worden. 2014 waren es 260 und 2015 bereits 420 Wohnungen. Der Trend für 2016 sei ebenfalls vielversprechend: Alleine für das 1. Quartal sei die Fertigstellung von 80 Sozialwohnungen schon sicher.

All dies zeige, dass die Stadt nicht unbedingt selbst die Millionen auf den Tisch legen müsse, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Auch zusätzliche Verhandlungen mit privaten Investoren könnten zum Erfolg führen. Wobei auch die schwarz-roten Koalitionäre wissen, dass die Zahlen den Bedarf längst nicht decken. „Es muss noch viel mehr passieren“, meint auch Servos, der damit prinzipiell alle Investoren zum Wohnungsbau — und zwar auch zum höherpreisigen — in Aachen ermuntern will. „Jede zusätzliche Wohnung verringert den Marktdruck“, ist er überzeugt.

Derweil fordert die Linksfraktion — ähnlich wie nun die Grünen — seit Jahren stärkere städtische Anstrengungen beim Bau von Sozialwohnungen. Um dafür überhaupt die passenden Areale zu finden, haben sie jüngst ein Vorkaufsrecht für die Gewoge für Grundstücke innerhalb des Alleenrings gefordert. Zugleich haben sie sich für den Erlass einer sogenannten Leerstandssatzung stark gemacht, mit der die Stadt eine Handhabe erhalten sollte, die Zweckentfremdung oder den gezielten Leerstand von Wohnraum zu verhindern und damit etwa auch gegen Spekulanten vorzugehen.

Doch auch auf dieses Mittel will sich die große Koalition vorerst nicht einlassen — was vor allem dem Druck der CDU geschuldet ist. Denn die SPD ist im Kampf gegen die Wohnungsnot im Grunde ebenfalls Verfechter einer Leerstandssatzung.

Mehr von Aachener Nachrichten