Aachen: Laurensberg: Rabiater Kahlschlag sorgt für Unmut bei den Anrainern

Aachen: Laurensberg: Rabiater Kahlschlag sorgt für Unmut bei den Anrainern

Es sieht aus, als hätten die Römer die letzten Bäume im Apennin geplündert, um noch mehr Boote oder Behausungen gegen unliebsame Eindringlinge zu bauen. Wer zurzeit in Laurensberg im Dreieck Kohlscheider Straße/Roermonder Straße/Toledoring unterwegs, ist baff ob des heftigen menschlichen Eingriffs in die Natur.

Hunderte Bäume wurden niedergemacht, manche Stämme sind bis zu 30 Zentimeter dick. Gefällt wurden sogar Bäume, die nicht den Hauch einer Chance haben, auf eine Fahrbahn zu fallen — sie stehen nämlich zu weit weg davon.

Eigentlich sollten die Fällarbeiten schon abgeschlossen sein, doch immer noch lärmen in Laurensberg die Kettensägen. Die Anwohner sind wenig begeistert.

Verantwortlich für die seit Wochen andauernden Fällungen ist der Landesbetrieb Straßenbau NRW. Dessen Sprecher Bernd Aulmann verteidigt das rabiate Vorgehen: „Die Pflegemaßnahme war notwendig.“ Ganze Böschungen habe man deswegen flachgelegt, weil die oben stehenden Bäume sonst die darunter stehenden umgerissen hätten, wenn sie umgekippt wären. Bei vielen größeren sei nämlich die Standsicherheit nicht mehr gewährleistet gewesen.

Zur Verjüngung

30 Jahre lang sei nämlich auf den Böschungen nicht viel geschehen, zu dieser Zeit wurden der Ring und die Umgehungsstraße angelegt. Und nun seien Einschnitte notwendig gewesen, nicht nur aus Gründen der Verkehrssicherheit, sondern auch, um den Bestand zu verjüngen, „damit frische Bäume wachsen können“. Ausgeführt werden die Kettensägen-Arbeiten von einer externen Firma. Aulmann gibt allerdings zu, dass man nicht noch einmal die vier Hektar große Fläche auf einen Rutsch in Auftrag geben würde: „Beim nächsten Mal werden wir es in Abschnitten machen, damit es nicht so brutal aussieht.“ Die flächendeckende Abholzung des „Straßemnbegleitgrüns“ sollte eigentlich bis Ende Februar abgeschlossen sein, jetzt werde noch das Schnittgut entfernt.

Aulmann weiß, dass es sich um ein sensibles Thema handelt: „Grundsätzlich kriegen wir bei derartigen Maßnahmen immer wieder Amrufe und Beschwerden.“ Dabei schneide doch jeder Bürger auch in seinem Garten, „und so muss es auch im öffentlichen Straßenraum sein“.

Bei den Anrainern kommt der große Kahlschlag nicht so gut an. Diplom-Wirtschaftsingenieur Julian Langstädtler arbeitet in einer Firma an der Ecke Roermonder Straße/Kackertstraße. Er spricht davon, dass die Grünflächen eine Menge an Schall und Schadstoffen aufgenommen hätten, die nun stärker die Anwohner und Berufstätigen treffen: „Von der Optik ganz zu schweigen.“

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