Aachen: Lange Warteschlangen zum Schulstart

Aachen : Lange Warteschlangen zum Schulstart

Für Justus (Name von der Redaktion geändert) begann der erste Schultag am Mittwoch noch ganz analog: Für den Schulweg hatte seine Mutter ihm ein Vierfahrtenticket besorgt. Einmal am Rand entwertet, ging es mit dem Papierticket per Euregiobahn in nur wenigen Minuten vom heimischen Herzogenrath zu seiner Schule in Aachen.

Wie lange der Neunjährige noch Papierzettel stempeln lassen muss, weiß seine Mutter nicht. Eigentlich hätte das „School & Fun-Ticket“ schon längst da sein sollen. Beantragt hatte sie es Anfang Juli über die Stadt Aachen. „Mir wurde versichert, dass das Ticket spätestens bis zum Schulstart da ist“, sagt die Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Schließlich habe Justus aus gesundheitlichen Gründen einen Anspruch auf die Busfahrkarte. Doch das elektronische Ticket, das eigentlich seit dem 1. August gültig ist, lässt auf sich warten.

Wie viele Schüler ebenfalls noch ohne „eTicket“ unterwegs sind, weiß Paul Heesel nicht. Nach Angaben des Aseag-Sprechers dürfte es sich aber nur um Einzelfälle handeln. „Neukunden, die rechtzeitig das Ticket beantragt haben, müssten es eigentlich alle haben.“ Nur „hier und da“ habe es Probleme bei der Übertragung von Daten gegeben. Eine Neuauflage des Zustellungs-Chaos’ vom vergangenen Jahr gebe es, so Heesel, also nicht. Damals hatten Tausende Schüler im Zuge der Umstellung aufs elektronische Ticket zum Teil monatelang in der Warteschleife verharrt.

Massive technische Probleme hatten zu Verzögerungen bei der Zustellung der elektronischen Chipkarte geführt. Und das Aachener Nahverkehrsunternehmen dazu veranlasst, die Gültigkeit der alten Papiertickets vom Vorjahr außerplanmäßig bis zum 31. Oktober 2017 zu verlängern. Nur, um im darauffolgenden November irrtümlicherweise 600 Schülern die „School & Fun-Tickets“ zu kündigen — wegen eines „Systemfehlers“.

Justus’ Mutter hofft, dass ihr diese Unannehmlichkeiten erspart bleiben. Sie ärgert sich vor allem über die Reaktion beim Kundenservice auf ihre Frage, wie sie bis zum Erhalt des „eTickets“ verfahren solle. „Man hat mir gesagt, dass ich für meinen Sohn jetzt zusätzlich Fahrscheine kaufen muss, die Kosten dafür aber nicht von der Aseag erstattet werden. Dabei zahlen wir das Ticket doch rückwirkend zum 1. August.“ Dass dieses Verfahren nicht zur offiziellen Gangart der Aseag gehört, betont indes Aseag-Sprecher Heesel. „Kunden, die noch auf ihr ‚School & Fun-Ticket‘ warten, müssen keine zusätzlichen Fahrscheine kaufen“, stellt er richtig. Die Kontrolleure seien entsprechend informiert worden.

Apropos informiert: Ob die Verlängerung des „School & Fun-Tickets“ rechtzeitig von der Aseag bearbeitet wurde, zeigt erst der Praxistest, nämlich wenn das ‚eTicket‘ im Bus „zur Selbstkontrolle“ ans Kontrollgerät gehalten wird und das grüne Lämpchen aufleuchtet. Eine Bestätigung der erfolgreichen Verlängerung gebe es „aus wirtschaftlichen Gründen“ nicht. „Schließlich müssten wir das alles postalisch versenden“, sagt Heesel. Erst ab 2020 soll der Bestellvorgang komplett im Internet abrufbar sein.

Viel Zeit und Nerven

Bis dahin müssen Kunden, deren Antrag nicht bis zum 31. Juli bearbeitet wurde, persönlich beim Kunden-Center am Bushof erscheinen und ihr ‚eTicket‘ freischalten lassen. Und dafür mitunter viel Zeit mitbringen. Der Andrang ist zurzeit nämlich enorm, wie Heesel bestätigt. „Zum Monatswechsel ist immer viel los, und dann fällt dieser auch noch mit dem Schulanfang zusammen.“ Zwar versuche die Aseag grundsätzlich in solchen Zeiten mehr Personal einzusetzen. Allerdings sei man wegen mehrerer Krankheitsfälle zurzeit „personell nicht so gut aufgestellt“. Ob unter den Wartenden allerdings viele Schüler sind, deren „School & Fun-Ticket“ vom Lesegerät als ungültig erkannt wurde, ist fraglich. Denn selbst der Unternehmenssprecher räumt ein: „Die Lesegeräten werden so gut wie gar nicht benutzt.“

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