Aachen: Landtagswahl: Vorstellen in zehn Sekunden

Aachen : Landtagswahl: Vorstellen in zehn Sekunden

Wenn es schon das papierlose Büro gibt, kann dann auch ein Wahlkampf ohne Papier funktionieren? CDU-Landtagskandidatin Ulla Thönnissen könnte sich das vorstellen. Aber noch nicht sofort.

Beim Buhlen um Wählerstimmen am 14. Mai ist Thönnissen viel im Internet unterwegs. „In den Sozialen Medien gibt es ja nicht nur Shitstorms“, meint sie, „da findet auch politische Meinungsbildung statt.“ Im Netz stieß Thönnissen dann auch auf jene junge Wählerin, die ihre Kandidaten auf die moderne Art kennenlernen wollte.

Mit der App Snapchat, bei der zehnsekündige Videos gedreht, bearbeitet und veröffentlicht werden können, forderte sie die Kandidaten dazu auf, sich ihr vorzustellen. Bei Gefallen sollte der Kontakt vertieft werden. Und das muss er im Grunde auch, denn so ein Snapchat-Video ist nur 24 Stunden lang online — danach wird es automatisch gelöscht.

Nicht in die digitale Welt geboren

Die Performance der Christdemokratin aus dem Wahlkreis Aachen I im Norden des Stadtgebiets überzeugte offenbar. Die 20 Jahre alte Erstwählerin, die nach dem Abitur erst einmal einige Zeit in Südamerika verbracht hat, „hätte sich vor zehn Jahren wahrscheinlich nicht unbedingt für eine CDU-Kandidatin entschieden“, glaubt Thönnissen. Hundertprozentig einer Meinung waren die beiden Frauen auch nicht, nachdem sie sich dann rund anderthalb Stunden über Bildungspolitik, Wirtschaftsthemen und die Innere Sicherheit ausgetauscht hatten. Die Kommunikation aber funktioniere auf diese Weise, glaubt Thönnissen, „man erreicht so auch jüngere Wähler“.

Dabei ist die 53-jährige Mutter zweier erwachsener Söhne nicht direkt in diese digitale Welt hineingeboren. Sie habe sich durchaus eine Weile mit dieser „jungen Kommunikation im Netz“ beschäftigen müssen, räumt Ulla Thönnissen ein. Und Hilfe hatte sie dabei auch. „Zwei Mitarbeiter in meinem Wahlkampfteam sind da sehr fit“, erzählt sie, „die hatte ich als Berater.“

Doch die Truppe um die Kandidatin ist auch in der analogen Welt viel unterwegs. „25 Leute sind allein mit dem Haustür-Wahlkampf beschäftigt“, sagt Thönnissen, die auch selbst beim Klinkenputzen mitmacht. Es sei ein junges Team, meint sie, und ganz heiß auf Wahlkampf und das Ziel, Rot-Grün abzulösen. Bei der Inneren Sicherheit müsse nun „Schluss sein mit Pleiten, Pech und Pannen“, fordert Thönnissen, und in der Bildungspolitik müsse der „Untergang des Lernens“ gestoppt werden. Dafür wirbt die Truppe um die Kandidatin auch an Wahlkampfständen. Immer dabei ist ein orangefarbenes Sofa, als Reminiszenz an Thönnissens „Wohnzimmergespräche“, bei denen sie bislang ihre Positionen im kleineren Kreis von politikinteressierten Menschen vertreten hat. Verteilt werden auch orangefarbene Kugelschreiber, mit denen im Internet wenig anzufangen ist.

Ältere Wählerschichten seien über die elektronischen Medien nicht unbedingt so gut zu erreichen, meint Ulla Thönnissen, deshalb macht sie Wahlkampf sowohl mit als auch ohne Papier. Briefe an Erstwähler allerdings werden nicht mehr verschickt. Und auf Wahlplakate könne vielleicht in Zukunft auch verzichtet werden, sinniert Thönnissen, Aber das müssten alle Parteien dann mitmachen.“

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