Aachen: Lärmbelästigung vor OT Josefshaus: Polizei enttäuscht, Okon hält dagegen

Aachen: Lärmbelästigung vor OT Josefshaus: Polizei enttäuscht, Okon hält dagegen

Nach einem Polizeieinsatz am Donnerstagabend vor der Offenen Tür (OT) Josefshaus gehen die Darstellungen der Polizei einerseits und von OT-Leiter Richard Okon andererseits zum Teil deutlich auseinander.

„Wir sind sehr enttäuscht vom Verhalten des Herrn Okon“, sagt Paul Kemen von der Polizeipressestelle auf Nachfrage. Als die Polizei am Donnerstagabend kurz vor Mitternacht von Anwohnern wegen einer Lärmbelästigung in den Kir­berichs­hofer Weg gerufen worden war und es dort zu Auseinandersetzungen mit Gästen der OT kam, hätten die eingesetzten Beamten den anwesenden Leiter der dortigen Einrichtung mehrfach gebeten, auf die jungen Menschen deeskalierend und beruhigend einzuwirken, berichtet Kemen. „Diesem Wunsch kam er nicht nach. Eher das Gegenteil war der Fall.“ Die Art und Weise seiner Kommunikation sei alles andere als geeignet gewesen, zur Beruhigung der Situation beizutragen, erläutert Kemen.

Richard Okon schildert die Situation völlig anders. „Ich wollte ja deeskalierend einwirken und die jungen Leute beruhigen“, berichtet er den „Nachrichten“, „aber die Beamten haben mich nicht gelassen. Ich solle den Einsatz nicht stören, haben sie mir gesagt.“

Den Anlass zum Polizeieinsatz beschreiben beide Seiten indes weitestgehend identisch. „In der OT hat eine sogenannte Social-Party stattgefunden, die ein Privatmann insbesondere für junge Flüchtlinge und Migranten veranstaltet hat“, berichtet Okon, „da diese Party die Integration fördert, haben wir das gerne unterstützt und die Räume zur Verfügung gestellt.“ 60 bis 70 Jugendliche seien dabei gewesen. Einen Jugendlichen, der im Josefshaus Hausverbot hat, habe man jedoch abgewiesen, und der habe dann mit zwei oder drei Kumpels mit Pappstangen vor der OT auf geparkte Autos eingeschlagen. „Als ich das gesehen habe, bin ich sofort rausgelaufen und die Jungs sind abgehauen“, berichtet Okon. „Sie gehörten nicht zu unseren Gästen.“

Die von Anwohnern alarmierte Polizei bestätigt das: „Einige Jugendliche waren weggelaufen, als wir kamen“, berichtet Kemen. Allerdings habe sich eine Gruppe noch am Jugendheim aufgehalten. „Das waren unsere Gäste, die auf die Straße gekommen waren“, hält Okon entgegen, „die hatten mit der Lärmbelästigung nichts zu tun.“ Das sahen die Polizisten offenbar anders und forderten die Personen auf, ihre Personalien anzugeben. „Dies verweigerten sie partout. Sie verhielten sich völlig unkooperativ“, berichtet Kemen.

Dann habe sich ein völlig Unbeteiligter eingemischt, so Kemen weiter. „Der stürmte direkt mit Drohungen und einer Schimpfkanonade auf die Beamten zu und forderte sie aggressiv auf, ,den kleinen Bruder bloß nicht anzupacken‘“. Als er handgreiflich wurde und die Kontrolle störte, konnte er zunächst mit einfacher körperlicher Gewalt zurückgehalten werden, später aber mussten ihm die Beamten Handfesseln anlegen. Der 22-jährige junge Mann aus Aachen wurde ins Aachener Polizeipräsidium gebracht.

„Völlig übertriebener Einsatz“

Als „völlig übertrieben“ beschreibt Richard Okon das Vorgehen der Beamten und das habe er den Polizisten auch gesagt. Die nahmen zu Protokoll, dass er ihnen gedroht habe, „auf hoher politischer Ebene“ diesen Einsatz klären zu lassen. „Das habe ich in der Erregung gesagt“, räumt Okon ein, „das hätte ich nicht tun sollen.“

Außerdem, berichtet Kemen, hätten seine Kollegen den Eindruck gehabt, dass der Leiter alkoholisiert gewesen sei. „Ich habe eine Flasche Bier getrunken“, sagt Okon, der aber betont, dass er sich gar nicht im Dienst befunden habe, weil es eine private Veranstaltung und keine der OT gewesen sei.

Der 22-Jährige habe sich auf der Wache wieder beruhigt. Dort habe er angegeben, dass er im Jugendhaus — wie die meisten dort — „harten“ Alkohol getrunken habe, was ein anschließender Alkoholtest bestätigte. Darüber hinaus habe man kurz bevor die Polizei kam, Marihuana geraucht. Dass „harter Alkohol“ ausgeschenkt worden sei, bestätigt auch Richard Okon, es habe aber Einlasskontrollen mit Altersnachweis gegeben. „Dabei haben die Gäste verschiedene Bändchen erhalten, die zeigten, wer harten Alkohol trinken darf und wer nicht.“ Außerdem betonte er, dass bei Veranstaltungen der OT „der Jugendschutz selbstverständlich eingehalten wird“.

Bei dem Einsatz sei niemand verletzt worden, bilanziert die Polizei, die mit acht Streifenwagen vor Ort war. Gegen den 22-Jährigen laufe ein Ermittlungsverfahren wegen Widerstandes gegen Polizeibeamte.

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