Themen
Sanierungsarbeiten

Ladies in Black müssen die Stadt verlassen

Alles im Eimer? Das Sporthallendach in der Neuköllner Straße ist undicht – die Sanierungsarbeiten werden umfangreicher und zeitaufwendig. FOTO: Andreas Steindl

Aachen Der Aachener Erstliga-Volleyball verliert zum Saisonbeginn seine Heimat an der Neuköllner Straße. Die Ladies in Black suchen nun neue Heimspielstätten. Die Sanierung der undichten Halle dauert länger als befürchtet.

Die Bauplaner sehen schwarz. Und das Deckendach weint den Ladies schon hinterher. Zur kommenden Saison wird Erstliga-Volleyball in Aachen nicht mehr zu Hause sein. Weil die Bedachung der Sporthalle an der Neuköllner Straße in Aachen, in der die Erstliga-Volleyballerinnen der Ladies in Black ihre Heimspiele absolvieren, nicht nur undicht, sondern extrem marode ist, werden sich die bevorstehenden Sanierungsarbeiten deutlich in die Länge ziehen. Entsprechende Informationen unserer Zeitung haben Stadt Aachen, Städteregion und der Erstligaclub PTSV am Donnerstag bestätigt. Statt rund sechs Monaten sind nunmehr bis zu 13 Monate Bauzeit veranschlagt.

Baumaßahme komplizierter

„Ja, es ist so. Tatsächlich hat die Baumaßnahme nach genauer Betrachtung vor Ort weiter an Volumen gewonnen, nicht zuletzt durch eine erforderliche Schadstoffsanierung“, erklärt Stadtsprecher Bernd Büttgens. Denn mit einer simplen Abdichtung der löchrigen Dachkonstruktion kommt man offenbar nicht aus. Zwei Millionen Euro hatte man Ende vergangenen Jahres für Sanierungsmaßnahmen veranschlagt. Jetzt wird es komplizierter: „Die Maßnahme an sich ist schon komplex, da neben der Dachsanierung auch die Erneuerung der Technik im Hallendach vorgesehen ist“, erläutert Büttgens. Zur Debatte steht dabei unter anderem der Austausch der altersschwachen Beleuchtungstechnik.

Allerdings beschäftigt sich die Verwaltungsspitze in der kommenden Woche noch einmal mit dem Thema Verlängerung der Bauzeit. Büttgens: „In der internen Sitzung mit den Fachleuten sucht die Satdt noch nach einer verträglicheren Lösung. Dort wird abgewogen, ob und wie die komplexen Erfordernisse des Bauprojekts mit den Bedürfnissen der Volleyballerinnen in Einklang gebracht werden können.“

Für den Erstligaclub und die Ladies ergeben sich dadurch erhebliche Probleme. Nach dem letzten Heimspiel der laufenden Saison gegen Schwarz-Weiß Erfurt am 7. März rücken die Bauarbeiter an. Eigentlich sollten sie die Dacherneuerung zum Saisonbeginn 2020/21 im Oktober dieses Jahres abgeschlossen haben. Doch daraus wird offenbar nichts. Sebastian Albert, der seit dem 1. Februar Geschäftsführer der Ladies ist, beginnt seinen neuen Job mit der Suche nach einer neuen Spielstätte. „Wir müssen die kommende Saison zunächst ohne die Neuköllner Straße planen, das ist natürlich schwierig; daran arbeiten wir mit dem Vorstand und den Verantwortlichen der Stadt auf Hochtouren“, sagt er. Wohin die Reise bei Heimspielen geht, ist völlig unklar. Gesucht wird nun eine Halle, die mindestens 1000 Zuschauer fasst und bestenfalls neun Meter hoch ist. Diese Höhe schreibt die Deutsche Volleyball-Bundesliga (VBL) für Bundesliga-Begegnungen vor. Weil die Dreifachsporthallen an der Neuköllner Straße, übrigens Aachens größte überdachte Sportstätte, nur 7,20 Meter hoch ist, gibt es trotz fortgeschriebener Sondergenehmigungen der VBL Jahr für Jahr Streit. Vor elf Jahren war der Damenvolleyball mit dem Aufstieg in die höchste Spielklasse Deutschlands von der Bergischen Gasse im Frankenberger Viertel in den Aachener Norden gezogen. Eigentümer der Halle ist die Städteregion Aachen, die Baumaßnahme koordiniert aber das Gebäudemanagement der Stadt Aachen. Betroffen von der Schließung sind neben den Ladies in Black weitere Vereine, Sportturniere und Schulsportveranstaltungen.

Erst im Oktober 2019 war ein Dachpaneel, also ein Stück Innenverkleidung, auf das Spielfeld gestürzt. Verletzt wurde niemand. Seit Monaten muss Regenwasser, das durch die Hallendecke in den Innenraum tropft, mit Eimern aufgefangen werden. Zudem gilt die Decke wegen gesundheitsschädlicher Wärmedämmung als erneuerungsbedürftig.

Bis zum 15. April haben die Verantwortlichen nun Zeit, bei der VBL eine Ausweichhalle zu beantragen – und hoffentlich auch genehmigt zu bekommen. „Sportlich steht der Klub hervorragend da, die Fairness der Fans ist bundesweit anerkannt“ sagt Klaus-Peter Jung, Geschäftsführer der VBL, und drängt darauf, dass endlich Bewegung in Sachen Hallenneubau kommt. „Es ist ein Desaster in Aachen mit der Nichtlizenzierbarkeit der bisherigen Halle. Aber da bewegt sich nichts. Wenn man einen Bundesligisten in der Stadt hat, sollte man auch etwas in Bewegung setzen.“

Eine neue Halle ist aber in weiter Ferne. Kurzfristig muss ein Ausweichspielort her. In Betracht kommen die Arena Düren, Heimspielort der Powervolleys, und die Steengoed Arena im belgischen Maaseik. Denkbar sei auch ein Mix verschiedener Heimspielorte, erklärt Ladies-Geschäftsführer Albert. Die Zeit drängt; große Hallen sind oft lange im Voraus ausgebucht. Kommende Woche wollen die Verantwortlichen von Stadt und Verein die Vorgehensweise abstimmen.

Dieser Artikel zählt zu den kostenpflichtigen Inhalten unseres Onlineportals
Einfach Wunsch-Angebot wählen und Zugriff zu jedem Artikel auf unserem Onlineportal und in der News-App erhalten.
Sie sind bereits registriert?
Jetzt anmelden und sofort lesen
Abonnent, aber noch nicht fürs Onlineportal registriert?
für Abonnenten der gedruckten Ausgabe oder des ePapers

Alle Vorteile auf einen Blick

Monatlich kündbar
Unbegrenzter Zugang zu allen Inhalten auf den AZ/AN Onlineportalen
News-App (iOS und Android)
Zusätzliche multimediale Inhalte und interaktive Spiele