Aachen: „Ladies in Black“: Erstklassig, aber in Geldnöten

Aachen : „Ladies in Black“: Erstklassig, aber in Geldnöten

Statt um die schwarz gekleideten Spielerinnen dreht sich dieser Tage alles um rote Zahlen. Die notwendigen Auslagen um die neuen Vorgaben der Volleyball-Bundesliga (VBL) zu erfüllen, haben die „Ladies in Black“ in eine Existenz bedrohende Krise gestürzt.

Und ohne Hilfe wird der Verein aus diesem finanziellen Desaster nicht mehr herauskommen. Am Samstag nutzten die „Ladies“ darum ihr erstes Heimspiel der Saison, um für sich zu werben. „Klenkes hoch“ heißt die Aktion, bei der die Fans der Volleyballerinnen fortan für ein kleines Dankeschön an den Verein spenden können.

Eine langfristige Lösung ist das aber nicht, wie der Geschäftsführer des Spielbetriebs der „Ladies in Black“, Bastian Heckert, sagt. „Wir sind wirtschaftlich momentan nicht in der Lage, die Saison zu Ende spielen zu können“, beschreibt er die Situation. Es hätten sich zwar schon einige Private mit größeren Summen beteiligt, aber auf lange Sicht brauche man die Unternehmen als Werbepartner, so Heckert.

Einige Altlasten

Die Lage ist paradox. Der sportliche Erfolg, der die „Ladies“ bis in die erste Bundesliga katapultiert hatte, kam so schnell, dass der Verein nun von den Kosten der obersten Spielklasse erdrückt wird. Dazu kommen noch einige Altlasten, die der PTSV Aachen von der insolventen Volleyball-Abteilung der Alemannia GmbH übernehmen musste. Da kommen die neuen Vorgaben der VBL einem Genickbruch für den Verein gleich.

Diese sollen den Sport insgesamt attraktiver machen, etwa durch zusätzliche Trainerstellen oder der Bedingung, dass keine Linien von anderen Sportarten mehr auf dem Hallenboden sichtbar sein dürfen. So sollen letztlich TV-Einnahmen generiert werden. Ein Unterfangen mit bescheidenen Erfolgsaussichten, da auch diverse andere Randsportarten ähnliche Pläne verfolgen.

Bei den Fans treffen solche Maßnahmen ohnehin auf Unverständnis, zum Beispiel bei Jürgen Müller aus Alsdorf. Obwohl er im Rollstuhl sitzt, verpasst er kaum ein Heimspiel der „Ladies“ und gehört zu den mehreren tausend treuen Fans, auf die die Spielerinnen bei ihren Auftritten in Aachen zählen können.

„Es ist zwar wichtig, für so einen schnellen und attraktiven Sport zu werben, damit auch junge Leute dazukommen“, sagt er. „Aber die Vorschriften machen die Situation nur schwieriger.“ Er habe selbst schon einige andere Menschen mit Behinderung dazu gebracht, auch abends noch zu den Spielen zu kommen, selbst wenn das mit dem Rollstuhl manchmal schwierig sei.

Der Stimmung tut der schwere Schatten, der über der ungewissen Zukunft liegt, an diesem Abend keinen Abbruch. Selbst das Gruppenfoto der Fans mit dem erhobenen kleinen Finger — dem Zeichen der Aktion „Klenkes hoch“ — fällt überaus fröhlich aus.

Im Spiel gegen die Roten Raben Vilsbiburg sieht es zunächst zwar nicht gut aus: die Aachenerinnen verlieren den zweiten Satz. Auf der elektronischen Anzeigetafel, die übrigens Jürgen Müllers Sohn einst in der Halle an der Neuköllner Straße montiert hatte, steht es 1:1. „Die ist auch gut für Werbeanzeigen“, bemerkt Müller und widmet sich wieder dem Geschehen auf dem Spielfeld.

Mit jedem Aufschlag werden die „Ladies in Black“ sicherer und zuversichtlicher. Etwas, was man auch dem Verein für die kommenden Wochen wünschen möchte. An diesem Abend gewinnen sie nicht nur das Spiel mit 3:1, sondern einmal mehr auch die Herzen ihrer Fans. Es bleibt zu hoffen, dass sie dazu noch oft Gelegenheit bekommen werden.