Kurpark Classix: Tonnenweise Arbeit vor dem Festival in Aachen

Kurpark Classix : Im Stadtgarten blühen wieder die schönsten Konzertträume

Mitten im Stadtgarten an der Monheimsallee tobt an diesem ersten Schultag nach den großen Ferien der Berufsverkehr wie selten. Zwei Tage, bevor die Virtuosen des Aachener Sinfonieorchesters mit Star-Bassist John Tomlinson die ersten Takte bei den 13. Kurpark Classix anstimmen, ticken die Uhren im Schatten des Eurogress im Rush-Hour-Modus.

„Stop and go“ inklusive: Denis Suvic lotst seinen 40-Tonnen-Koloss – „nur“ einer von 14 Trucks, die den Kurpark in diesen Tagen ansteuern – behutsam durchs hektische Treiben auf dem Kiesfeld am Springbrunnen: noch ein Virtuose. Im Bauch seines gigantischen „Babys“ warten stapelweise Traversen, riesige Lautsprecher und jede Menge Lichttechnik auf den beherzten Zugriff der über 50 Männer vom Stolberger Veranstaltungsspezialisten Feedback Show Systems.

Denn deren Kollegen vom pfälzischen Unternehmen Green City haben seit Montag bereits ganze Arbeit geleistet. Die Zuschauertribüne mit 1320 Sitzen ist fast fertiggebaut. 16 Meter breit, elf Meter tief thront die riesige Festival-Bühne schon zwischen den Baumwipfeln – und schwindelerregende 14 Meter hoch. Nach einer guten halben Stunde geht der nächste logistische Kraftakt in die heiße Phase, abermals von der Horizontalen in die Vertikale. „Den größten Teil der mehr als 50 mannshohen Lautsprecher und jede Menge LED-Beleuchtung bringen wir direkt unter dem Bühnendach unter“, erzählt Feedback-Produktionsleiter Thimo Kolonko. Die empfindliche Klang- und Scheinwerfertechnik wird über motorisierte Seilwinden in Position gebracht – vier Tonnen „Material“ im Ganzen.

Unterdessen rotieren die Kabeltrommeln, um allein rund vier Kilometer Stromleitungen abzuspulen, die an eine eigens reservierte Verteilerstation angeschlossen werden. Auch die Wasserversorgung mitten im Grünen erfordert natürlich erheblichen Aufwand – beziehungsweise vor allem die Entsorgung: Allein sechs Toiletten-Container mit jeweils 14 „Einheiten“ werden mittels etlicher Pumpen mit dem Kanalsystem hinter der Konzertmuschel verbunden. Weitere neun Container sowie sechs Großzelte bieten Platz für Garderoben, Produktionsbüros, Sicherheitszentrale, Merchandising, VIP- und Backstage-Bereiche …

So viel Infrastruktur muss allemal sein, schließlich kann „Classix“-Veranstalter Christian Mourad frohlocken, dass zumindest das Gastspiel von Pop-Titan Mark Forster am Montag längst ausverkauft ist – auch wenn die rund 8000 Forster-Fans just zum Festivalfinale aufs obligatorische Picknick als „Classix“-Clou verzichten müssen. Sicherheit muss eben auch sein.

Glücklich auf der Zielgeraden: Veranstalter Christian Mourad (links) und Detlev Beaujean, Technischer Direktor des Theaters Aachen, fiebern dem Startschuss für die 13. Kurpark Classix am Freitag entgegen. Foto: Andreas Herrmann

Über bizeps-gestählte Schulterklopfer und kräftige Händedrücker darf Mourad sich mitten im (scheinbaren) Chaos der Aufbauarbeiten allerdings nicht nur deshalb freuen, weil im Park sichtlich alles wie am Schnürchen läuft. Just an diesem hektischen Mittwoch feiert er seinen 54. Geburtstag. Ein bisschen Zeit für Kuchen, Sekt und Entspannung gibt’s wohl frühestens beim Picknick am Freitag.

Und sein schönstes Geschenk erwartet der umtriebige „Chef-Impresario“ womöglich erst, wenn die Mikros auf der großen Bühne im Park „offiziell“ angeschaltet werden. „Die Gäste zum Start beim Opernabend willkommen heißen zu dürfen – das ist für mich vielleicht das Schönste überhaupt“, sagt er strahlend. Und dass das Festival in diesem Jahr bereits zum 13. Mal stattfindet, freut ihn natürlich auch besonders. Wer wird denn abergläubisch sein? „Das Problem hab’ ich nun wirklich nicht“, sagt er lachend. Und fügt augenzwinkernd an: „Natürlich hab’ ich aber auch diesmal dafür gesorgt, dass genügend Regencapes am Start sind.“

Macht halt ein gutes Gefühl, obwohl es wahrscheinlich nicht nötig ist. Falls auch die Wetterfrösche ihre ersten Hausaufgaben nach den großen Ferien korrekt erledigt haben – frei nach Mark Forsters sattsam bekannter Hit-Zeile: „Es wird gut, sowieso!“

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