Aachen: Kurpark Classix: Picknick, Party und jede Menge Flair

Aachen : Kurpark Classix: Picknick, Party und jede Menge Flair

Konfetti überall. Auf der Bühne, auf und unter den 1320 Stühlen, zwischen Millionen Grashalmen kleben die kleinen bunten Papierschnipsel. Fast auf dem ganzen 13.000 Quadratmeter großen Areal der Kurpark Classix. Am Sonntagmorgen müssen mehr als Besen her, um die Naturarena von der Konfettiplage, die von der Band Revolverheld am Vorabend ins 5500 Köpfe starke und restlos begeisterte Publikum geschossen worden war, zu befreien. Die winzigen Stückchen lösen große Handarbeit aus.

„Hier wird bis zum letzten Moment gestrickt, auch mal improvisiert“, sagt Veranstalter Christian Mourad. Der Einlass zum morgendlichen Familienkonzert mit TV-Moderator Malte Arkona für 2300 große und kleine Klassikfans verzögert sich nur unwesentlich. Da ist schon absehbar, dass die zwölfte Auflage der Kurpark Classix — erstmals mit sechs Konzerten — auf einen Besucherrekord hinsteuert. Für die Wartezeit entlohnt noch vor Showbeginn bis 11 Uhr die Streicherklasse der GGS Schönforst. Leiterin Lea Hütten hat ihre Talente neben der Bühne versammelt. „Vielleicht sehen und hören wir Euch ja irgendwann im großen Symphonieorchester wieder“, lobt Mourad. Das „Herzstück des Theaters Aachen“ brilliert am Sonntag gleich zweifach.

Revolverheld, Malte Arkona, das Sinfonieorchester und die Kinder der Streicherklasse der GGS Schönforst: Das Publikum im Kurpark ist so unterschiedlich wie die Künstler auf der Bühne — gefeiert werden alle. Foto: Andreas Steindl, Stefan Schaum

Nach der einstündigen Weltreise des urkomischen und musikpädagogisch versierten Arkona unter dem Titel „Malte geht baden“ steht am Abend die „Last Night“ für das Orchester mit Generalmusikdirektor Christopher Ward an. Der neue GMD erntet enthusiastische Kritiken. Was Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck umso mehr freut: „Er liefert ein wundervolles Gesamtkunstwerk; ein toller Dirigent, toller Kommunikator, unheimlich gewissenhaft. An ihm wird Aachen noch viel Freude haben“, sagt er. Es wird am Sonntag ein atemberaubender klassischer Ausflug in „Die neue Welt“ mit dem Solisten Tzimon Barto am Klavier. Genau da, wo am Vorabend noch Revolverheld über die gigantische Bühne sprangen.

Revolverheld, Malte Arkona, das Sinfonieorchester und die Kinder der Streicherklasse der GGS Schönforst: Das Publikum im Kurpark ist so unterschiedlich wie die Künstler auf der Bühne — gefeiert werden alle. Foto: Andreas Steindl, Stefan Schaum

Ein gigantischer Kasten

Kurpark Classix // Klassik for Kids. Foto: Andreas Steindl, Stefan Schaum

26 Meter breit, 13 Meter tief, 12 Meter hoch: Der gigantische Kasten, prachtvoll ausgeleuchtet, bietet mit den so unterschiedlichen Künstlern 2018 eine enorme Bandbreite. Das spiegelt sich: traumhafte Picknick-Atmosphäre mit Schampus und Häppchen zu klassischen Abend-Events, Kitagefühle mit Krabbelkonzert zu Malte, enges Festival-Feeling bei den prominenten Gästen aus der Popszene. Auch am heutigen Montagabend wird Clueso mit seinem Hit „Neuanfang“ eher im Party-Gedränge zu erleben sein. Aber es gibt noch Karten, genauso für Supertramp’s Rodger Hodgson, der am morgigen Dienstag den Schlusspunkt beim Crossover-Konzert mit dem Sinfonieorchester setzen wird. „Da wird auch garantiert wieder Picknick-Flair durch den Park wehen“, sagt Mourad. Die angepeilte Gesamtzuschauerzahl von gut 15.000 Gästen wird er reißen. Auch wenn der Klassikgenuss am Sonntagabend mehr als die anwesenden 1600 Zuhörer verdient hätte. Das Areal ist erst bei rund 8000 Menschen komplett ausgelastet.

Weil nun mehrfach über 5000 Musikfans gleichzeitig vor der Bühne feiern, gibt es dieses Jahr erstmals ein Sicherheitskonzept. „Wir haben das in enger Abstimmung mit Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt und Bauordnungsamt realisiert — das lief absolut perfekt“, sagt Mourad. Damit für Klassikkonzerte harmonischer Klang mit allen filigranen Spitzen und für die Künstler aus der Popwelt ein knackiger Sound mit „Wumms“ gewährleistet ist, wurden gleich zwei Toningenieure engagiert: Dick Scheepbouwer für die Klassik, Christian Ulbricht für den Pop. Das Klangerlebnis ist auch dank 160.000 Watt Leistung überwältigend — und im Fall Revolverheld weit über die Festivalfläche hinaus bis in die Innenstadt zu hören.

Einiges anhören müssen sich zu Stoßzeiten leider auch die extrem fleißigen Mitarbeiter an der einzigen Esstheke. Currywurst und Pulled Pork Burger sind so gefragt, dass man vom Ende der Schlange zuweilen 40 Minuten bis zum kulinarischen Genuss braucht. An den Getränketheken indes läuft das bayrische Bier ohne nennenswerte Wartezeiten in die Halbliterbecher. „Da haben wir auf Engpässe reagiert und Personal aufgestockt“, erläutert Mourad. Was auch für die Konfetti-Entsorgung vorteilhaft war.