Kurhaus Aachen wird Veranstaltungsort für Eurogress

Das „schöne Sorgenkind“ von der Monheimsallee : Kurhaus wird Veranstaltungsort für den Eurogress

Eine schriftliche sowie eine mündliche Anfrage von Interessenten habe man bekommen. Mehr ist bei dem Markterkundungsverfahren nicht herausgekommen, das die Stadtverwaltung über den Sommer zur möglichen Entwicklung des Neuen Kurhauses durch einen privaten Investor durchgeführt hat.

In der kommenden Woche steht das schöne Sorgenkind von der Monheimsallee wieder einmal auf der Tagesordnung von Hauptausschuss und Rat.

Die Verwaltung ist mittlerweile zu zwei Schlüssen gekommen, die der Politik zur Entscheidung vorgelegt werden sollen: Auf den Sanierungskosten von mittlerweile mehr als 41 Millionen Euro wird die Stadt wohl sitzenbleiben. Und: Das Kurhaus soll dem Eurogress als weiterer Veranstaltungsort zugeschlagen werden.

Mitte des vergangenen Jahres hatte die Stadtverwaltung in Sachen Neues Kurhaus die Notbremse gezogen. Was war passiert? Das Gebäude, das seit 2015 leer steht, sollte erneuert werden, so dass das Westspiel-Kasino, der Gastronom Maison van den Boer und die Ausstellung „Explorado“ dort einziehen könnte. Doch die Kosten für die Sanierung explodierten und die potenziellen Mieter sprangen ab.

Eine Entscheidung, wie es nun weitergehen soll mit dem schmucken Prachtbau neben dem Eurogress, muss her, bevor die Sanierung durchgeführt werden kann. Immerhin haben unterschiedliche Mieter eines solchen Hauses unterschiedliche Bedürfnisse, was die Räume und deren Ausstattung angeht.

Mehrere Varianten geprüft

Mehrere Varianten hat die Verwaltung nun durchgespielt. Im Kern geht es um zwei Möglichkeiten: In der einen Version wird das Neue Kurhaus an einen privaten Entwickler gegeben, der das Gebäude saniert und eventuell an die Stadt verpachtet.

In einer zweiten Variante kümmert sich die Stadt selbst um die Sanierung, anschließend wird das Gebäude dem Eurogress zur Nutzung überlassen. Dessen Geschäftsführerin hatte in den vergangenen Jahren immer wieder betont, dass man sich vergrößern müsse, und im vergangenen Jahr deswegen auch eine Studie in Auftrag gegeben, um Ausbaumöglichkeiten des Eurogress-Komplexes auszutarieren. Rund 25.000 Euro wurden in die Machbarkeitsstudie investiert, die eine Erweiterung auf dem bisherigen Bau, beziehungsweise durch einen Neubau im angrenzenden Parkgelände untersuchen sollte.

Die Kosten: Knapp 40 Millionen Euro

Bereits im März dieses Jahres hatte das Architekturbüro Kadawittfeld diese Studie vorgelegt, aus der hervorgeht, dass eine Erweiterung des Eurogress im Park durchaus möglich sei, bei Kosten von knapp 40 Millionen Euro.

Gleichwohl war die Machbarkeitsstudie, die bislang nicht öffentlich präsentiert oder in öffentlichen Ausschusssitzungen diskutiert wurde, unter der Voraussetzung entstanden, dass das Eurogress einen neuen Raum für mindestens 1000 Personen brauche. „Man könne dadurch, dass in Aachen keine Veranstaltungen für mehr als 2000 Leute stattfinden können, „am Markt in Deutschland nicht so teilnehmen, wie wir uns das wünschen“, hatte Eurogress-Geschäftsführerin Kristina Wulf bei einer Bilanz-Pressekonferenz im November des vergangenen Jahres noch gesagt. Sie wünsche sich weitere 1000 Plätze.

Bei Reihenbestuhlung 520 Plätze

Diese gäbe es im Neuen Kurhaus nicht. Der große Saal hat bei Reihenbestuhlung plus Empore ein Fassungsvermögen von 520 Plätzen. „Wir haben aber jetzt noch einmal neu nachgedacht“, sagt Wulf auf Anfrage unserer Zeitung. Dadurch, dass kleinere Veranstaltungen, die bislang das Eurogress für große Kongresse „blockieren“, ins Kurhaus umsiedeln, würde dieses durchaus attraktiv.

Auch bei der Lektüre der Verwaltungsvorlage für die Sitzungen in der kommenden Woche hat man nicht den Eindruck, dass die Größe ein Problem darstellt: „Allerdings stellt sich die Frage, welche Kapazität benötigt wird“, heißt es in der städtischen Vorlage, die auch eine Ermittlung des Kapazitätsbedarfs vorgenommen hat.

Zugrunde liegen etwa Zahlen aus einer 2010 in Auftrag gegebenen Untersuchung zur „Potenzialabschätzung zum Kongressstandort Aachen“ und die Anfragestatistik des Eurogress. Daraus geht hervor, dass der Bedarf für weitere Veranstaltungen mit weniger als 500 Teilnehmern deutlich höher liege als der für Veranstaltungen mit mehr als 500 Teilnehmern. Die Verwaltung kommt letztlich zu dem Schluss, dass die Nutzung des Kurhauses eine „gelungene Ergänzung zu den bereits vom Eurogress betriebenen Locations darstellen“ werde. Aachens Kommunalpolitiker haben — erwartungsgemäß — verschiedene Ideen, wie mit dem Kurhaus zu verfahren sei. So hatten Linke und SPD bereits vor der Sommerpause klar dafür plädiert, den Bau dem Eurogress zuzuschlagen.

Die Grünen und Piraten hatten die Idee präferiert, das Haus bundesweit anzupreisen und Interessenten in Erbpacht anzudienen. Die CDU sieht die Notwendigkeit, das Eurogress als Ankermieter einziehen zu lassen, hat aber noch ein paar Fragen zum Gesamtkonzept.

Was passiert im Untergeschoss?

So sei noch nicht ganz klar, was denn nun aus der Idee werde, die Aachener Clubszene durch eine Disko im Untergeschoss des Kurhauses zu bereichern.

Die nächste Sitzung des Aachener Stadtrats beginnt am Mittwoch, 19. September, um 17 Uhr im Rathaus am Markt.

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