Kurden demonstrieren in Aachen

Hoffnung auf Solidarität : „Wir fühlen uns alleingelassen!“

Die Aachener Kurden machen ihrem Unmut über die Situation im Norden Syriens Luft. Demonstrationen und Mahnwachen am Elisenbrunnen sollen die Aachener Bevölkerung aufrütteln.

„Man kann jetzt einfach nicht zu Hause bleiben, sonst wird man verrückt!“ Die Sprecherin des Kurdischen Volkshauses in Aachen, die eben noch dabei geholfen hat, den Pavillon vor dem Elisenbrunnen aufzubauen, wirkt sehr resolut. Ihren Namen will sie lieber nicht in der Zeitung lesen. Man sei hier, um die deutsche Bevölkerung aufzuklären über das, was im Norden Syriens passiere. „Denn die Deutschen wissen zu wenig über das, was die Türken da gerade veranstalten.“

Der Informationsstand am Donnerstagnachmittag mit anschließender Mahnwache ist nicht die erste Aktion der Aachener Kurdengemeinde nach dem Militäreinsatz der Türken in Nordsyrien. Mit großer Sorge beobachteten sie die Entwicklungen vor Ort, erklärt die Sprecherin. „Wir hängen alle ständig an den Bildschirmen und versuchen, Telefonkontakt mit unseren Angehörigen in den Kurdengebieten zu halten.“ Das sei nicht immer einfach, denn das Handynetz vor Ort sei ein türkisches, und das werde manchmal unterbrochen.

„Die Kurden haben in Syrien gegen den Islamischen Staat gekämpft, und nun werden sie von Recep Tayyip Erdogan attackiert. Und der Westen scheint sich dafür nicht zu interessieren“, sagt ein Teilnehmer der Demo. „Wir fühlen uns alleingelassen!“ Vor allem richtet sich ihr Unmut, das kann man auf den Plakaten sehen, gegen Erdogan. Der türkische Präsident wird einmal als Faschist bezeichnet, einmal als Sultan, der Kinder töte, die Natur zerstöre und den IS unterstütze. Dass sich die USA und die Türkei am Donnerstagabend auf eine Waffenruhe einigten, sei zwar überraschend, überzeugte die Aachener Kurden aber noch nicht ganz.

Enttäuscht zeigt sich die Gruppe davon, dass sie nicht alle Flaggen zeigen darf, die sie zeigen möchte. Es handle sich um Symbole der kurdischen Partei in Nordsyrien sowie um Symbole der kurdischen Truppen, die gegen den IS gekämpft hätten. „In anderen Städten in Deutschland dürfen diese Symbole gezeigt werden, in Aachen ist das verboten“, schimpft die Sprecherin des Kurdischen Volkshauses. Tatsächlich hatte die Berliner Polizei im vergangenen Jahr erklärt, solche Verbote von Flaggen nicht mehr anordnen zu wollen. Dennoch betont die Aachener Sprecherin der Kurden, dass man zur Aachener Polizei – abgesehen von der Flaggenfrage – stets ein sehr gutes Verhältnis habe.

Das Kurdische Volkshaus mit Sitz im Ostviertel ist seit den 1990er Jahren in der Stadt aktiv. Immer wieder veranstaltet der eingetragene Verein Kundgebungen und Demonstrationen, die in den allermeisten Fällen friedlich verlaufen. Nach eigenen Angaben besteht die kurdische Gemeinschaft in Aachen aus rund 8000 bis 10.000 Personen. Das sei auch die Erklärung dafür, dass bei der Demo am vergangenen Freitag weit mehr als 1000 Personen auf die Straße gegangen seien. „Wir hatten 200 Teilnehmer angemeldet. Dass es am Ende so viele waren, das hat uns wirklich überrascht“, so die Sprecherin.

Am heutigen Freitag wird wieder ab 14.30 Uhr eine Informationsveranstaltung am Elisenbrunnen stattfinden, ab 16.30 Uhr ist wieder eine halbstündige Mahnwache geplant.

Mehr von Aachener Nachrichten