Aachen: Kunsttherapie im PÄZ: Bilder erzählen Schicksal eines Kindes

Aachen: Kunsttherapie im PÄZ: Bilder erzählen Schicksal eines Kindes

Sie heißen Shirin, Mohammed, Kevin oder Sinan, und sie haben Glück. Als Flüchtlingskinder oder als Kinder mit Migrationshintergrund finden sie eine wichtige Anlaufstelle im Kinder-und Jugendhaus in der Alfonsstraße, das von Mitarbeiterinnen des Pädagogischen Zentrums (PÄZ) betreut wird.

„Wir haben einen sehr hohen Anteil an Migranten, immerhin 82 Prozent, die meisten kommen aus der Türkei und dem Kongo, und viele wohnen hier im Viertel, nur die Jugendlichen reisen von weiter her an”, erklärt Leiterin Nadine Dulich.

Angebote gibt es viele im Kinder-und Jugendhaus, die Offene Ganztagsschule, die „Offenen Treffs” wie zum Beispiel eine Holzwerkstatt, Kochprojekte, Mädchen-und Jungengruppen oder Medien- und Theaterangebote, für die eine vorherige Anmeldung nicht notwendig ist. Anders läuft es in den festen Gruppen, für die sich die Interessierten bewusst entscheiden und anmelden. Dazu gehören spezielle Angebote wie Tanz- oder Theatertherapien.

„Wir haben Kinder, die oft nur in ihren Defiziten wahrgenommen werden, wir versuchen in diesen Gruppen, andere Fähigkeiten zu fördern und so auch das Selbstbewusstsein zu stärken”, begründet PÄZ-Geschäftsführerin Karin Montermann. Ein spezielles Angebot aus diesem Bereich ist die Kunsttherapie, wohin sich durch Missbrauch, Flucht oder andere Erlebnisse traumatisierte Kinder und Jugendliche wenden können. Doch häufig fallen den Betreuerinnen und Betreuern die Kinder und Jugendlichen schon in den Gruppen auf, sie bewegen und benehmen sich anders, sind vielleicht verstört oder sehr schweigsam.

Auf sie wartet dann - nur zwei Stockwerke höher - Michaela Frank. Die Kunsttherapeutin betreut ihre Schützlinge in einem eigens dafür hergerichteten Raum. „Das sind in jeder Hinsicht sehr kurze Wege”, sagt sie, „ich stehe im ständigen Austausch mit den Sozialpädagogen im Haus”, erläutert Frank, die diese Therapien als Angestellte des PÄZ seit zwei Jahren anbietet.

„Wichtig für diese Arbeit sind gute Materialien wie Stifte, Farben, Papier und Leinwand, damit auch beim festen Aufdrücken nicht gleich das Papier durchlöchert ist oder die Stiftspitze abbricht, sonst sind die Kinder schnell frustriert”, weiß Frank. Sie bevorzugt diese Form der Therapie besonders bei Flüchtlingskindern.

Kontakt übers Malen

„Oft kommen die Kinder hierher und sprechen kein Wort Deutsch, so kann ich über das Malen einen Kontakt herstellen”, sagt sie und beschreibt ein Bild, worauf ein Kind mit fehlenden Gliedmaßen abgebildet ist: „Dieses Kind ist hilflos, kann nicht agieren, ihm fehlt die Sprache und das Zuhause”, sagt Frank. Im nächsten Bild weht dagegen schon eine Deutschlandfahne vom Haus, und das steht auf gegründetem Boden. Hier sei das Kind nun auch gedanklich in Deutschland angekommen. „Ich habe die ganze Geschichte dieses Kindes, seine Sorgen und Nöte erfahren, ohne ein Wort zu sprechen”, zeigt sich Frank fasziniert.

Diese Therapien und auch die anderen Angebote im Haus werden finanziert durch Kommunal-, Landes- und EU-Gelder, „doch das allein würde nicht ausreichen”, sagt Montermann. Eine großzügige Unterstützung für die Integrationsarbeit leiste da schon seit über zehn Jahren die Sparkasse mit einer beträchtlichen Spende.

„Die Kinder haben hier die Möglichkeit in einem Sozialgefüge zu leben, sie kommen über das Spielen mit allen ethnischen Gruppen in Kontakt, diesen multikulturellen Aspekt möchten wir unbedingt fördern”, erklärt Holger Schmitz von der Sparkasse die Motivation des Geldinstituts. Für das PÄZ ist vor allem wichtig, flexibel mit dem Geld arbeiten zu können und anstehende Themen zu fördern. Davon profitiert natürlich auch die Kunsttherapie.