Aachen: Kunstroute: Galeristen und Besucher zufrieden

Aachen: Kunstroute: Galeristen und Besucher zufrieden

„Mittags hatten wir schon so 70, 80 Besucher“, freut sich Gerd-Dieter Schopp von der Galerie Hexagone, der den japanischen Künstler Tatsuo Shoji mit seiner „Japanese Illusion“ ausstellt. Er malt unter anderem mit Keramikpulver und Farblasuren japanischer Porzellane, die ganz besondere Oberflächen und Farbgebungen erwirken.

Neben den Gemälden gibt es vom gleichen Künstler kinetisch-magnetisches Metallspielzeug, das besonders Männern und Kindern gefällt. Während die einen spielten, saßen die anderen in der Sonne. Etwa in der Galerie Artikel 5, wo es sich Künstler und Besucher auf dem Bürgersteig vor der offenen Tür gemütlich gemacht hatten. Drinnen gab es schwebende Fische von Gabriele Prill, aber auch politische Aussagen etwa von Tobias Duysens zu Waffen, Krieg und dem Freihandelsabkommen mit den USA.

Verdun, Schlachtfeld in Frankreich im Ersten Weltkrieg, ist das Thema der Ausstellung von Rainer Sauerbier und Gotthard Walter in der BBK-Galerie am Adalbertsteinweg. Mit historischem Filmmaterial und ergreifenden Installationen verweisen die Künstler auf die industrialisierte Tötungsmaschinerie und ihre glorifizierten Helden bei Siegern und Verlierern.

Ausschließlich Partner sind die Künstler BMZgd und Laure Guelle aus Reims für die Aachener Künstler Petra Ostré und Peter JM Schneider, die gemeinsam eine politisch und gesellschaftlich kritische Ausstellung mit unter den Haut gehenden Anspielungen auf Voodoo und Geheimgesellschaften im Deutsch-Französischen Kulturinstitut bestreiten.

„What the hell ist happening in the world?“ schreibt Uta Göbel-Groß über ihre künstlerisch bearbeiteten Fotos aus den Krisengebieten der Welt, die sie im Rahmen der Ausstellung von „dreieck.triangle.driehoek“ in der frisch renovierten Burg Frankenberg zeigt. Nur ein paar Schritte weiter geht es um Natur-Kunst im weitesten Sinne, wie Arbeiten von Monika Petschnigg, Thea Pott und Andrea Tigges zeigen.

Eine große Bandbreite künstlerischer Themen zeigt auch die Gemeinschaftsausstellung „Look!!!“, an der sich unter anderem Annely Kall, Trixi Schröder, Olivia Janku und Andrea Heuser beteiligten. Sie nutzten die Luisensäle im Luisenhospital, das sich erstmalig an der Kunstroute beteiligte. Konkreter ging es in der Ausstellung der temporären Galerie „Abaton“ zu, in der der Steinbildhauer Matthias Kohn mit seinem Maler-Kollegen Udo Sturm und Fotograf Johannes Twielemeier ausstellte. Er macht täglich ein Foto von und in Aachen, das ohne Dom und Rathaus auskommt und Orte mit besonderem Charakter zeigt.

Fußball spielt eine besondere Rolle im künstlerischen Leben von Nadine Liesse, die Fußballplätze bei Nacht, Spieler in Aktion und das verführerische Grün des Rasens malt. Ihre atmosphärisch starken Bilder hängen mit Arbeiten von Manfred Sukrow in der Galerie Am Elisengarten. Grün sind auch die Länder Europas, die die Kunstinitiative „aachenstricktschön“ für eine große wollene Europakarte herstellt. In der Annastraße 18 wird ein bestrickend schönes Europabild Wirklichkeit, das im nächsten Frühjahr fertig gestellt sein soll.

Auch Menschen mit geistigen Behinderungen fanden ihren kreativen Ort auf der diesjährigen Kunstroute. An der Annastraße richtete der Verein „Zwischen uns e.V“ eine Außenstation der Galerie „Blauer Ezel“ ein, wo Erwachsene und Kinder selbst künstlerisch tätig werden konnten.

Ausgewiesene künstlerische Überraschungen gab es etwa in der Ausstellung der VHS, die unter anderem mit jungen Kreativen punktete. Einer von ihnen nennt sich „Senor Schnu“ und arbeitet gerne mit lebendem Moos, das er mit Joghurt in seinen Bildern frisch und grün hält. Eine gewaltige Überraschung hinsichtlich seines Stilwechsels in eine Art Neo-Expressionismus brachte Galerist und Künstler Theo Ramrath mit seinen schrillen Gesellschaftsporträts von Künstlern und Kunstpublikum.

Auch Künstlerin Vera Sous setzte auf Konfrontation, allerdings Richtung Grusel. Sie schuf unter dem Arbeitstitel „Lonely Island“ eine ganze Reihe Chimären, Mischwesen zwischen Mensch und Tier, im Atrium der „Halle 1“. Hier freute sich der Organisator und Maler Heinrich Hüsch, dass alles gut geklappt hatte. „Wir sind sehr zufrieden“, meinte er hinsichtlich Besucherzahlen und Abwicklung. Neu in diesem Jahr war eine Ausstellung in der Aula Carolina, bei der sich die 38 Stationen der Kunstroute mit beispielhaften Werken vorstellen konnten, um den Besuchern eine erste Orientierung zu geben.

Besucher und Galeristen waren rundum zufrieden. Robert Mertens, Galerist von „Freitag 18.30“, freute sich darüber, dass weniger „Stempeljäger“ unterwegs waren und eine entspannte Atmosphäre herrschte. Diana Spölgen und Wilma Hommelsheim, die eigens aus Düren zur Kunstroute nach Aachen gekommen waren, brachten im Deutsch-Französischen Kulturinstitut die Meinung vieler Besucher auf den Punkt: „Orte und Kunst sind sehr gelungen. Die Kunstroute ist sehr abwechslungsreich, und die Künstler sind sehr zugewandt.“

Einige Ausstellungen bleiben über die Kunstroute hinaus noch einige Zeit hängen.

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