Aachen: Kunstroute: Das Interaktive kommt an

Aachen: Kunstroute: Das Interaktive kommt an

„Gutes Wetter. Gute Laune. Gutes Publikum.” Die Prognose der Künstler und Kunstrouten-Besucher Peter J. M. Schneider und Schang Moll erwies sich als richtig für die Kunstroute 2011.

31 Stationen Kunst zwischen Ateliers, Galerien und Museen öffneten am Samstag und Sonntg von mittags bis abends ihre Pforten für eine sehr gemischte Besucherschar von Kunst-Leuten, teils interessierte Laien ohne Schwellenangst, teils Fachpublikum.

Schon am frühen Samstagnachmittag war die Burg Frankenberg gestopft voll. Dort breiteten sich die Damen von der Künstlervereinigung „dreieck.triangle.driehoek” aus. Eine echte Attraktion war hier die ironische Dauerperformance von Anita Werner, die mit ihrer „Malmaschine” Pinsel per Motorkraft ein Bild malen ließ, während sie für das Publikum Pfannkuchen buk und über die Dichte der Erwartungen, Arbeiten und Pflichten philosophierte, die den Menschen am Leben hindern.

Äußerst ideenreich, klug und ironisch war auch die im Nachbarraum angesiedelte Installation „Boccaccio: Vom Sieg der Kunst über die Moral oder auch: Die Grüne Brille der Hoffnung schützt nicht vor dem Tod” von Thea Pott. Der Bandwurmtitel irritierte wenig angesichts der tollen schwarz-roten Installation über Venedig, die Männer, das Laszive, eine gewisse Erotik und die Erkenntnis, dass das morbide Ambiente der Burg Frankenberg genau richtig für die Kunst ist.

In der „Halle 1”, der großen Atelierhalle in der Bachstraße, hockte das Publikum im „Kunstcafé 1”, und ein Saxofonist spielte live. Besonders beeindruckend waren hier die Eselinnen-Bilder „Elisa I” und „Elisa II” von Katrin Plitzner, großformatig und lebensnah in zartem Grau.

Einziger Kunstanbieter mit einem historischen Thema war das Deutsch-Französische Kulturinstitut mit Karikaturen von Honoré Daumier, in denen er sich über die emanzipierten Frauen seiner Zeit lustig macht. Das Publikum dieser Ausstellung wanderte über die Theaterstraße zur gegenüber liegenden Galerie „Il Quadro”, wo der Maler Rüdiger Hans seine rot-gelbe schöne neue Welt zwischen Palmen und Motorrädern auf großen, dicht gehängten Gemälden zeigte. Hans ist ein Künstler, der echt und authentisch aus sich und für sich malt, nach dem Markt richtet er sich gar nicht. „Meine Droge ist Malen”, sagt der Mann, der bewusst als Pazifist und Vegetarier lebt.

Kritische Stimmen

Auf der Straße vor der Galerie saß das Publikum der kleinen Produzentengalerie „Artikel 5” an der Bahnhofstraße, in der elf Künstler ihre Arbeiten zeigten. Doro Flatau und Anett Hoffmann formulierten, was vielerorts über das Faltblatt zur Kunstroute gesagt wurde: „Das Logo ist so antiquiert wie ein Siebdruck von 1985. Es ist keins für junge Kunst.”

„Sehr, sehr belebt” war die Galerie Am Elisengarten nach Auskunft der Galeristen. „Es waren mehr Besucher da als in den vergangenen Jahren.” Großen Anklang beim Fachpublikum fanden hier die grauen, teils ruinenartigen Skulpturen „Haus im Haus im Haus” von Oliver Czarnetta.

Erstmalig bei der Kunstroute dabei und „sehr zufrieden” waren die Künstler der Malwerkstatt „Eigenart” an der Friedrichstraße , die Aktionen mit den Besuchern anboten. Am Samstag arbeitete der Lichtartist Siegfried Kürschner mit dem Publikum. „Das Interaktive ist echt gut. Es gab wenig Hemmungen, mitzumachen”, schildern die Initiatorinnen Gisela Beissel und Regina Münch den Tag.

Ebenfalls zum ersten Mal dabei waren die zehn Künstler der temporären Galerie „aixOtto36”, die in einer ehemaligen Backstube in der Ottostraße ausstellten und sich über „gute Zahlen fürs erste Mal” freuten.

Publikums-Reflexionen

Auch die erfahrenen und auf hohem Niveau tätigen Galerien freuten sich über guten Zuspruch. „Es ist sehr voll”, meldete Theo Ramrath aus der gleichnamigen Galerie in der Pontstraße, ebenfalls „sehr voll” war es auch in der Galerie Freitag 18.30 in der Steinkaul­straße. Galerist Robert Mertens war sehr zufrieden: „Unser Publikum war auf sehr gutem Niveau.”

„Kräftig besucht” wurde auch die Galerie Hexagone, das Publikum setzte sich hier aus interessierten Laien und Fachleuten zusammen. Mira Wilnath und Wiebke Ahrens, beide Sozialpädagoginnen, fuhren am Samstag mit dem Fahrrad Teile der Kunstroute ab. „Es war für uns interessant, das breite Spektrum von Kunst und auch den beruflichen Stellenwert für die Künstler kennenzulernen. Insgesamt war es super. Den Sonntag brauchen wir aber zum Relaxen. Nach dem Tag sind wir erst mal gesättigt von Kunst.”