"Kunstpause": Suermondt-Ludwig-Museum Aachen bietet Mini-Führungen an

„Kunstpause“ im Suermondt-Ludwig-Museum : 15 Minuten mit Hans von Aachen

In der Mittagspause ins Museum: Das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum bietet immer dienstags um 13 Uhr eine Mini-Führung an. In 15 Minuten wird ein Werk aus der Sammlung erklärt. Die „Kunstpause“ soll auch nach dem Abschluss der Sanierungsarbeiten 2020 weitergeführt werden.

Die Mittagspause kann man für vieles nutzen: ein Häppchen essen, ein paar Besorgungen machen, einfach die Füße hochlegen. An die 20 Aachener allerdings hatten am Dienstag zur Mittagszeit eine Verabredung mit Hans von Aachen – im Suermondt-Ludwig-Museum. Und wer jetzt einwendet, dass das Haus an der Wilhelmstraße doch zwecks Sanierung bis Frühjahr 2020 geschlossen ist, der hat ganz recht. Für die „Kunstpause“ öffnet das Museum dennoch seine Türen. Immer dienstags von 13 bis 13.15 Uhr wird in ziemlich genau 15 Minuten genau ein Kunstwerk vorgestellt. Diesmal erläuterte Sarvenaz Ayooghi, Gemälde-Kuratorin am Suermondt-Ludwig-Museum, ein Porträt des Malers Hans von Aachen (1552–1615).

Die kostenlosen Führungen im Viertelstunden-Format, bei denen die Kuratoren des Hauses Werke ganz unterschiedlicher Gattungen vorstellen, haben mittlerweile ein treues Publikum gewonnen. Auch an diesem Dienstag versammeln sich an die 20 Interessierte vor dem Porträt des Jacques Bylivelt. „Wir haben viele Stammgäste, die die ‚Kunstpause’ fest in ihren Tagesablauf einplanen“, erzählt Ayooghi. „Und genau das wollen wir.“ Die Kuratorin hält in ihren 15 Minuten keinen wissenschaftlichen Vortrag, sondern erzählt eine muntere Geschichte rund um Hans von Aachen – der übrigens gar kein Aachener war.

Hans von Aachen kam nämlich in Köln zur Welt. Sein Vater allerdings stammte aus Aachen. Die Eltern, so Ayooghi, erkannten früh das Talent ihres Sohnes und ließen ihn zum Porträtmaler ausbilden. Den jungen Künstler zog es dann nach Italien, „denn in Venedig lernte man damals das Malen und in Florenz das Zeichnen“, erzählt die Kuratorin. Von Köln nach Venedig, das war allerdings fast eine kleine Weltreise. Neun lange Monate brauchte Hans von Aachen bis Venedig, klopfte dort hoffnungsvoll an der Werkstatt eines niederländischen Malers an, der dem „Mof“, dem Deutschen, aber umgehend die Tür vor der Nase zuschlug.

Hans von Aachen machte trotzdem seinen Weg, wurde schließlich nach Florenz an den Hof Francesco de’ Medicis vermittelt. Sein Porträt des Großherzogs und Mäzens bedeutete den Durchbruch für den Maler aus dem Rheinland. „Dieses Werk machte Hans von Aachen bekannt“, sagt Sarvenaz Ayooghi. „Jeder wollte ihn dann haben.“ Und weil der Goldschmied Jacques Bylivelt ihm maßgeblich den Weg in die Florentiner Kunstszene geebnet hatte, stellte Hans von Aachen ihn, den einfachen Goldschmied, in seinem Porträt als vornehmen Edelmann mit Halskrause dar.

Ganz nah dürfen die Teilnehmer der Führung an das kostbare Werk herantreten und die meisterhaft ausgearbeitete schwarze Kleidung auf dem Porträt bewundern. 2009 hat das Suermondt-Ludwig-Museum das Porträt des Jacques Bylivelt angekauft und 2010 in der großen Ausstellung über Hans von Aachen gezeigt. Neben dem Aachener Museum besitzt in NRW nur noch das Wallraf-Richartz-Museum in Köln ein Werk Hans von Aachens.

Nach 15 Minuten Vortrag haben die Kunstfreunde noch Gelegenheit, die eine oder andere Frage zu stellen. Und dann gehen alle zurück in ihren Alltag. „Ich bin begeistert“, sagt eine Frau, die an diesem Dienstag zum ersten Mal eine „Kunstpause“ einlegt. Sie will auf jeden Fall wiederkommen. Corina Konrad aus Aachen ist zum zweiten Mal dabei. Auch sie genießt die kleine Auszeit. Manche treuen Teilnehmer nutzen die 15 Minuten im Museum auch, um nachzuschauen, was denn schon alles weggeräumt ist. Vor dem Einbau der Klimaanlage und weiteren Renovierungsarbeiten muss die Kunst nämlich gut verwahrt sein. „Bis Mitte Mai müssen alle Gemälde im Depot eingelagert werden“, verrät Sarvenaz Ayooghi, „dann müssen alle Räume leer sein.“

Die „Kunstpause“ geht dennoch weiter – dann jeden Dienstag in der Bibliothek. „Ganz großformatige Bilder können wir dort allerdings nicht zeigen“, sagt die Kuratorin. Sie versteht die „Kunstpausen“ auch als kleine Workshops. Und sie ist überzeugt: „Wenn das Museum nächstes Jahr wieder offen ist, werden die Teilnehmer mit ganz anderen Augen durch die Ausstellung gehen.“ Die „Kunstpausen“ wird es auch dann weiterhin geben. „Das ist ein ständiges Angebot der Kuratoren“, verspricht Ayooghi.

Für alle, die jetzt neugierig geworden sind: Nächste Woche, am Dienstag, 23. April, 13 Uhr, heißt es in der „Kunstpause“: „Damit lockt man keinen Hund hinter dem Ofen hervor.“ Der stellvertretende Direktor und Kustos der Sammlungen, Michael Rief, stellt Ofenkacheln und Ofenplatten vor.

suermondt-ludwig-museum.de

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