Aachen: Kunstausstellung: Einblicke in eine Welt abseits des Konflikts

Aachen: Kunstausstellung: Einblicke in eine Welt abseits des Konflikts

Fröhliche, junge Menschen in einem lilafarbenen Cabriolet, eine traditionelle Hochzeit in den Karpaten, der Blick in das Wohnzimmer einer alten Frau, eine 100-jährige Korbmacherin und stille Landschaften: Oksana Guizot nimmt den Betrachter ihrer Ausstellung „Ukraine_Heimat“ mit in eine schwindende Welt am Rand der Moderne.

„Die Kamera ist mein Werkzeug, um die Erinnerung mitzunehmen“, sagte sie während der offiziellen Ausstellungseröffnung in der Nadelfabrik. Seit fünf Jahren reist sie durch ihr Heimatland, immer auf der Suche nach dem besonderen Motiv.

„Die Ausstellung basiert nicht auf dem aktuellen Geschehen in der Ukraine“, stellte Walter Köth, Leiter der Nadelfabrik, von vornherein klar. Und Oksana Guizot ergänzte später: „Ich bin keine Kriegsreporterin.“ Sie meidet die gefährlichen Gegenden und konzentriert sich auf das, was sie wirklich interessiert: Weit abgelegene Dörfer und Menschen, die noch auf ihre ganz eigene, traditionelle Weise leben.

Doch auch hier spürt sie die Folgen des aktuellen Konfliktes. „Die Menschen haben sich verändert, auch auf dem Land“, sagt sie. „Sie interessieren sich für die politische Lage und tun ihre Meinung kund“, ergänzt sie. Das sei nicht immer so gewesen. Oksana Guizot selbst sucht nicht die konfliktbeladenen Orte ihres Landes. Sie sucht genau das, was auf den ersten Blick vielleicht nicht zu sehen ist.

Kleine Geschichten

„Jedes Bild ist eine Geschichte, in die man eintauchen kann“, meinte Walter Köth. Und tatsächlich steckt hinter jeder Aufnahme eine kleine Geschichte, die die Fotografin in einem Buch auch erzählen will. Sie hat vor allem den Westen des Landes bereist, ohne vorher Routen auszuarbeiten oder Übernachtungsmöglichkeiten zu checken. Sie hat sich vor Ort von den Menschen einladen lassen, und ist ihnen dabei so nah gekommen, dass sie gar nicht mehr als Fremde wahrgenommen wurde. Ihre Fotos sind so etwas wie eine ethnologische Forschung, wie der Aachener Kunsthistoriker Dr. Dirk Tölke meinte. Die Ukraine sei ein Grenzland, das heute als Krisengebiet wahrgenommen werde. Die Menschen seien in die Machtmechanismen eingespannt. Und stünden vor der Entscheidung: Europa oder Russland.

„20 Prozent der Bevölkerung sind russisch, 80 Prozent ukrainisch“, so Tölke. Die Konfliktlage sei kompliziert. Oksana Guizots Bilder aber zeigen ein anderes Land. Die Fotografin richtet ihre Kamera auf bäuerliche Regionen, sie zeigt traditionelle Feste, eine Holzkirche aus dem 16. Jahrhundert, dann aber auch Bilder, die zeigen, dass auch in dieser Welt die Moderne ihren Einzug gehalten hat. Und sei es in Form von Bettwäsche mit dem Kopf von Captain Jack Sparrow aus „Fluch der Karibik“. „Es lohnt, die Bilder genauer zu betrachten“, meinte Tölke. Dazu sind die Aachener nun bis zum 27. Juli in der Nadelfabrik am Reichsweg eingeladen.

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