Aachen: Kunst am Stuhl hilft Afrika

Aachen: Kunst am Stuhl hilft Afrika

Mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Afrika ist auch der Kontinent ein Stück näher an Europa gerückt. Das Bewusstsein für die dort lebenden Menschen und ihre Probleme finden hier in Deutschland eine andere Aufmerksamkeit. Und das auch bei noch jungen Menschen.

Die Schüler der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Am Höfling haben, wie auch Schüler der Grundschulen Horbach und Annastraße, Stühle gestaltet. Nicht irgendwelche, sondern Schulstühle, nach eigenen Ideen und Konzepten, jedoch stets mit Afrika-Bezug. Das hat einen Grund: Jeder Stuhl steht für einen Schulplatz für ein Kind in Afrika.

Das Projekt, das vom Kinderhilfswerk Unicef bundesweit angelaufen ist, will auf die dramatische Bildungssituation in Afrika aufmerksam machen. 45,5 Millionen Kindern im südlichen Afrika wird das Recht auf Bildung verwehrt. Das entspricht etwa jedem dritten Kind dieser Region erzählt Christiane Raumanns, Sprecherin der Unicef-Arbeitsgruppe Aachen, und macht auf das Milleniumsziel aufmerksam. Im Jahr 2000 hatten darin alle Staaten beschlossen, dass bis zum Jahr 2015 jedes Kind der Welt die Chance haben soll, zumindest die Grundschule zu besuchen und abzuschließen.

Über diese Probleme haben auch die Lehrer der Schüler gesprochen, die an dem Projekt in Aachen teilgenommen haben. Bei der GGS am Höfling war es gleich die gesamte Schule, war das Konzept doch in die jährliche Projektwoche, die sich ebenfalls dem Oberthema Afrika widmete, eingebettet. Klassenweise überlegten die Schüler Konzepte für die Stühle, die Christiane Raumanns zum Teil aus dem Aachener Schullager organisiert hatte. Nun zieren die Sitzmöbel landesgemäße Flaggen, afrikanische Muster, Tiere oder Landkarten.

Einen besonderen Stuhl haben Michelle (9), Lioba und Ina gemeinsam mit ihren Mitschülern der 4a gestaltet. Ein gemalter Affe sitzt auf der rechten Seite des Stuhls, die Lehne ist mit Krokodilen verziert, die Beine mit Stoff und Krepppapier überzogen. Aus der Sitzfläche ragen spitze Leopardenzähne aus Schaumstoff. „Wir haben die ganze Woche daran gearbeitet”, erzählt Michelle. „Es hat sehr viel Spaß gemacht.” Eine ausgefallene Idee hatte ebenfalls die 2a der Schule. Sie kreierte einen „Jogi Löw”-Stuhl im Löwen-Design: Körper, Schwanz und ein Gesicht mit großer Wuschelmähne.

Die Kinder des vierten Schuljahres der Katholischen Grundschule Horbach wollten vor allem auf die traurige Situation hinweisen. Weinende und hungernde Kinder zieren die Stühle. „Es war uns aber wichtig den Kindern zu zeigen, dass in Afrika nicht nur Armut herrscht, sondern die Kinder dort auch Freude haben”, erzählt die Kunstlehrerin Anna Frohn. So ist auf einem Möbel ein lachendes Kind zu sehen.

Einige schon verkauft

Natürlich darf bei den Unikaten, die an dem Nachmittag im Rahmen des Schulfestes der GGS Am Höfling vorgestellt und zum Verkauf angeboten wurden, das Thema Fußball nicht fehlen. Tore aus Plastikkörbchen auf Kunstrasen oder Spieler unterschiedlicher Nationalitäten sind da zu sehen. Die Eltern waren begeistert, vier kauften gleich einen Stuhl. Der Erlös fließt zu gleichen Teilen an das Projekt von Unicef und das Kongo-Projekt der Schule Am Höfling.

Wer die ausgefallenen Sitzmöbel am Samstag verpasst hat, hat am Dienstag eine zweite Chance. Dann wird die Arbeitsgruppe Aachen ab 14.30 Uhr beim Public Viewing am Cinekarree mit einigen Stühlen für das Projekt Schulen in Afrika werben.