Aachen: Kulturverein Aachen-Prag ehrt Leopold Chalupa

Aachen: Kulturverein Aachen-Prag ehrt Leopold Chalupa

Kriegsjahre, Nationalsozialismus, Vertreibungen aus der Heimat und schließlich Verstaatlichung und Eiserner Vorhang: „Die Geschichte der Tschechischen Republik im 20. Jahrhundert ist wechselvoll“, führte Robert Otepka, Konsul der Tschechischen Republik, in seiner Laudatio aus.

Und Dank Menschen wie General a.D. Leopold Chalupa sei es heute möglich, über die schwierige Vergangenheit zu sprechen. Chalupa habe sich in beispielhafter Weise für die Völkerverständigung und für die Kultur eingesetzt, war der einmütige Tenor bei der Verleihung des Kulturpreises Karl IV.. Karl IV. war einer der bedeutendsten europäischen Herrscher des 14. Jahrhunderts und dient natürlich nicht zufällig als Namensgeber des Kulturpreises, der jetzt in der Aula der Domsingschule zum siebten Mal vergeben wurde.

Der Kulturverein Aachen-Prag unter Leitung von Vera Blazek zeichnet mit seinem Preis jeweils Persönlichkeiten aus, die sich in besonderem Maße für die Völkerverständigung und für die Kultur einsetzen. Leopold Chalupa wurde 1927 in Neuberg, heute Podhradí, im Westen der Tschechischen Republik, geboren und lebt in Aachen.

„Sie haben Ihre Heimat nicht vergessen, und Sie haben ihr etwas zurückgegeben“, führte Otepka weiter aus. Gemeinsam mit der Bevölkerung restaurierte Chalupa in seiner alten Heimatstadt unter anderem eine evangelische Kirche. Und nach den schaurigen Kriegserfahrungen (Chalupa geriet im Zweiten Weltkrieg in Gefangenschaft) wünsche er sich nichts mehr als ein friedliches Miteinander, hieß es immer wieder.

Aus der Heimat vertrieben

Und wie schwierig die Zeiten damals waren, wurde auch deutlich, als der um vieles jüngere Konsul Otepka seine Vergangenheit in Tschechien mit der des ehemaligen Generals verglich. Während Chalupa die Stadt Aš vor dem Zweiten Weltkrieg möglicherweise noch als kleines, blühendes Städtchen kennengelernt habe, sei gerade diese Stadt für ihn später der Inbegriff des Lebens hinter dem Eisernen Vorhang gewesen.

Und da auch Chalupas Familie von der Vertreibung aus der böhmischen Heimat betroffen war, ist er an der Völkerverständigung umso mehr interessiert, damit das, „was nie hätte geschehen sollen, in Zukunft nicht mehr geschieht“, wie es Oberbürgermeister Marcel Philipp in seinem Grußwort formulierte. Visionär über die Zeit hinausblicken und zurückblicken: Genau das habe Karl IV. getan, meinte Philipp, und stellte gleich noch einen Bezug zu den aktuellen Wahlen her. Denn auch dabei würden die Weichen für die Zukunft gestellt, sagte er.

Leopold Chalupa gab sich angesichts der vielen Lobeshymnen bescheiden, nachdem er den Preis aus den Händen von Sabine Verheyen, Sprecherin der Jury, entgegengenommen hatte. „In einigen wenigen Dingen habe ich mich wiedererkannt“, sagte er verschmitzt.

In Aachen längst heimisch

Allein die Anwesenheit zweier tschechischer Bürgermeister sei der Beweis für die gute Verständigung zwischen Tschechen und Deutschen. Er selbst denke oft an die böhmische Heimat, sagte er, auch wenn er inzwischen in Aachen mehr als heimisch geworden ist. Offensichtlich nicht zuletzt Dank der Alemannia, deren Ehrenpräsident er heute noch ist. Und so wünschte er sich und seinen Gästen zum Ausklang eine gute und friedliche, gemeinsame Zukunft.

Domkapellmeister Berthold Botzet sorgte mit zwei seiner Schüler für einen angemessen feierlichen Rahmen der Preisvergabe. Und der Mädchenchor am Aachener Dom sang zur Freude des Publikums abschließend „Laudate Dominum“ (Lobet den Herrn).

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