Aachen: „Kulturgut Tivoli“: Alemannia-Fans erhalten alte Treppenanlage

Aachen : „Kulturgut Tivoli“: Alemannia-Fans erhalten alte Treppenanlage

Schönheit liegt bekanntlich immer im Auge des Betrachters. Kein Wunder daher, dass selbst eine alte, ausgediente Treppenanlage bei entsprechendem Symbolwert noch ihren Charme entfalten kann, der sie nun vor dem endgültigen Abriss und Verschwinden bewahrt. Die Alemannia-Faninitiative kann mit ihrer Kampagne „Kulturgut Tivoli erhalten“ für den Erhalt der Treppenstufen am alten Würselener Wall einen Erfolg verbuchen.

Vor gut einem halben Jahr hat eine Gruppe von Alemannia-Fans aus dem Umfeld der Karlsbande die Kampagne gestartet, um ein letztes Überbleibsel des alten Tivoli zu retten und damit an die glorreichen Zeiten der Alemannia zu erinnern. „Durch den Erhalt würde die Stadt ein Wahrzeichen erhalten, welches zum Gedenken und Träumen einlädt und gleichzeitig die historisch-sportliche Vergangenheit der Stadt würdigt“, warben die Fußballfreunde um Wortführer Christoph Nießen um Unterstützung. Und die sollten sie auch reichlich bekommen. Viele Fans, die Alemannia-Spitze, der Stadtsportbund und selbst Vertreter der SPD zeigten Verständnis für die Forderung und unterstützten die Kampagne.

Verzögert hat dies in der Folge die Vermarktung der letzten Grundstücke im Wohngebiet rund um den alten Tivoli und den Bau mehrerer Terrassenhäuser, die am Würselener Wall entstehen sollen. Denn bevor dort gebaut werden kann, muss eben jene Treppenanlage verschwinden, über die Generationen von Alemannia-Fans in besseren Zeiten geschritten sind, um ihre Stehplätze am legendären Würselener Wall einzunehmen und die Spieler nach vorne zu peitschen.

Nun konnte eine Lösung für die heißgeliebten Aufgänge gefunden werden, wie von Seiten der Stadt bestätigt wird. Demnach sollen von beiden Seiten der Treppenaufgänge Teilstücke herausgesägt und auf das angrenzende Alemannia-Gelände verlagert werden. Dort sollen sie an einen Container angelehnt werden und Teil einer kleinen Alemannia-Kultstätte werden, in der unter anderem auch mit Bildern und kurzen Texten an die sportlichen Höhepunkte in der Vereinsgeschichte erinnert wird.

Näher an den neuen Tivoli

Keine Zustimmung gibt es für den zunächst von der Initiative geforderten Wiederaufbau der Treppe an alter Stelle. Zu groß ist offenbar auch die Sorge, dass in unmittelbarer Nähe des Wohngebiets ein Treffpunkt grölender Fans entstehen könnte. Nun soll die alte Treppenanlage also an das Alemannia-Jugendzentrum und damit deutlich näher an den neuen Tivoli heranrücken, um dort alte und junge Alemannen in Erinnerung schwelgen zu lassen.

Den Ab- und Wiederaufbau der Treppenteile wollten die Fans zunächst in Eigenleistung übernehmen. Da dies jedoch die Statik des Würselener Walls gefährden könnte, soll dies nun einer Fachfirma übertragen werden. Die Kosten sollen in einem niedrigen fünfstelligen Bereich liegen. Das Geld dafür soll offenbar von Stadt und Fangemeinschaft gemeinsam aufgebracht werden. Auch Sponsoren wollen angeblich einen Teil beisteuern.

Ein Statement zu der nun gefundenen Lösung wollte Initiator Nießen am Mittwoch nicht abgeben. Noch seien nicht alle Details abschließend geklärt, sagt er. Auch will er die Unterstützer der Kampagne zunächst über eigene Kanäle informieren, bevor er sich an die Presse wenden will. Thomas Gronen, der die Aktion seitens des Alemannia-Präsidiums begleitet, gibt sich ebenfalls noch zurückhaltend, bestätigt aber, dass eine Anlaufstelle für die Fans in der Nähe der Jugendtrainingsplätze geplant sei — samt der Treppenteile.

Derweil hofft Christoph Kemperdick, Leiter des städtischen Fachbereichs Immobilienmanagement, dass mit den Betonschneidearbeiten möglichst umgehend begonnen werden kann, damit er dann auch endlich den Verkauf der vier Hanggrundstücke über die Bühne bringen kann. Es sind die letzten, für die nun schon seit mehreren Jahren Käufer gesucht werden.

Die Pläne sehen jeweils dreigeschossige, hochwertige Wohnhäuser vor, die sich am Hang nach oben ziehen. Im Rücken der Häuser — dort wo bald die Treppenanlage verschwinden soll — soll sich später eine kleine Grünanlage erstrecken.

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