Aachen: Krugenofen bleibt heikles Terrain: Eiertanz um die Radstreifen geht weiter

Aachen : Krugenofen bleibt heikles Terrain: Eiertanz um die Radstreifen geht weiter

Die Kuh ist vom Eis, zu-mindest bis nächste Woche. Am Krugenofen werden Schutzsteifen für den Radverkehr eingerichtet, beidseitig und unter Verzicht auf 35 Parkplätze. So empfiehlt es die Bezirksvertretung Aachen-Mitte dem Mobilitätsausschuss, der darüber am kommenden Donnerstag entscheidet.

Es dauert allerdings noch eine Weile, bis die Schutzstreifen ge-pinselt sind. Derzeit wird in der Kurbrunnenstraße in Burtscheid entlang des Rosenbads umfangreich gebuddelt. Die Straße wird erneuert, weshalb sie stadtauswärts gesperrt ist und der Umleitungsverkehr über den Krugenofen läuft. Erst wenn die Kurbrunnen-straße fertig ist und die Umleitung entfällt, sollen auf dem Krugenofen die Schutzstreifen markiert werden.

Höherer Parkplatzdruck

Das soll im April 2018 sein. 35 Parkplätze am westlichen Straßen-rand fallen dann weg. Für die An-lieger wird sich der Parkplatz-druck erhöhen. Eine Bewohnerparkzone soll dem abhelfen. Sie kann aber frühestens erst ab August-September des nächsten Jahres eingerichtet werden. Einige Monate müssten die Anwohner also eine schwierige Situation ertragen.

Die CDU tat sich in den vergangenen Wochen schwer, sich für beidseitige Schutzstreifen zu erwärmen, wenn dadurch 35 Parkplätze wegfallen müssten. Während alle anderen Fraktionen, voran die Grünen, zum Schutz der Radfahrer auf eine schnelle Entscheidung drängten, taktierte die CDU und meldete in den politischen Gremien wiederholt „Beratungsbedarf“ an (die „Nachrichten“ berichteten). Die Schutzstreifen müssten mit dem Bewohnerparken gekoppelt werden, so die Union.

Auch in der Bezirksvertretung Mitte schien es zunächst, als könne nichts die CDU von dieser Linie abbringen. Jörg Lindemann holte weit aus und hätte es beinahe geschafft, das Gremium und die Zuhörer einzuschläfern, indem er zunächst Staatsphilosophisches in Sachen Demokratie dozierte und anschließend Termin für Termin den sattsam bekannten dreijähri-gen Beratungs-Marathon zum Krugenofen aufdröselte. Am Ende kramte er aber doch einen Be-schlussvorschlag der CDU hervor, der im Kern das spätere Ergebnis enthielt — bis auf eine entschei-dende Abweichung.

Kleiner Pferdefuß

Lindemann hatte in seinen kompliziert gedrechselten Text einen Pferdefuß eingebaut. Beidseitige Schutzstreifen unter Verzicht auf die Parkplätze, so war der Text zu interpretieren, aber erst nach Wiederherstellung der Kurbrunnen­straße und dem Ende der Umleitungsstrecke Krugenofen — und das alles „zeitgleich mit der Einführung des Bewohnerparkens“.

„Zeitgleich“ war der Pferdefuß. Ein Ding der Unmöglichkeit. „Im Idealfall“, erwiderte GroKo-Partner Patrick Deloie von der SPD, Befürworter der Schutzstreifen, könne laut Auskunft der Verwaltung das Bewohnerparken erst „nach August-September 2018“ eingeführt werden. „Vier, fünf Monate kommen den Anwohnern die Parkplätze abhanden, das ist doch eine verträgliche Sache“, plädierte Deloie für eine „möglichst zeit-gleiche“ Bewohnerparkzone.

Es folgte ein minutenlanges Ge-plänkel, an dem die Freunde der Semantik, der Lehre von der Be-deutung der Worte, ihre helle Freude hatten. Zeitgleich, mög-lichst zeitgleich, zeitnah, mög-lichst zeitnah, ohne Verzögerung, möglichst ohne Verzögerung — die Worte wurden geprüft, gewogen, für zu leicht befunden und abge-tan, bevor Ralf Otten (CDU) signalisierte: „Wir wollen eine Ent-scheidung auf keinen Fall auf den St. Nimmerleinstag verschieben. Mit dem Wort zeitgleich wollen wir sagen: Bewohnerparkzone so schnell wie möglich. Mit dem Zu-satz möglichst zeitgleich können wir leben.“ Der Eiertanz der CDU war zu Ende.

Es bleibt gefährlich

Grüne und Linke plädierten, die Schutzstreifen sofort und nicht erst nach dem Ende des Umbaus Kurbrunnenstraße auf dem Krugenofen anzubringen. Achim Ferrari (Grüne): „Es ist doch unstrittig, dass wir jetzt dort eine gefährliche Situation für die Radfahrer und auch die Autofahrer haben. Jetzt! Wir müssen dort schnellsten die Verkehrssituation entschärfen.“ Gleichwohl war dem Grünen dabei klar, dass es wahrscheinlich kaum möglich ist, während der Umleitungsstrecke auf dem Krugenofen auch noch Schutzstreifen rechts und links aufzumalen.

Die Verwaltung soll sich, so Lin-demanns Vorschlag weiter, für Tempo 30 während der Umleitungsphase auf dem Krugenofen einsetzen. Bleibt abzuwarten, mit welchen wortschöpferischen Erhellungen die Polit-Kollegen im Mobilitätsausschuss aufwarten, zeitnah in der kommenden Woche. Eins steht heute schon fest: Zumindest bis April bleibt es auf dem Krugenofen für Radfahrer lebensgefährlich.

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