Aachen: Krüzzbrür: Weihwasser-Ralf in großer Form

Aachen : Krüzzbrür: Weihwasser-Ralf in großer Form

Ein Ketzer! Weihwasser musste her, um bei Pfarrer Armin Drack mutmaßlich böse Gedanken eines waschechten Evangelen ultimativ zu verscheuchen. Da kennt der langjährige Krüzzbrür und kreuzkatholische Pfarrer Ralf Freyaldenhoven (Brand) nun gar kein Pardon, setzte sich das schwarze Birett auf und schwenkte aufgeregt den Weihwasserquespel.

Die Szene wiederholte sich den kompletten, sehr gelungenen Abend lang, einem Abend an den Tischen im Traditionsgasthaus „Am Knipp“ der Familie Ramrath, mit reichlich Gerstensaft und leckeren Häppchen im Retro-Look. Hier hatte man sich anlässlich der 43. Verleihung des Krüzzbrür-Ordens des Pfarrausschusses Heilig Kreuz an eben jenen aus Katholikensicht ketzerischen Konfrater Armin Drack zusammengefunden.

Letzterer stammt zu allem Überfluss auch noch aus dem Konkurrenzbistum Köln und kann bis heute nicht das dortige Platt-Idiom verleugnen — und dies, obwohl City-Pfarrer Drack seit mehr als 20 Jahren echte Öcher Ökumene lebt.

Prof. Max Kerner, dem Historiker unter den rund 70 Herrschaften aus Geistlichkeit, Wissenschaft, Politik und Geschäftsleben, gab bereits der Vorname „Armin“ zu denken, Arminius in römischen Texten eben, einer These, der der Philologe Manfred Birmans sofort widersprach. „Irminsul der Große“ habe der Armin heidnisch geheißen.
Doch Kerner blieb ruhig, verteidigte die Wahl eines Preisträgers, der dem im Mittelalter gegen die Verkommenheit des Papsttums wetternden Protestanten Luther huldige.

Das sei nicht unbedingt ein Pakt mit dem Teufel, stellte er in den Raum — und: „Lassen wir diesem eine lange Nase drehen“, bekam Kerner dann die ökumenische Kurve. Berufsspaßvogel Wendelin Haverkamp stellte die pragmatische Frage in den Raum: „Wie gehen wir überhaupt mit Ungläubigen um?“ Die prägnante Antwort: „Wir geben ihnen zu essen und zu trinken, besprühen sie dann ausgiebig mit Weihwasser“, wurde wiederum postwendend vom allgegenwärtigen „Weihwasser-Ralf“ (dem Brander Pfarrer mit dem Quespel) vollzogen.

Hochkarätig war natürlich jeder einzelne — spontane oder auch wohlüberlegte — Kurzbeitrag der ehrenwerten Herren, darunter Aachens OB Marcel Philipp und auch Prinz Axel II. am späteren Abend.

Herrlich anzuhören wieder die sprachlichen Einwürfe der Öcher-Platt-Emminenz Karl Allgaier, liebevoll das auf den Preisträger zugeschnittene Plattgedicht von Meister Hein Engelhardt, ein glänzend aufgelegter Operntenor Willy Schell trällerte am späten Abend das allbekannte Chianti-Lied („Ja, ja, der Chiantiwein, der lädt uns alle ein ...“) in den Raum, auch Rudi Moos gab mit einem Ständchen eine Kostprobe seiner Sangeskunst.

Witzig ebenso immer wieder die Anwürfe wegen der gespannten Köln-Aachener-Beziehungen. So lästerte Aachens Dombaumeister Helmut Maintz über die „riesengroße Bahnhofskapelle“ dort in Köln, für Allgaier ist das Bauwerk an der Domplatte im Vergleich zum Öcher Dom gar schlicht ein profaner „Neubau“, da schließlich erst im Jahr 1880 fertiggestellt.

Jetzt waschechter Öcher

Der gelungene Abend hatte mit Neuerungen begonnen. So wurde der langjährige Präsident Leo Bardenheuer jetzt mit 70 jungen Jahren zum Ehrenpräsidenten der Krüzzbrür ernannt — er gab die Moderation des Traditionsabends an „jüngere“ Kräfte ab, die sich trefflich mit Franz-Josef Staat und Herbert Steins bewährten.

Ein Glanzstück dann auch die Laudatio des letztjährigen Preisträgers Michael Nobis, der natürlich ein riesiges Printenbackwerk an Pfarrer Drack überreichte. Der bedankte sich mit einer fulminanten Rede und versicherte, dass er trotz seiner kölschen Herkunft ein waschechter Öcher geworden sei.

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