Aachen: Krüzzbrür-Orden für Theologieprofessor Simone Paganini

Aachen : Krüzzbrür-Orden für Theologieprofessor Simone Paganini

Damit der Aachener Bischof Helmut Dieser auch sofort wusste, wo er sich befand, begrüßten ihn die Krüzzbrür gleich einmal mit ihrer Nationalhymne „Trinkfest und arbeitsscheu, aber der Kirche treu. Halleluja.“ Dem Bischof, der erstmals beim traditionellen Herrenabend des Pfarrausschusses Heilig Kreuz zu Gast war, gefiel‘s ganz offensichtlich.

„Ich habe mich hier pudelwohl gefühlt“, sagte er knapp vier Stunden später bei seiner Verabschiedung.

Dazwischen lagen nicht nur etliche Wiederholungen eben jener Hymne sowie die Verleihung des Krüzzbrür-Ordens an den italienischen Theologen Professor Simone Paganini, der seit 2014 als Bibelwissenschaftler am theologischen Institut der RWTH in Aachen lehrt. Dazwischen lag auch das traditionelle Prozedere an diesem traditionellen Herrenabend in der traditionellen Gastwirtschaft Am Knipp mit der traditionell ellenlangen Begrüßung jedes einzelnen (!) Gastes durch den Vorsitzenden des Pfarrausschusses, Franz-Josef Staat, die fortwährend durch traditionell launig-ironische Zwischenrufe der versammelten Festcorona unterbrochen wurde, bevor das Buffet mit dem traditionell echten Lachsersatz gestürmt wurde.

Erst dann — zu schon vorgerückter Stunde — wurde es traditionell offiziell mit der Laudatio durch den Vorjahresordensträger Pfarrer Markus Frohn, der Verleihung des Ordens sowie der Dankesrede durch das nun jüngste Mitglied der Ordensbrüder, Simone Paganini.

Typisch italienisch

Laudator Frohn hatte zuvor schon neben Paganinis interessantem Lebenslauf zwischen der Lombardei, Kenia, Innsbruck, einer Schutzhütte auf 2000 Metern Höhe in Kärnten, Wien, München und Aachen auch dessen hervorstechendste Eigenschaft erwähnt: den traditionell sehr flotten italienischen Redefluss. Und der komme bei seinen Studierenden gut an, ebenso wie seine stetige Suche nach modernen Möglichkeiten, ihnen die Bibel wissenschaftlich nahezubringen — mit modernen Medien, Youtube-Predigten oder sogar Computerspielen.

Der so Gelobte macht den Worten seines Laudators anschließend alle Ehre und legte ein gehöriges Tempo vor, um in einer „aus der Hüfte geschossenen Rede“ seinen langen Weg nach Aachen zu beschreiben — an die RWTH, „die seit kurzem ja weltberühmt geworden ist“, sagte er mit Blick auf die Stickstoffdioxid-Experimente. „Selbst meine Mutter hat angerufen und gefragt: ,Ist das wirklich Deine Uni?‘“ Ja, das sei sie, versicherte er ihr. Und dort treffe er inzwischen auf Studierende, die nicht mehr christlich sozialisiert worden seien.

Also habe er ein Buch geschrieben über die Schöpfung, die die Geschichte so erzählt, dass auch die jungen Studenten sie verstehen. „Es heißt: Gott, Rotkäppchen und die Erschaffung der Welt“, sagte Paganini, der dieses Werk abschließend seinen neuen Ordensbrüdern schenkte als Dank für die Auszeichnung.

Die Beschenkten bedankten sich anschließend mit eigenen Wortbeiträgen. So sang Willy Schell, Ordensträger von 2009, das traditionelle Chianti-Lied. Pfarrer Armin Drack, Ordensträger von 2015, nannte Paganini einen Brückenbauer in die Gegenwart. Ex-Oberbürgermeister Jürgen Linden, Ordensträger von 1994, brachte Paganini Öcher Platt bei. Und der Chefredakteur unserer Zeitung, Professor Bernd Mathieu, Ordensträger von 2003, hinterfragte ironisch die Wahl Paganinis durch den Pfarrausschuss: „Es scheint mir wie beim AKV zuzugehen. Sie verstehen die Witze nicht, lachen aber trotzdem.“

Anschließend klang der Herrenabend an der Theke der Familie Ramrath aus. Und auch dies geschah — natürlich — traditionell.

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