Aachen: Kronenberg: Die Schule ist aus, die Kisten werden gepackt

Aachen : Kronenberg: Die Schule ist aus, die Kisten werden gepackt

Im Schulgarten steht sogar noch Gemüse. Aber ernten wird hier keiner mehr. Es ist geradezu gespenstisch still in der Reformpädagogischen Sekundarschule am Dreiländereck. Ein paar Tage vor dem Ferienstart lernt hier niemand mehr.

Sechs Jahre nach dem offiziellen Schließungsbeschluss macht die Hauptschule am Kronenberg endgültig zu — als letzte der drei Hauptschulen, für die 2010 das Aus besiegelt wurde.

Die letzten Schüler von der Händelstraße, gut 90 junge Flüchtlinge, lernen schon seit letzter Woche Mittwoch an ihren neuen Schulen: eine Klasse an der GHS Burtscheid und je zwei Klassen an der GHS Aretzstaße und der Hugo-Junkers-Realschule. Sie sollen sich schon jetzt ein bisschen eingewöhnen, damit der Schulwechsel ihnen nicht die ganzen langen Sommerferien über Angst macht. „Und es wäre ja auch nicht schön, in einem Schulgebäude zu lernen, das ausgeräumt wird“, sagt Konrektorin Hanni Winands-Wittig. Gemeinsam mit Schulleiterin Helga Pennartz und dem noch verbliebenen Rest des Kollegiums tut sie genau das: ausräumen, einpacken, wegwerfen. „Hier ist viel auszuräumen“, sagt Pennartz, „wir waren gut ausgestattet“.

Wegweisende Konzepte

Gut ausgestattet war die Schule auch mit Konzepten und Ideen für einen zeitgemäßen Unterricht, der sehr unterschiedlichen Kindern das gibt, was sie brauchen. „1984 hatten wir schon die erste Internationale Förderklasse“, zählt Winands-Wittig auf. Spezieller Sprachunterricht für Kinder, die aus dem Ausland zuziehen, war da für viele Schulen noch längst kein Thema. Ab 1985 gab es am Kronenberg Gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung. 1986 hatte die Hauptschule schon verbindlichen Ganztagsunterricht.

Gerne hätte das Kollegium auch 2010 die Weichen neu gestellt und die Hauptschule zur Gesamtschule weiterentwickelt. Den Zuschlag für Aachens vierte Gesamtschule bekam damals bekanntlich die David-Hansemann-Realschule. Bitter sei das endgültige Aus, sagen die beiden Schulleiterinnen. Helga Pennartz hat 31 Jahre am Kronenberg unterrichtet, seit 2009 als Schulleiterin. Hanni Winands-Wittig kam sogar schon 1979 an die Schule.

Schon seit Jahren werden an der Händelstraße keine neuen Eingangsklassen mehr gebildet. Unterrichtet wurden dort zuletzt ausschließlich Flüchtlinge. Zwar konnten die „Seiteneinsteiger“ nicht mehr wie früher nach und nach in den regulären Unterricht wechseln — es gab ja keine neuen Regelklassen mehr —, aber der Herausforderung, junge Flüchtling (sprachlich) zu integrieren, hätte man sich am Kronenberg gerne weiter gestellt. Der von der Politik beschlossene „schulische Lernort“ für Flüchtlinge wird nun aber nicht an der Händelstraße, sondern im Schulverband Aachen-Ost angesiedelt. „Ich fände es gut, wenn in nächster Zeit in Aachen ein Gesamtkonzept zur Beschulung der jungen Flüchtlinge entwickelt würde“, sagt Helga Pennartz.

Für die Schulleiterin ist nun Schluss mit Schule, sie geht in den Ruhestand. Die Mitglieder des Kollegiums sind an andere Schulen gewechselt. „Für mich ist das hier schon die zweite Schulschließung“, erzählt Lehrerin Angela Begasse. Sie war früher an der Hauptschule Franzstraße. Aber auch die ist längst zu.

Wie geht es weiter?

Wenn Helga Pennartz im September die Tür endgültig zumacht, dann bleibt ein Schulgebäude zurück, dessen Raumkonzept vor vielen Jahren schon wegweisend für einen modernen Unterricht war. Was damit passiert, ist derzeit noch offen, heißt es bei der Stadt. Die Kölner Friedensschule, die Interesse hatte, dort eine Dependance zu eröffnen, hat sich mittlerweile zurückgezogen. Über diesen Gebäudeteil verhandelt die Stadt derzeit mit dem Uniklinikum, das Interesse hat, diese Räumlichkeiten für die MTA-Ausbildung zu nutzen. Außerdem hat ein privater Kita-Träger Interesse angemeldet. Auch die Unterbringung von Flüchtlingen ist auf dem Gelände vorgesehen.

„Ein tolles Grundstück in zentraler Lage“, merkt Helga Pennartz an. In letzter Zeit sind ihr häufiger Passanten aufgefallen, die Gebäude und Grundstück sehr interessiert betrachteten.

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