Aachen: Krönungsmahl: Ein 14-Jähriger stiehlt Friedrich Merz die Show

Aachen: Krönungsmahl: Ein 14-Jähriger stiehlt Friedrich Merz die Show

Jakow Pavlenko ist 14 Jahre alt. Im Duett mit dem nur drei Jahre älteren Jan-Aurel Dawidiuk am Klavier hat er junge Violinist sogar dem eigentlichen Ehrengast des 15. Krönungsmahls am Montagabend, Festredner Friedrich Merz, ein wenig die Show gestohlen.

Denn am Ende des spanischen Tanzes Nr. 8 in C-Dur von Pablo de Sarasate erhob sich das Publikum von ihren Plätzen im Krönungssaal des Aachener Rathauses und applaudierte den Stipendiaten der Deutschen Stiftung Musikleben begeistert zu. Das war zuvor am Schluss der rund 40-minütigen Festrede von Merz so nicht der Fall gewesen.

Mit höflichem Applaus honorierten die 215 Gäste des Benefizessens zugunsten des Aachener Rathauses die Ausführungen des ehemaligen CDU-Politikers und heutigen Wirtschaftsanwalts zum Verhältnis der Europäischen Union zu den USA. „Europa und die USA —dauerhafte Wertegemeinschaft oder Zweckbündnis auf Zeit?“ hatte er seinen Beitrag zum Festabend überschrieben.

Die Beiträge eines anderen Hauptdarstellers des Abends lauteten indes so: „Mousse von Ziegenfrischkäse mit eingelegten Feigen“ gefolgt von „Seeteufel Medaillon in Safranschaum“ und „Duroc-Schweinsbäckchen 16 Stunden Sous Vide gegart“ bis zur „Trilogie von der Pflaume“. Quellenhof-Küchenchef Daniel van Zijp hatte sich dieses Vier-Gänge-Menü ausgedacht und mit seinem Team im Rathaus gekocht, perfekt serviert wurde es von der vielköpfigen Service-Mannschaft der Luxusherberge an der Monheimsallee.

Zwischen den Gängen informierte Moderator Georg Helg über die Aktivitäten des Rathausvereins, die Stipendiaten der Stiftung Musikleben — neben Pavlenko und Dawidiuk auch die 26-jährige Marie-Rosa Günther am Klavier — begeisterten mit ihrer Musik und schließlich servierte Friedrich Merz nach dem Zwischengang seine Festrede.

Brexit und Donald Trump

Darin zeichnete er ausgehend vom Brexit am 23. Juli 2016 und der Wahl Donald Trumps nur viereinhalb Monate später am 8. November ein irritierendes Bild der alten transatlantischen Achse. „Die Auswirkungen dieser beiden historischen Daten werden uns noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte beschäftigen“, sagte er. Denn in der Folge beschäftige sich die USA und die Europäische Union (EU) nur noch mit sich selbst, während ein autoritäres Regime wie China offen eine freie Marktwirtschaft propagiere. Für Merz ist diese Situation ein „Kulturkampf“.

Und der wichtigste Partner in diesem Kampf sei „die große Mehrheit des amerikanischen Volkes“, denn Trump repräsentiere bei weitem nicht die kompletten USA. Voraussetzung sei allerdings, dass die EU geschlossen auftrete. „Daher ist es eine gesellschaftspolitische Aufgabe, allen zu widersprechen, die der Schwäche der EU mit nationaler Stärke begegnen wollen“, schloss Merz, „denn das Gegenteil ist der Fall.“

Mehr von Aachener Nachrichten