Aachen: Kritik aus Haaren: Zwei Baustellen zugleich

Aachen : Kritik aus Haaren: Zwei Baustellen zugleich

„Das ist doch ein Unding“, schimpft Haarens Bezirksbürgermeister Ferdinand Corsten. Dass gleichzeitig mit der Kanalsanierung in der Alt-Haarener Straße auch am Berliner Ring eine Baustelle aufgemacht wird, ist für den Haarener Bezirksbürgermeister alles andere als ein Beweis umsichtiger Abstimmung. „Da haben die Planer wohl nicht nachgedacht.“

An das Gebuddel in der Ortsdurchfahrt von Haaren hätten sie nach seiner Ansicht aber durchaus denken können. „Das ist von der Stawag lange genug vorbereitet“, betont Corsten. Schon länger ist bekannt, dass die dortigen Kanäle saniert werden müssen. Wegen der Arbeiten am Autobahnkreuz Aachen war die Maßnahme schon einmal auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Seit gestern ist es eng auf der Alt-Haarener Straße: Auf dem 400 Meter langen Teilstück zwischen Friedenstraße und Bogenstraße werden Versorgungsleitungen und Kanäle erneuert.

Und für den Bezirksbürgermeister ist das auch völlig logisch. Denn der Verkehr aus diesem Bereich fließt auf zwei Wegen stadteinwärts: durch Haaren oder über die Autobahn. „Wenn ich diese zwei Straßen habe, kann ich sie doch nicht gleichzeitig dichtmachen“, sagt Corsten. Tatsächlich ist von den Arbeiten am Berliner Ring der dortige Autobahnanschluss Rothe Erde betroffen. Üblicherweise sei das aber die Ausweichstrecke für Autofahrer, die dem Haarener Gebuddel entgehen wollten. Im Ortskern sei die Durchfahrt derzeit „ausgesprochen schwierig“. Stadtauswärts fahren die Verkehrsteilnehmer in einer Schleife über die Haarener Gracht und die Bogenstraße, um dann wieder auf die Alt-Haarener Straße zu kommen und ihren Weg bergauf zum Gewerbegebiet Aachener Kreuz fortzusetzen.

In Gegenrichtung geht es einspurig durch das Nadelöhr, was laut Corsten einigermaßen knifflig ist. „Aber im Moment sieht es noch ganz gut aus“, meint der Bezirksbürgermeister. Er rechnet damit, dass es noch schlimmer kommt. „Jetzt haben wir noch Ferien, da ist es etwas ruhiger.“ Mit dem ersten Schultag werde es aber erfahrungsgemäß wieder voller auf Aachens Straßen. „Wir müssen abwarten, ob es in drei Wochen zum Chaos kommt“, sagt Corsten, „oder ob die Leute bis dahin andere Wege gefunden haben“. Der Weg über den Berliner Ring wird dann noch nicht frei sein, die Arbeiten des Landesbetriebs Straßen NRW dauern noch einige Wochen.

Und für die Kanalsanierung in Haaren haben die Planer eine Bauzeit von rund anderthalb Jahren kalkuliert. „Das wird eine lustige Angelegenheit“, prophezeit Corsten bitter. Nötig wäre das alles nach seiner Ansicht nicht. „Es gibt doch Abstimmungsgespräche.“ Bei solchen Gelegenheiten hätten die Aachener den Kollegen von Straßen NRW durchaus erklären können, dass der Zeitpunkt für die Buddelei am Berliner Ring nicht gerade glücklich gewählt ist. Corsten glaubt, dass man da durchaus auf offene Ohren gestoßen wäre. „Wenn man mit den Leuten gescheit redet, klappt das auch.“

Projektleiter Arnd Meyer vom Landesbetrieb Straßenbau erläutert auf Anfrage, dass man das Vorgehen mit der Stadt Aachen abgestimmt habe, von dort sei kein Protest gekommen. Die Fahrbahnerneuerungen im Bereich Berliner Ring/Charlottenburger Allee seien dringend erforderlich, da die Straße zuletzt vor 20 Jahren saniert wurde und sich in einem sehr schlechten Zustand befunden habe: „Bis zum Winter hätten wir sie nicht liegen lassen können.“

Acht Wochen lang wird es noch dauern, bis die beiden obersten Deckschichten oder der gesamte Fahrbahnaufbau erneuert worden sind — ganz bewusst sei die verkehrsarme Ferienzeit dafür gewählt worden. Eingespielt habe sich inzwischen der große Kreisverkehr, der auf der Kreuzung Breslauer Straße/Berliner Ring/Charlottenburger Allee eingerichtet worden ist. Sicherlich sei der in den ersten Tagen gewöhnungsbedürftig gewesen: „Meines Wissens gab es keine großen Probleme.“

Weniger behindernd

Den Kreisverkehr habe man deswegen gewählt, weil er weniger verkehrsbehindernd sei als eine Baustellenampel: „Da würde nicht eine derartige Verkehrsmenge durchgehen.“ Die Baumaßnahme kostet 650.000 Euro.

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