Aachen: Krisenstab übt für den Fall einer Katastrophe in Tihange

Aachen: Krisenstab übt für den Fall einer Katastrophe in Tihange

Die Verwaltungsspitze hat auf die Kritik der letzten Wochen reagiert und am Dienstag kurzfristig den Krisenstab der Stadt zu einer unangekündigten Katastrophenschutzübung zusammengerufen. Nach Angaben des Presseamts wurde dabei ein Defekt im belgischen Atomkraftwerk Tihange und eine damit zusammenhängende Bedrohungslage für die Aachener Bevölkerung zugrunde gelegt.

Von einer ersten vagen Schadensmeldung bis zum größten anzunehmenden Unfall (GAU) seien verschiedene Szenarien absolviert worden.

„Wir sind in den zurückliegenden Wochen kritisiert worden, dass wir unsere Möglichkeiten für diesen speziellen Ernstfall noch nicht entsprechend getestet hätten. Das haben wir nun nachgeholt“, teilte Philipp mit. Er betonte, dass die Sicherheit der eigenen Bevölkerung oberste Priorität besitze.

Sowohl der Oberbürgermeister als auch Feuerwehrchef Jürgen Wolff zogen am DIenstag bereits eine erste positive Bilanz. „Wir sind in der Lage, auf eine atomare Bedrohung im Katastrophenschutz zu reagieren“, so Wolff.

Allerdings sei die Handlungsfähigkeit des Aachener Katastrophenschutzes abhängig von der Schwere der Bedrohung. Ferner könne bei einer Gesamtbetrachtung die Situation in der Stadt Aachen nicht losgelöst von der Lage in der kompletten Region gesehen werden. Bis zur vollständigen Auswertung des Testszenarios und seiner Ergebnisse müsse man mit detaillierten Aussagen warten. Die Erkenntnisse der Übung sollen bei einer Pressekonferenz in der kommenden Woche erläutert werden.

Philipp betonte erneut, dass die Stadt den Status quo des rund 65 Kilometer entfernten Atomkraftwerks Tihange extrem kritisch sehe. Die Absicht des belgischen Betreibers, das mit unzähligen Rissen in der Reaktorwand versehene Tihange 2 Mitte Dezember wieder hochzufahren, bezeichnete er als bedrohlich und unverantwortlich. Diese Position hat die Stadt bereits mehrfach in einstimmig verabschiedeten Resolutionen dargelegt.

Philipp hat nach Angaben des Presseamts auch Kontakt mit dem Aktionsbündnis gegen Atomenergie Aachen aufgenommen. Man werde sich in den kommenden Tagen zum Gedankenaustausch treffen. Dabei soll insbesondere die Versorgung der Aachener mit Jodtabletten besprochen werden, die das Land als Notfallpräparat in der Apotheke des Universitätsklinikums deponiert hat.

In der Krisenübung habe sich abgezeichnet, dass eine Vorabverteilung der Tabletten „zielführender“ sei als eine Verteilung im Ernstfall. Zu dieser Erkenntnis sind bereits seit längerem Organisationen wie die Ärzte gegen den Atomkrieg oder auch die Grünen gekommen. Skeptischer haben hingegen bislang CDU und SPD auf Forderungen nach einer Vorabverteilung der Jodtabletten regagiert. Im Falle einer radioaktiven Verseuchung könne die rechtzeitige Einnahme der Tabletten vor Schilddrüsenkrebs schützen, glauben die Befürworter. Um die weitere Vorgehensweise zu klären, habe Philipp nun die Aachener Landtagsabgeordneten zu einem Gespräch eingeladen.

(gei)
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