Aachen: Kreisverkehr an der Viktoriaallee findet keine Freunde

Aachen: Kreisverkehr an der Viktoriaallee findet keine Freunde

Die Viktoriaallee ist in einem miserablen Zustand und stark erneuerungsbedürftig. Deshalb soll sie ab Anfang 2010 für rund 1,1 Millionen Euro umgestaltet werden. Die bisherigen Pläne der Verwaltung für „umfassende großflächige Erneuerungsmaßnahmen im Fahrbahn- und Gehwegbereich” finden aber teilweise wenig Gegenliebe bei den Anwohnern.

Jetzt hat sich auch die Bezirksvertretung Aachen-Mitte einstimmig gegen den geplanten Kreisverkehr im Knoten Viktoriaallee/Bismarckstraße ausgesprochen. Endgültig über die Umgestaltung entscheiden werden der Verkehrsausschuss (Donnerstag, 4. Juni) und der Stadtrat (Mittwoch, 24. Juni).

Die Zukunftswerkstatt für den Rahmenplan Frankenberger Viertel, in der zahlreiche Bürger des Stadtviertels mitgearbeitet haben, erklärte die Viktoriaallee gemeinsam mit der Oppenhoffallee zum Aushängeschild und prägenden Element für das Viertel. Dieses Ziel sehen Anwohner aber durch die Umbaupläne gefährdet.

„Schöne Allee degradiert”

Ein Kreisverkehr für den Knoten Viktoriaallee/Bismarckstraße schneide so weit in die Fluchtlinien der umliegenden Bebauung ein, dass der Charakter der historischen Linienführung vollständig zerstört werde. Zudem müssten „für eine fragwürdige Verkehrsplanung vier gesunde Alleenbäume” gefällt werden.

„Der erhaltenswerte Alleencharakter und die historischen städtebaulichen Strukturen werden ohne Notwendigkeit aufgegeben. Der Kreuzungsbereich, der noch durch die schöne Allee geprägt ist, soll großflächig zu einer Anlage des Kraftverkehrs degradiert werden”, zürnt beispielsweise Anwohner Thomas Bildheim in einem Schreiben an die Bezirksvertretung Mitte.

Das Straßenbild werde durch einen Kreisverkehr „so radikal verändert”, dass eine Verschlechterung der Wohnqualität zu befürchten sei, so die weitere Kritik.

Auch werde durch den Kreisverkehr die im Rahmenplan Frankenberger Viertel gewünschte Außengastronomie „endgültig unmöglich gemacht”. Die Verkehrssicherheit werde beeinträchtigt, neue unfallträchtige Konfliktpunkte täten sich auf. Überdies seien die Gehwege in der Allee keineswegs sanierungsbedürftig. Sie zu erneuern sei reine Geldverschwendung.

Als „überdimensioniert an dieser Stelle” bezeichnete in der Bezirksvertretung denn auch Grünen-Sprecher Achim Ferrari den geplanten Kreisverkehr. Ferrari: „Was spricht eigentlich gegen eine Rechts-vor-Links-Regelung?” Das schaffe sogar noch acht Parkplätze mehr. Um „möglichst viel Parkraum” ging es auch Marlies Diepelt (SPD).

„Alle Argumente sprechen statt eines Kreisverkehrs für eine Rechts-vor-Links-Regelung”, befand ebenfalls CDU-Sprecher Michael Janßen. Selbst Lasse Klopstein von den Linken ließ in diesem Fall einmal „rechts vor links” gelten.

Einstimmige Empfehlung

Einstimmig empfehlen deshalb die Bezirksvertreter dem entscheidungsbefugten Verkehrsausschuss für die Umgestaltung der Viktoriaallee unter anderem: zwischen Oppenhoffallee und Kirche Herz Jesu den Fahrbahnquerschnitt auf 4,50 Meter und einen beidseitigen 1,80 Meter breiten Längsparkstreifen festzulegen; im Knoten Viktoriaallee/Frankenberger Straße den Mittelstreifen um cirka einen Meter auf jeder Seite zu verlängern; die Kreuzungen Viktoriaallee/Bismarckstraße und Viktoriaallee/Frankenberger Straße und die Einmündung der Kirchenumfahrt mit speziell eingefärbtem Asphalt auszubauen; die ebenfalls 4,50 breite Kirchenumfahrt mit an der Stützmauer Schrägparkstreifen und auf der gegenüberliegenden Seite mit Längsparkstreifen auszubauen. Die Zahl der Parkplätze solle keinesfalls reduziert werden. In der gesamten Viktoriaallee solle Tempo-30 gelten.

Von einem Kreisverkehr ist im Beschluss der Bezirksvertretung Aachen-Mitte mithin nicht mehr die Rede.

Aseag hat Bedenken

Zum Schrägparken in der Umfahrt Kirche Herz-Jesu meldete Aseag-Prokurist Hermann Paetz Bedenken an. Der Center-Leiter Verkehr appellierte an die Politiker: „Das sollten wir noch einmal ausgiebig prüfen. Ich befürchte, dass wir mit den Bussen dann dort nicht mehr fahren können.” Betroffen wäre die Linie 33.

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