Aachen: Krach, Gestank und Raserei stören viele

Aachen: Krach, Gestank und Raserei stören viele

Die Einwohnerfragestunde vor der gestrigen Sitzung des Verkehrsausschusses war wieder einmal überfüllt. Und so wie es aussieht, wird dieser Zustand in Zukunft beibehalten oder sich sogar noch verschärfen.

Denn Klagen gibt es aus vielen Stellen der Stadt, zu hohe Lärm- und Abgasbelästigungen, Gefährdungen durch zu dichten oder schnellen Verkehr.

Solange die Zahl der Pkw mit herkömmlicher Technik weiter zunimmt, gleichzeitig aber Grenzwerte gesenkt oder verschärft werden, ist eine zunehmende Zahl von Beschwerden programmiert.

Und nur bedingt und mit großem Aufwand können Kommunalpolitiker Abhilfe schaffen. Am ehesten möglich sein wird das, so deutete es sich am Freitag an, in der Maria-Theresia-Allee und den angrenzenden Straßen.

So soll in der Weißhausstraße eine Tempo-30-Zone eingerichtet werden, auf der Schillerstraße und in der Maria-Theresia-Allee werden Parkplätze auf die Fahrbahn verlagert, um die Querschnitte zu verengen und Raser zu bremsen. Dem gleichen Ziel dienen auch zwei Querungshilfen im Bereich Schillerstraße und Maria-Theresia-Allee.

Als langfristige Maßnahmen sollen die Knotenpunkte Schillerstraße/Maria-Theresia-Allee und Maria-Theresia-Allee/Weißhausstraße umgebaut werden, ebenfalls die Bürgersteige verbreitert und die Fahrbahnen verengt werden.

Die Verwaltung erhielt von den um die Sicherheit ihrer Kinder bangenden Bürgern viel Lob für ihre ausführliche Vorlage, dem sich auch die Parteien unterschiedlicher Coleur anschlossen.

Dass sich die Vorstellungen von Bürgern und Verwaltungsmitarbeitern in der Umsetzung von Maßnahmen deutlich unterscheiden, zeigte sich an einem weiteren neuralgischen Punkt, der Verkehrsbelastung im Wohngebiet Hörn/Melaten.

Anwohner monierten, dass im März beschlossene Sofortmaßnahmen, etwa das Aufstellen von Tempo-30-Schildern oder von abknickender Vorfahrt, nach fünf Monaten immer noch nicht umgesetzt sind.

Sofort dauert lange

Auch Sofortmaßnahmen dauern, lautete die Antwort der Verwaltung. Besonders wenn mehrere Behörden beteiligt sind. Zudem gebe es personelle Engpässe beim Stadtbetrieb, so dass allein durch den beschlossene Maßnahmen mitunter erst nach einem halben Jahr verwirklicht werden.

Für einen Fußgängerüberweg, so wurde ein Beispiel von der Hörn genannt, brauchte es einen Vorlauf von zwei Jahren.

Konkret ging es im Ausschuss jedoch um den Ausbau der Süsterfeldstraße, der im Zusammenhang mit den Campus-Projekten Melaten und West vorrangig ausgebaut werden solle, ein Antrag der SPD und eine wesentliche Forderung der Anwohner aus Hörn-Melaten.

Erst einmal müsse man prüfen, was genau im Bereich des Westbahnhofs und im RWTH-Kernbereich geplant werde, um Rahmenplanung zu erstellen.

Am weitesten fortgeschritten sei die Planung für ein Hörsaalzentrum an der Claßenstraße, für das ein Parkhaus mit 800 Stellplätzen vorgesehen ist. Die Claßenstraße, die in die Turmstraße mündet, erhalte deswegen je eine zusätzliche Links- und Rechtsabbiegespur.

Baubeginn für den Campus West sei frühestens 2012/13. Die Verwaltung sicherte jedoch zu, dass die Wohngebiete entlastet werden sollen und die überörtlichen Verkehre für die Campus-Projekte über den Pariser Ring geleitet werden sollen.

Protest kam - wie berichtet - auch aus dem Südviertel. Eine Bürgerinitiative hat sich gegen den zunehmenden Schwerlastverkehr auf St. Vither Straße und Siegelallee gebildet. Die Verwaltung sah zwar „keine rechtliche Möglichkeit” etwa für eine Tempobegrenzung (Beigeordnete Gisela Nacken), doch das reichte den Politikern nicht.

So sollen nun - auf Vorschlag der CDU - Gespräche mit den belgischen Nachbarn geführt werden, ob die Lkw nicht durch Gebotsschilder auf der Autobahn gehalten werden können.

Außerdem sollen aktuelle Erhebungen zur Verkehrsbelastung auf dem südlichen Außenring gemacht werden. Die Polizei wurde um - auch nächtliche - Geschwindigkeitskontrollen auf Luxemburger oder Brüsseler Ring gebeten.

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