Aachen: Kostümierten „Terroristen“ im Karneval droht Anzeige

Aachen: Kostümierten „Terroristen“ im Karneval droht Anzeige

Wenn am Wochenende die Karnevalsumzüge durch Aachens Straßen ziehen, dann erleben die Öcher Jecken am Straßenrand Umzüge der Superlative. Denn der Kinderkostümzug zu Ehren des Aachener Märchenprinzen Julius I. (Philipp) wartet mit einer neuen Rekordzahl auf. Und auch im Umzug am Rosenmontag mit Prinz Mike I. (Foellmer) ganz zum Schluss gibt es einige Neuerungen zu bestaunen.

„Für den Kinderkostümzug haben in diesem Jahr 132 Gruppen mit insgesamt 3637 Teilnehmer gemeldet“, berichtet der Zugleiter Dirk Engels. Das seien 19 Gruppen und 655 Teilnehmer mehr als im vergangenen Jahr. Besonders stolz ist Engels darauf, dass sechs Schulen und Kitas mehr dabei seien als im vergangenen Jahr. Denn darum gehe es dem veranstaltendem Arbeitsausschuss Aachener Kinderkarneval (Akika) ja, „das Brauchtum in die Schulen zu transportieren und so an den Nachwuchs weiterzugeben“, so Engels. „Und wo ist dies einfacher möglich, als bei einem Karnevalszug, wo die Schüler schon bei den Vorbereitungen zusammenarbeiten und beim Zug dann gemeinsam feiern“, pflichtet ihm Frank Prömpeler, Präsident des Festausschusses Aachener Karneval (AAK), bei. „Da geht einem das Herz auf“, fügt er hinzu.

Der Zugleiter des Rosenmontagszuges, Günter Hintzen, hat zwar keine neue Rekordzahl zu vermelden — mit 169 Gruppen bleibt der Zug exakt so groß wie im vergangenen Jahr — dafür aber viele neue Gruppen. „Das Domkapitel ist erstmals mit 100 Personen dabei und Dompropst Manfred von Holtum wird in einem eigenen Wagen fahren“, berichtet Hintzen. Auch die 4 Amigos seien erstmals mit einem eigenen Wagen dabei. „Vor allem die große Zahl von 70 Privatgruppen und die vielen Unternehmen und Firmen, die sich beteiligen, zeigen, wie tief verwurzelt der Karneval in der Aachener Gesellschaft ist“, sagt Günter Hintzen.

Rund 40 Pferde sind dabei

Neu bei beiden Zügen ist ein digitales Angebot des AAK. „Wer die AAK-App auf seinem Smartphone oder Tablet hat, der bekommt zu jeder Gruppe in den Zügen automatisch Zusatzinfos angezeigt“, kündigt Frank Prömpeler an. Möglich mache das ein sogenannter Bluetooth-Beacon, mit dem jede Gruppe und jedes Fahrzeug ausgestattet wird. Die App empfange dessen Signal und zeige die Informationen genau dann an, wenn die Gruppe vorüberziehe, so Prömpeler. Die App gibt es kostenlos bei Google-Play und im App-Store.

Nicht neu, sondern traditionell nehmen bei beiden Zügen werden auch wieder Pferde eingesetzt — der allgemeinen Kritik von Tierschützern zum Trotz. So meldete sich kurz vor Karneval die Tierschutzorganisation Peta mit einem Appell an die Aachener Lokalpolitiker zu Wort, den Einsatz von Pferden bei künftigen Umzügen zu untersagen. Durch Lärm, den Menschenmassen und der herrschenden Hektik würden die Tiere einem unverantwortlichen Stress ausgesetzt, begründet Peta.

AAK-Präsident Frank Prömpeler hält dem entgegen, dass bei den Aachener Zügen nur rund 40 Pferde eingesetzt würden. „In Köln sind es beispielsweise fast 500, das ist eine ganz andere Hausnummer“, sagt Prömpeler. Außerdem würden alle Pferde an den Anfang der Züge gesetzt, so dass sie eben möglichst wenig Stress ausgesetzt seien. „Alle Pferde werden vom Veterinäramt überprüft und gegebenenfalls aus dem Zug herausgenommen“, erklärt der AAK-Chef, der betont, dass kein Tier sediert werde.

„Wir haben auch erstmals einen Leitfaden zur Teilnahme von Pferden an den Zügen verfasst“, sieht Prömpeler den AAK in Sachen Tierschutz gut aufgestellt.

Vorsicht bei Waffennachbauten

In Sachen Kostümwahl appelliert Frank Prömpeler an alle Öcher Jecken, auf martialische Kostüme — wie Terrorist mit Bombengürtel oder militärisches Spezialeinsatzkommando — zu verzichten. „Wir wollen bestimmt keine Cowboys oder Indianer verbieten, aber es gibt Kostüme, die in den Zeiten von terroristischen Anschlägen nicht angebracht sind“, sagt der AAK-Chef, der sich in dieser Sache auf einer Wellenlänge mit der Aachener Polizei befindet.

Denn auch die bittet darum, auf entsprechende Kostüme und authentisch aussehende Waffennachbauten zu verzichten. „Unter gewissen Umständen könnte dies sogar eine Anzeige nach sich ziehen“, teilt die Polizei mit.

Nach ruhigem Fettdonnerstag bleiben Polizei und Ordnungsamt präsent

Weitgehend friedlich: So lautet die Bilanz der Aachener Polizei für Fettdonnerstag — zumindest bis in die Nachmittagsstunden hinein.

In den Abendstunden stieg mit erhöhtem Alkoholkonsum bei einigen jedoch auch das Aggressionspotenzial und die damit einhergehenden karnevalstypischen Einsatzanlässe, wie Schlägerei, Körperverletzung, Randalierer, Streitigkeiten oder Sachbeschädigung nahmen zu.

Insgesamt kam es zu zehn Widerstandshandlungen gegen einschreitende Polizeibeamte in Stadt und Städteregion. So leisteten etwa drei Personen bei einer Schlägerei Widerstand im Brander Festzelt, als die Polizisten schlichtend eingriffen. Die Beamten blieben unverletzt — im Gegensatz zu zwei Fällen in Eschweiler und Simmerath, wo zwei Polizisten leicht verletzt wurden.

Bei den Verkehrskontrollen wurden in der gesamten Städteregion rund 180 Fahrzeuge angehalten. Fünf alkoholisierte Personen mussten mit zur Wache, wo Blutproben entnommen wurden. Drei von ihnen mussten zudem ihren Führerschein komplett abgeben.

Insgesamt wurden 235 karnevalstypische Einsätze gezählt — für die Polizei ein eher ruhiger Fettdonnerstag. Im Vorjahr waren es noch 401 Einsätze.

Auch für das städtische Ordnungsamt verlief der Fettdonnerstag relativ friedlich. Es sei lediglich eine Reihe von Verstößen beim unerlaubten Konsum von Alkohol und Zigaretten festgestellt worden, teilte Ordnungsamtschef Detlev Fröhlke mit. Zudem wurde etlichen Wildpinklern ein Verwarnungsgeld angeboten.

Auch im Umfeld der Karnevalszüge wird die Polizei mit zahlreichen Kräften in Uniform aber auch in zivil präsent sein und Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Ordnungsamt schützen.

Es wird anlassbezogene Personenkontrollen und im Straßenverkehr auch vielerorts Alkoholkontrollen geben. Die Polizei rät zu folgendem Feiermotto: „Vertragt euch beim Trinken und trinkt nur so viel, wie Ihr vertragt!“

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