Aachen: Kostbare Bilder verbinden Christen aus Ost und West

Aachen: Kostbare Bilder verbinden Christen aus Ost und West

Mit Staunen und Bewunderung verfolgen zurzeit die Besucher der St. Michaelskirche in der Jesuitenstraße die zweite Phase der ikonographischen Gestaltung des Kirchenraumes.

Das katholische Gotteshaus, das der griechisch-orthodoxen Gemeinde als Pfarrkirche dient, ist seit 30 Jahren ein Ort gelebter Ökumene.

„Das einzigartige Projekt der künstlerischen Ausgestaltung will den Christen unterschiedlicher Konfessionen eine Begegnung auf dem Boden ihrer gemeinsamen Traditionen ermöglichen und knüpft bei den Malereien an die Zeit vor der Spaltung in eine Ost- und eine Westkirche an”, erklärt Bischof Evmenios von Lefka. Jeder, der die Kirche betritt, solle sich hier heimisch fühlen.

War vor fünf Jahren zunächst der Altarbereich mit Malereien von faszinierender Schönheit und mit der von kunstvollen Schnitzereien gezierten Trennwand zwischen Altarraum und Kirchenschiff fertiggestellt worden, so arbeiten seit zwei Wochen griechische Künstler daran, weitere byzantinische Malereien an den Seitenwänden und dem Bereich zum Altar anzubringen.

Sie wurden in den letzten vier Monaten im Atelier des bedeutenden griechischen Ikonen- und Kirchenmalers Christophanis Voutsinas in Thessaloniki auf Leinwand gemalt, werden jetzt auf die Wände aufgetragen und mit Blattgold versehen.

Die beiden Seitenarkaden am Altar zeigen die vier Heiligen beider Kirchen, auf die die Liturgietexte zurückgehen: Johannes Chrysostomus, Vassilios den Großen, den Apostel Paulus und Papst Gregor.

Am Frontbereich zum Altar sind die beiden Kirchengründer in einer Größe von 4.50 m dargestellt: der Hl. Petrus für die Kirche des Westens mit Rom und der Hl. Andreas für die Kirche des Ostens mit Konstantinopel.

Mit der ikonographischen Darstellung dieser beiden Heiligen beginnt die eigentliche Verwirklichung der ökumenischen Konzeption, die an den Seitenwänden des Kirchenschiffs bis hin zum Eingangsbereich ihre Fortsetzung finden soll.

„Ich bin der Meinung, dass dieses künstlerische Projekt nicht nur ein hoher Gewinn für beide Kirchen in Aachen ist, sondern auch der Zukunft des Christentums in Europa dient”, sagte der Bischof.

Am Montag kann das 15 Meter hohe Gerüst wieder abgebaut werden. Fieberhaft waren die Künstler unter Leitung von Voutsinas selbst mit der Fertigstellung befasst, denn am Freitag, 25. Oktober, wird die Kirchengemeinde des Hl. Dimitrios ihr 40-jähriges Patronatsfest und das 375-jährige Jubiläum göttlicher Liturgiefeiern in St. Michael begehen.

„Nach der Vesper um 19 Uhr laden wir unsere christlichen Schwestern und Brüder zu einem Empfang der Liebe in unseren Gemeindesaal ein”, so der Bischof.

Christophanis Voutsinas gestaltet seit 22 Jahren auch Kirchen in Deutschland und schuf unter anderem die Ikonenmalereien für die Metropolien in Bonn sowie in Thessaloniki.

Er arbeitet mit seinen beiden Töchtern zusammen und ist Leiter des Kirchenchores „Agios Iaonnis Chrysostomus”, der bereits in Aachen aufgetreten ist. „Aachen ist eine schöne Stadt, besonders das Zentrum mit den Kirchen”, zeigte sich der Künstler begeistert.

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