Aachen: Kornelioktav: Kleine Brötchen sind Programm

Aachen : Kornelioktav: Kleine Brötchen sind Programm

„Gebt ihr ihnen zu essen!“ — unter diesem Leitgedanken steht die Kornelioktav, die am Sonntagmorgen mit einem Festgottesdienst beginnt. Die Festwoche zu Ehren des heiligen Kornelius wird seit dem 12. Jahrhundert jedes Jahr im September um den Gedenktag des Heiligen, den 16. September, gefeiert, der im dritten Jahrhundert zu Zeiten der Christenverfolgung zum Papst gewählt wurde und als Heiliger und Märtyrer verehrt wird.

Im Mittelalter entwickelte sich um das Kirchenfest eine Kirmes und ein Viehmarkt. Kornelius, dessen Name übersetzt „Hornträger“ bedeutet, galt als Patron des Hornviehs.

Auf dem Markt konnten wohlhabendere Pilger ihr Gewicht mit Weizen aufwiegen lassen und diesen an die Kirchengemeinde spenden. Aus dem Weizen wurden die Korneliusbrötchen gebacken und an Bedürftige verteilt, eine Tradition, die bis heute überdauert hat.

Aktuell lässt sich das Leitwort auf die aktuelle Situation im Umgang mit geflüchteten Menschen beziehen: „In Kornelimünster haben sich viele mit Engagement und Herz um Geflüchtete gekümmert und kümmern sich noch“, sagt Propst Dr. Ewald Vienken. Die Not der anderen zu sehen, bleibe weiterhin Verantwortung und Aufgabe. Doch es gehe auch um das geistliche Brot, das Wort Gottes. Auch das sei wichtig in einer Zeit, in der die Kirche vor großen Herausforderungen stehe. Die Jahrhunderte alte Tradition der Heiligenverehrung mit den Fragen der heutigen Zeit zu verbinden, ist in jedem Jahr aufs Neue eine Herausforderung. „In Kornelimünster verdichten sich die Dinge in einem guten Sinne“, meint Vienken.

Gute Verbindungen gibt es zur Kunstsammlung NRW. Die enge Verflechtung von Kunst und Kultur wird auch am Eröffnungstag sichtbar sein, denn am Sonntag ist auch der bundesweite Tag des offenen Denkmals. Um 14 Uhr wird eine Führung durch die Propsteikirche angeboten und der Hintergrund der Korneliusverehrung erläutert. An diesem Tag ist auch das Korneliusreliquar aus dem 14. Jahrhundert in der Kirche ausgestellt.

Wortkunst, Kirche und Musik

Eine Premiere ist auch der Tag mit 100 Vorschulkindern am Donnerstag. Die Kleinen feiern einen Gottesdienst und bekommen die Reliquiare der Heiligen Kornelius und Cyprian erklärt. Auch die älteren Schüler sind Gast bei der Oktav. Erstmalig findet im Rahmen der Oktav ein Evensong in der Propsteikirche statt. Pater Christian aus der benachbarten Benediktinerabtei, brachte die Form des anglikanischen Abendgebetes aus London mit, die Kantorei, Bindeglied zwischen Gemeinde und Abtei, gestaltet den Evensong am Mittwochabend um 19 Uhr.

Die Verbindung von Wortkunst, Kirche und Musik bietet am Freitagabend das Literarische Kabarett „Fool on the hill“ mit Wendelin Haverkamp und den Musikern Franz Brandt (Keyboards) und Johannes Flamm (Saxophon/Klarinette). Haverkamp trägt Gedichte der deutschen Ordensschwester Benedicta Busley OSB vor, die seit 1942 im dänischen Vor-Frue-Kloster Aasebakken lebte. Haverkamp verband mit der Ordensfrau eine jahrelange Freundschaft. Stattfinden wird der Abend ab 19.30 Uhr in der Bergkirche. Neue Wege werden auch am Samstagnachmittag beschritten: Gemeinsam mit dem Bürgerverein Kornelimünster lädt die Gemeinde ab 17.30 Uhr zur langen Tafel auf dem Marktplatz ein. „Kornelimünster sitzt an einem Tisch“ ist der Titel der Veranstaltung, die bereits ausgebucht ist.

Neben neuen Elementen kommen auch traditionelle Programmpunkte zum Tragen. Dienstag und Mittwoch wird jeweils um 15 Uhr ein Krankengottesdienst mit der Möglichkeit zur Krankensalbung oder Krankensegnung gefeiert.