Kooperation von Theater Aachen und Volkshochschule

Kostenloses Angebot : Blicke hinter den Vorhang sind erlaubt und erwünscht

Um den Aachenern das Theater näher zu bringen und Vorbehalte abzubauen, startet das Theater Aachen eine neue Kooperation mit der Volkshochschule Aachen: „Hinter dem Vorhang“ zeigt in diesem Zusammenhang fünf Inszenierungen.

Die bitterböse Komödie „Noch ist Polen nicht verloren“, mit Hagen ein verschlankter Auftakt zum Ring von Wagner sowie die Musical-Produktion „Lazarus“ vom Schauspielensemble – Theater hat viele Gesichter.

„Verschiedene Ästhetiken“ nennt Inge Zeppenfeld, Chefdramaturgin des Theaters Aachen, das. Um sie den Aachenern näher zu bringen und damit bei ihnen Vorbehalte gegenüber Stücken und Inszenierungen abzubauen, startet das Theater Aachen eine weitere Kooperation mit der Volkshochschule (VHS) Aachen: „Hinter dem Vorhang“.

Fünf Inszenierungen gehören zum Paket von „Hinter dem Vorhang“. Neben den bereits genannten im Großen Haus sind das noch „Edgar Allen Poes unheimliche Geschichten“ im Mörgens sowie „Furor“ von Lutz Hübner und Sarah Nemitz in der Kammer. Damit sind alle Spielstätten und verschiedene Theatergenres abgedeckt.

Hinter den Vorhang können die Teilnehmer des kostenlosen Angebots der VHS bei je einem Vorbereitungstreffen zusammen mit einer der vier Dramaturginnen des Hauses und ab und zu auch mit Schauspielern und Schauspielerinnen der jeweiligen Aufführung blicken – allerdings eher im übertragenen Sinne. Denn die Gruppe der wissbegierigen Theaterfreunde kommt etwa eine Woche vor einem gemeinsamen Besuch der Vorstellung zunächst in der VHS zusammen. „Dort geben wir ein wenig Hintergrund zum Stück, aber wir wollen auch die Kreativität der Teilnehmer ansprechen“, erklärte Zeppenfeld. Das könnte zum Beispiel über das gemeinsame Lesen von Regieanweisungen oder durch Entwicklung eigener Bühnenbild-Konzepte gelingen.

Nach dem gemeinsamen Theaterbesuch – die Tickets muss man bezahlen, aber nicht organisieren – trifft sich die Gruppe im Spiegelfoyer des Theaters oder im Mörgens-Café noch einmal zur gemeinsamen Nachbetrachtung. Auch Kulturinteressierte, die keine Begleitung haben, müssen so nicht allein ins Theater gehen.

Ziel von „Hinter dem Vorhang“ ist es, die Offenheit gegenüber jeder Form von Theater zu stärken. „Und wir wollen Diskursfähigkeit herstellen“, verwies Heinz W. Kneip von der VHS auf den parteipolitisch neutralen und von Einflussnahme von außen unabhängigen Bildungsauftrag der 100-jährigen Institution. „Hinter dem Vorhang“ sei indes keine direkte Reaktion auf bedrängende Kulturpolitik von Rechts, die zumindest in Ostdeutschland keine Seltenheit mehr ist. „Politisches Theater und Angebote wie ‚Hinter dem Vorhang‘ machen wir schon lange. Es wird heute nur anders wahrgenommen“, meinte Zeppenfeld.

Aber auch in Aachen versuchten Parteien wie die AfD Einfluss auf die inhaltliche Ausgestaltung von Bildungs- und Kulturprogrammen von VHS und Theatern zu nehmen, wie die Aachener VHS-Leiterin Beate Blüggel aus dem gemeinsamen Betriebsausschuss zu berichten wusste. „Alle anderen Parteien stehen aber geschlossen hinter unserer Unabhängigkeit. Deshalb sehen wir das noch nicht als Bedrohung.“

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