Aachen: Konzert mit fast sakralem Charakter

Aachen: Konzert mit fast sakralem Charakter

An Händels Brockes-Passion hat der Aachener Bachverein sich am Karfreitag gewagt. Ein Stück, das in den letzten Jahrzehnten kaum aufgeführt worden ist und von dem nur wenige CD-Einspielungen existieren. Zu Unrecht, wie der 34-köpfige Kammerchor unter Beweis stellte.

Georg Hage, seit einem Jahr Leiter des Bachvereins, hält die barocke Brockes-Passion für „eine Wiederentdeckung, die im Moment im Trend liegt”. Passend zum aktuellen Händeljahr gebe es „einige Kollegen, die das Stück zeitgleich aufgeführt haben, zum Beispiel in der Philharmonie Essen und in der Philharmonie Warschau”.

Selbst Hage hatte das Stück vorher noch nie live gehört. „Da entdeckt man noch in der Aufführung ganz tolle Momente, die man in der Situation aufgreifen und auskosten kann.” Ein Erlebnis, das Hunderte von Zuhörern in der bis auf den letzten Platz ausverkauften Kirche St. Michael in der Jesuitenstraße teilten - und das in letzter Minute noch in Gefahr geriet.

Eine Woche vor der Aufführung wurde die Solistin Silke Schwarz (Sopran) plötzlich krank. Nur wenige Tage blieben, um zu handeln. Doch Hage hatte Glück: In Gabriele Hierdeis fand er einen brillanten Ersatz. Schon mehrfach mit dem Bachverein verbunden, hatte sie in Aachen zuletzt 2008 im Rahmen der Aachener Bachtage konzertiert. Sie hatte Zeit - und sogar schon Erfahrungen mit der Brockes-Passion vorzuweisen.

Gekürzte Fassung

Mit ihrer fantastischen Sopranstimme und ihrer internationalen Bühnenerfahrung schlug sie die Zuhörer in ihren Bann, ging in ihren Rollen als Maria und Tochter Zion auf, selbst die schwierigsten Koloratur-Partien perlten mühelos von ihren Lippen.

Einziger Wermutstropfen, dass vor allem die Sopran-Passagen den Kürzungen zum Opfer gefallen waren. Gabriele Hierdeis hätte man noch ewig zuhören können, doch um die Passion insgesamt aufführbar zu gestalten, musste Hage sie auf eine Dauer von zwei Stunden kürzen.

Zwei Stunden, in denen Chor und Orchester perfekt miteinander harmonierten und Markus Auerbach mit der Partie des Jesus beeindruckte. Bei seinen ersten Tönen traf ein Sonnenstrahl durch die Kirchenfenster den Solisten - das hätte sich keine Lichtregie besser ausdenken können.

Es war eine ganz besondere Stimmung, die in St. Michael entstand, sie hatte fast Gottesdienstcharakter. Das empfand auch Georg Hage so: „Das Konzert war insgesamt für mich sehr berührend und bewegend. Ich habe das Gefühl, dass das so auch in das Publikum gegangen ist. Ich habe viele bewegte und ergriffene Reaktionen von Zuhörern erhalten. Ich denke, das die Aufführung nicht nur mir, sondern auch vielen der Interpreten sehr nahe gegangen ist.”

Das Publikum goutierte die herausragende Leistung mit minutenlangen - stehenden - Ovationen.

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